Ich habe einen Traum von Musik
Aida feiert Premiere in der Staastsoper Hannover. Foto: Jauk

Ich habe einen Traum von Musik

Der Chordirektor der Staatsoper Hannover Lorenzo Da Rio ​träumt davon, Bachs h-Moll-Messe zu dirigieren

Wenn sich in diesen Tagen der Vorhang zu einer Vorstellung von Giuseppe Verdis „Aida“ hebt, bin ich in Hochstimmung: dann wird mir nämlich wieder bewusst, dass sich ein großer Traum von mir erfüllt hat. Und den habe ich schon sehr lange! Ich war nämlich erst sieben, als mein Vater im Fernsehen eine Übertragung von Verdis vielleicht schönster Oper aus der Mailänder Scala schaute, mit Luciano Pavarotti. Da wusste ich: ich will Musiker werden (und doch nicht Fußballer)!

Es kam dann etwas anders: zunächst studierte ich Maschinenbau in meiner Heimatstadt Triest. Daneben spielte ich Orgel – aber das war mehr ein Hobby. Doch irgendwann stand fest: ich werde die Musik tatsächlich zu meinem Beruf machen, wozu mich auch einige meiner Lehrer ermutigten. Dennoch ging es nicht ohne Widerstände: sogar meine Familie war erst mal dagegen! Ein Jahr arbeitete ich als Musiklehrer. Eine wichtige Erfahrung – denn mir wurde klar, dass ich vor allem eines will: Musik machen. Und dann zog ich nach Deutschland, studierte dort Dirigieren, kam als Chordirektor und Kapellmeister an ein kleines Theater und lernte meine Frau kennen. Inzwischen haben wir auch ein kleines Kind. Dass ich einmal meine Familie nur durch Musik ernähren könnte, war für mich lange Zeit undenkbar! Jetzt ist es Realität geworden, und ich bin sogar Chordirektor an der Hannoverschen Staatsoper.

Dass ich nun eine erste „Aida“ mit dem Chor der Staatsoper einstudieren konnte, erfüllt mich also mit Freude und Stolz. Wobei für mich die Hauptarbeit gar nicht in den Vorstellungen liegt, sondern in der Vorarbeit: dem Studium der Partitur, den musikalischen und szenischen Proben. Ich bin beinahe süchtig danach! 

Musik beherrscht ohnehin mein ganzes Leben: Neben Orgel spiele ich Klavier, Klarinette, Posaune und Kontrabass. Aber einen Chor zu dirigieren, ist natürlich eine besondere Herausforderung – gerade im Falle der „Aida“, die eine echte Choroper ist, mit vielen prächtigen Chören auf und einigen sehr stimmungsvollen Chören hinter der Bühne. Ob ich eines Tages nur noch dirigieren werde? Wer weiß. Ich glaube jedenfalls fest daran, dass Veränderungen für den Menschen wichtig sind. Einen unerfüllten Traum habe ich übrigens noch – und den hoffe ich eines Tages mit vielen Menschen teilen zu können: Ich möchte (mindestens) einmal im Leben Bachs großartige h-Moll-Messe einstudiert und dirigiert haben, für mich eines der Gipfelwerke abendländischer Musik.

 

 

 

 

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