Ich habe einen Traum von grünen Städten
Myriam Isabella Pechan träumt von einem lebenswerteren Urbanismus.

Ich habe einen Traum von grünen Städten

Ich lebe, und das mit Überzeugung, in der Stadt. Seit ich als Zehnjährige die süddeutsche, behagliche und ein wenig weltferne Dorfidylle verlassen habe, lebe ich in der sozialen Dichte städtischer Umtriebigkeit und bisweilen Ungemütlichkeit; im „Dickicht der Städte“, um es mit Brecht zu sagen. Und wenn ich auch nicht wieder zurück wollte in die Provinz, in jene Behaglichkeit des badischen Nestes meiner Kindheit, so träume ich mir doch manches Mal die Städte ein wenig… ländlicher. Grüner. Schöner. Heutzutage ist das „Grün Sein“ einer Stadt eine offizielle Auszeichnung, ein Label, das prestigeträchtig von EU-Kommissionen verliehen wird. Essen zum Beispiel wurde, nach ihrem Status European Capital of Culture – RUHR.2010, letztes Jahr zur „grünen Hauptstadt Europas“ gekürt. Und es stimmt, nachdem ich protestierend vom badischen Ländle in den Ruhrpott gezogen war, sah ich voller Erstaunen (ein), wie grün es dort (auch) ist: Ich entdeckte das Rurale an der Ruhr. Die viele vorhandene Natur und dörflichen Ecken der heutigen „Metropole Ruhr“ straften das weitverbreitete und auch zu mir vorgedrungenen Klischeebild vom kohlenstaubigen und –schwarzen Industriemoloch Lügen. Dort, in jener Heimat meiner Jugend, gehen nicht nur die einzelnen Städte fließend ineinander über (hier Dortmund, auf der anderen Straßenseite Witten, Bochum), sondern es verschwimmen auch die Grenzen zwischen ländlich und städtisch. Seither träume ich von einem Großstadtleben, das so erholsam und voller Natur sein möge wie auf dem Lande.

Ja ja, die viel besungene Berliner Luft ist nun ja, eher likördick als lieblich und hold. In meinem Traum atmet man gerne, und guten Gewissens, Stadtluft – da die Autos aus dem Zentrum verbannt worden sind. Entschleunigt, energiesparender, weniger motorisiert wünsche ich mir unserer Städte. In meiner Vorstellung ist Wohnraum bezahlbar, niemand muss auf der Straße leben. Ich träume mir das urbane Leben also gesünder, sozialer nachhaltiger, als es vielerorts heute (noch) ist.

Belebt werden die erträumten Innenstädte nicht durch Konsum, sondern durch Kommunikation. Keine city to go, sondern Orte, an denen man gerne verweilt. Die Innenstädte sind offene einladende Plätze, bevölkert von Menschen, die dort kommunizieren statt konsumieren. Mein Traum von einem lebenswerteren Urbanismus umfasst einen positiven Ethos, einen stärkeren Sinn für Ästhetik und Gemeinwohl. In diesem Sinne träume ich nicht zuletzt von einer Stadtplanung jenseits profitorientiertem City branding. Eine Stadtplanung, die nicht von oben herab, sondern für die und von den Menschen gemacht wird, die dort leben. Ich träume davon, dass es für Städte selbstverständlich ist, grün statt grau zu sein. Ich träume von einem ironiefreien „Alles so schön bunt hier!“. Natürlich in der Stadt.

 

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