Ich habe einen Traum von Mensch und Natur
Foto: NABU / May

Ich habe einen Traum von Mensch und Natur

Seit 30 Jahren spreche ich nun schon über Naturschutz in Niedersachsen. Ich kann sagen, dass ich in diesem Zeitraum schon viel erlebt habe. Anfangs ging es um grundsätzliche und große Themenbereiche – im Sinne den „Naturschutz in der Gesellschaft verankern“. So zum Beispiel die ehrenamtliche Mitwirkung an Planverfahren als anerkannter Naturschutzverband voranzutreiben, das Schutzgebiet Wattenmeer als Nationalpark im Zuge der politischen Umweltarbeit auszuweisen, Landschaftsverbrauch bei länderübergreifenden Infrastrukturprojekten zu erfassen und in die Planungen einfließen zu lassen oder  Umweltbildungsveranstaltungen zu heimischen Tieren und Pflanzen organisieren. Diese Liste könnte ich endlos weiterführen.

Ulrich Thüre ist seit knapp 30 Jahren Pressesprecher des NABU Niedersachsen und begleitet das Thema Naturschutz seit seiner Jugendzeit, was dann auch seinen Ausbildungs- und Berufsweg prägte. Foto: Mareike Sonnenschein

Grundlage aller dieser Themen ist eine umfassende Artenkenntnis, die mittels Bestimmungshilfen und -büchern erarbeitet wurde. Die Notwendigkeit von Artenerfassungen von Tieren und Pflanzen, deren Zusammenhänge in Landschaftsstrukturen zu erkennen und zu beschreiben, stand nicht zu Debatte, sondern wurde für wichtig erachtet. Hier zeigen sich allerdings doch Veränderungen.

Bei Naturerlebnisaktionen mit Kindern und Jugendlichen ist regelmäßig festzustellen, dass sich das Wissen über die Natur, insbesondere der Artenkenntnis, immer weiter verringert, bei manchen Kindern sogar einem Nullniveau nähert. Einige kennen 13 Handy-Klingeltöne, aber nicht drei Vogelarten – und das ist eine Zeitbombe. Denn Naturentfremdung bedeutet auch, dass die Kinder, die Entscheidungsträger von morgen, den Wert von Natur nicht mehr erkennen und sich für deren Erhalt nicht stark machen werden.

Aktuell zeichnen die neuesten Erkenntnisse über das Insektensterben und die dramatischen Fehlentwicklungen in der Landwirtschaft ein düsteres Zukunftsbild: verseuchtes Trinkwasser, kollabierende Ökosysteme, Rückgang der biologischen Vielfalt, Verlust an Honig- und Wildbienen. Es wird jetzt (hoffentlich) deutlich, dass es auf jede einzelne Art ankommt. Jetzt ist der Zeitpunkt, an dem wir noch umsteuern können und dieses Szenario hinter uns lassen können.

Da ist sowohl die große Politik aber auch jeder einzelne Bürger gefragt. Jeder Einzelne sollte sich fragen, was er seinen Kindern hinterlassen möchte. Ich selbst glaube an die Kraft der Veränderung und träume von einem Leben, bei dem sich Mensch und Natur im Einklang befinden. Der amerikanische Philosoph und Naturalist Henry David Thoreau hat bereits im 19. Jahrhundert gesagt „Was vor uns liegt und was hinter uns liegt, sind Kleinigkeiten zu dem, was in uns liegt. Und wenn wir das, was in uns liegt, nach außen in die Welt tragen, geschehen Wunder.“


Mehr Träume aus Hannover lesen Sie in unserer Serie „Ich habe einen Traum von…“

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