Ich habe einen Traum vom Opern-Erlebnis
Simon Bode ist Tenor an der Staatsoper Hannover – heute singt er Salomé. Foto: Staatsoper Hannover

Ich habe einen Traum vom Opern-Erlebnis

Das Vorsingen für die Oper Hannover kam ganz plötzlich. Meine Lehrerin, die berühmte Gesangspädagogin Charlotte Lehmann, sagte zu mir: „Geh da einfach mal hin.“ Das tat ich, ohne recht zu wissen, was mich erwartete. Und das Wunder geschah: ich wurde genommen! Zwei Gastrollen, eine in einer Kinderoper von Britten, und der 1. Priester in der „Zauberflöte“ waren mir in meiner ersten Spielzeit an einem Opernhaus sicher. Und das als junger Tenor mit gerade mal 22 Jahren! Ich werde nie vergessen, wie ich vor meiner ersten szenischen Probe viel zu früh voller Ehrfurcht die Bühne betrat und kaum glauben konnte, dass in der Dekoration, die da aufgebaut war, tatsächlich gleich eine Probe mit mir stattfinden sollte!

Simon Bode stammt aus Hamburg und ist einer der jüngsten Solisten an der Oper Hannover.

Als junger Sänger weiß man aber auch: Um sich zu entwickeln, muss man weiterziehen. Und so kam ich an die Oper Frankfurt und machte dort viele wichtige Erfahrungen in zahlreichen Produktionen. Als dann das Angebot aus Hannover kam, dort so wichtige Rollen wie Narraboth in „Salome“ oder auch Tamino in der „Zauberflöte“ zu singen, war mir klar, dass mich mein Weg wieder an die Leine führen würde.

Ein großer Traum hat sich also für mich bereits erfüllt: Seit Sommer 2017 bin ich festes Ensemblemitglied der Staatsoper Hannover. Angefangen hat alles in Hamburg. Meine Eltern haben mich schon früh an die Musik herangeführt. Dank eines Stipendiums konnte ich in Hannover studieren. Etliche meiner damaligen Studienkollegen habe ich im Ensemble der Staatsoper wiedergetroffen, etwa die Sopranistin Ania Vegry oder die Mezzosopranistin Mareike Morr. Hannover ist eben eine wahre Talentschmiede!

Heute singe ich in der Premiere von Richard Strauss‘ Oper „Salome“ den jungen Hauptmann Narraboth, der der Prinzessin Salome verfallen ist. Salome entgeht dies nicht, und sie bedient sich des Hauptmanns, um an das Objekt ihrer Begierde heranzukommen: Jochanaan alias Johannes den Täufer. Strauss hat zu dieser ziemlich drastischen Handlung – die bekanntlich der Bibel entstammt – seine wohl schillerndste, faszinierendste, aufregendste Musik geschrieben. Da jagt ein Gänsehautmoment den nächsten. Doch erst, wenn bei der Premiere auch Zuschauer im Saal sind und die Geschehnisse um Salome, Jochanaan und Narraboth miterleben, schließt sich der Kreis.

Was ich mir wirklich wünschen würde, ist: dass die Menschen nie vergessen, wie schön es ist, gemeinsam eine Aufführung zu erleben – mit allen Sinnen. Das ist mit dem Hören einer CD oder DVD absolut nicht zu vergleichen, es ist wirklich eine sinnliche Erfahrung, die sich auf den ganzen Körper überträgt – und auf die Seele. Das Schöne daran: jede Aufführung ist anders, jede ein Unikat, etwas ganz und gar im Augenblick Entstandenes, zu dem man im besten Falle mit Goethe sagen möchte: „Verweile doch, du bist so schön!“


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