Ich habe einen Traum von Mut
Hilkje Hänel ist die Tochter des hannoverschen Schriftsteller-Paares Ulrike Gerold und Wolfram Hänel. Wie ihre Eltern schreibt auch sie Krimis.

Ich habe einen Traum von Mut

Meine Generation ist verdrossen. Die Welt vor dem Fenster ist triste und scheinbar unveränderbar. Es vergeht kein Tag, an dem wir nicht über einen Krieg lesen, über Menschen auf der Flucht, über Anschläge und rassistische Übergriffe, über gestrichene Sozialleistungen. Da ist kein Platz für irgendwelche Träume.

Zu sehr sind wir damit beschäftigt, über die Runden zu kommen, zu überleben, einfach zu sein. Immer dann, wenn man sich mühsam einen Traum aufbaut, etwas, für das es sich zu kämpfen und zu leben lohnt, wacht man auf und alles ist noch viel schlimmer. Wie sollten wir da anders sein als verdrossen?

Ich bin davon überzeugt, dass Träumen Mut erfordert in der heutigen Welt. Und Mut kommt von Ärger. Ich wünsche mir, dass wir wieder ärgerlich werden, über Kriege und Flucht, über Anschläge und rassistische Übergriffe, über gestrichene Sozialleistungen – darüber, dass einige wenige über das Leben von vielen bestimmen. Und um Ärger zu spüren, braucht es eine Beschreibung der Realität. Das ist es, was ich in meinen Krimis versuche. Ich versuche, Gewalt als Alltäglichkeit zu zeigen. Nicht als Ausnahmezustand, sondern im Hier und Jetzt. Gewalt gegen Frauen. Gewalt gegen Flüchtlinge. Und ich hoffe, dass diese Beschreibung der Alltäglichkeit endlich wieder Mut bringt. Mut, Träume einer besseren Welt zu bauen.

In meinem gerade erschienenen Krimi „Engel der Erlösung” geht es um die alltägliche Gewalt an Frauen. Das Thema Gewalt an Frauen wird häufig als über die Maßen brutal dargestellt, als außergewöhnlich, selten. Oftmals werden die Opfer mit Rachefantasien dargestellt. Der Täter ist dann plötzlich Opfer einer gewalttätigen Frau. Aber das entspricht so gar nicht der Realität. Die wenigsten Opfer rächen sich. Und die Gewalt an Frauen ist häufig alltäglich und eben nicht über die Maßen brutal. Da ist also noch eine ganz andere Seite, die nicht zur Sprache kommt. Das habe ich versucht zu ändern in diesem Krimi.


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