Ich habe einen Traum von Inklusion

Ich habe einen Traum von Inklusion

Hans-Peter Daub, theologischer Vorstand des Stephansstiftes, über ein traumhaftes Stück Kleefeld

Mindestens einmal im Jahr ist der Traum schon zu besichtigen. Die Vielfalt beeindruckt: Gustav und Djamila; Miriam, die Michelle stillt; Werner, heute ohne seinen Rollator, sondern eingehakt bei Enkelin Jeanette; eine fröhlich lachende Gruppe junger Männer, deren Namen rund um das Mittelmeer zuhause sind; Christinnen und Christen aller Generationen und verschiedener Konfession – noch deutlich in der Mehrheit. Aber hier und dort trägt auch eine ihr Kopftuch, und ein anderer spielt mit seiner Mishaba, der Gebetskette, die Allahs unendliche Namen symbolisiert. An diesem Tag sind Freundlichkeit, die wärmende Sonne und die Neugier stärker als Fremdheit und Angst. Menschen kommen leicht ins Gespräch, begegnen einander mit Respekt, obwohl nicht wenige durch tiefe Kränkungen in ihrer Seele verletzt sind.
Wenigstens in Ansätzen – beim Jahresfest des Stephansstifts nimmt die Idee eines inklusiven Quartiers Gestalt an. Dabei hat das Gelände seinen Ursprung in einer genau gegenteiligen Vorstellung. Damals, vor weit über 100 Jahren, lag der Acker vor der Stadt abgeschieden, wahrscheinlich auch ausgegrenzt: Nur hier sei es möglich, Brüder zu Diakonen auszubilden und sie gleich praktisch arbeiten zu lassen in der Fürsorge für verwahrloste Jungen. Das ginge nicht mitten in der Stadt, war damals die Meinung. Zur gleichen Zeit wurden auch andere, die auf Hilfe angewiesen waren, in besonderen Einrichtungen außerhalb untergebracht: Menschen mit Behinderungen, Kranke, pflegebedürftige alte Menschen.
Seither ist viel geschehen. Keine Anstalt des 19. Jahrhunderts ist die Sonderwelt geblieben, als die sie entworfen wurde. Auf dem Stephansstiftsgelände gibt es heute Jugendwohngruppen, Beratungsdienste, ein Bildungszentrum, Schulen, Wohnungen für Senioren und für Mitarbeitende, Pflegeheime, Werkstätten, Verwaltung – und mittendrin eine schöne alte Kirche. Viele verschiedene Menschen kommen und gehen täglich auf das Gelände, das außer durch das alte Mauerstück zur Kirchröder Straße kaum noch an ein Anstaltsgelände erinnert.
Und doch ist der Traum größer. Eines Tages ist das ein ganz normales und genau darin vorbildliches Quartier in Hannover: Wohnungen für Familien und Wohngemeinschaften, Arbeitsplätze und Büros – nicht nur der Diakonie. Hier gibt es Schulen und Dienstleistungen für alle, normale Nachbarschaften und Gelegenheiten, sich in großer Verschiedenheit alltäglich zu begegnen. Wir arbeiten an diesem Traum. Es ist noch ein Weg, aber am Himmelfahrtstag, 14. Mai, kann man schon einmal erleben, was der Traum von Inklusion meint: Auch Sie sind zum Jahresfest von 10 bis 18 Uhr herzlich willkommen!

Hans-Peter Daub, 56 Jahre alt, ist seit dem 1. November 2014 theologischer Vorstand der Dachstiftung Diakonie und des Stephansstiftes. Er ist mit einer Pastorin verheiratet, beide sind Eltern einer erwachsenen Tochter und seit Kurzem auch Großeltern. Neben der erfüllenden Arbeit im Stephansstift ist er als hannoverscher Neubürger begeistert von der Kultur- und Musikszene der Stadt, die er und seine Frau nach Möglichkeit nutzen.

Hans-Peter Daub, 56 Jahre alt, ist seit dem 1. November 2014 theologischer Vorstand der Dachstiftung Diakonie und des Stephansstiftes. Er ist mit einer Pastorin verheiratet, beide sind Eltern einer erwachsenen Tochter und seit Kurzem auch Großeltern. Neben der erfüllenden Arbeit im Stephansstift ist er als hannoverscher Neubürger begeistert von der Kultur- und Musikszene der Stadt, die er und seine Frau nach Möglichkeit nutzen.

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