Ich habe einen Traum von Vernetzung
Der TKH bringt mit seinen vielfältigen Angeboten Menschen zusammen.

Ich habe einen Traum von Vernetzung

Als ich ein kleiner Junge war und am einzigen Garagentor in unserer Straße Toreschießen übte, gab es an elektronischen Medien Radio – in der Luxusausgabe als „Drahtfunk“ – und Schwarz-Weiß-Fernsehen mit einem Programm – alles von meinen Eltern streng reglementiert. Sonst nix. Es wurde sozusagen analog gelebt. Wer da als Kind oder Jugendlicher was erleben wollte und nicht gerade Schule hatte, musste „was lesen“ (bei Stark­regen) oder „raus“ (bei jedem anderen Wetter). Weil man nicht ständig Nachbarn ärgern kann und Langeweile kein Lebensmodell ist, suchten wir uns Spielgefährten – bei den Pfadfindern, der freiwilligen Feuerwehr, den Jugendkreisen der Kirchen – und eben in den Sportvereinen.

Peter Blum, 70 Jahre alt, ist Aufsichtsratsvorsitzender des Turn-Klubb zu Hannover (TKH)

Das geht heute auch anders. Freizeit gibt’s nicht nur analog. Du kannst heute locker den ganzen Tag am großen oder kleinen Bildschirm verbringen, ohne einen einzigen Muskel anzuspannen und ohne mit irgendwem ein Wort zu wechseln (von Alexa mal abgesehen). Und du hast trotzdem das Gefühl, was erlebt zu haben. Denn Illusion und Realität haben scheinbar gleichen Wert, und die Illusion bekommst du frei Haus, ohne Anstrengung, allein, ohne Partner.

Problem: Das Leben selbst ist immer noch analog. Immer noch müssen wir uns aufeinander einlassen. Es ist wichtig, Freunde zu haben. Es ist wichtig, den fairen Umgang mit Menschen zu lernen und zu praktizieren (auch wenn man jemanden einmal nicht ausstehen kann). Es ist wichtig zu erkennen, dass Umwelt keine Beute ist. Es ist wichtig zu begreifen, dass ich Hilfe nur erwarten kann, wenn ich selbst Hilfe gewähre. Und es gibt so viele andere wichtige Dinge, die nur im Miteinander funktionieren.

Dieses wirkliche Leben, unser soziales Miteinander, ist kostbar. Aber es scheint nicht mehr zwangsläufig. Und deshalb müssen wir mehr als früher dafür tun.

Es ist ja nicht so, dass wir das nicht längst erkannt hätten. Überall in unserer Stadtgesellschaft arbeiten Menschen daran, unser soziales Miteinander erlebbar zu halten und gegen Vereinzelung und Vereinsamung zu verteidigen. Beispiel TKH: Gerade in dieser Woche feiern unsere rund 6500 Mitglieder den 160. Geburtstag des Turn-Klubb zu Hannover, der uns über ganz Hannover hinweg in einer schönen Gemeinschaft eint.
Sportvereine, die sehr wohl um den Wert ihrer Tradition wissen, stehen mitten drin im Leben der Stadt. Sie begreifen sich als Teil des politischen Lebens, betreuen Ganztagsgrundschulen, kooperieren mit Kindergärten, kümmern sich um Ferienbetreuungen und freie Sportwettbewerbe und entwickeln dabei eigene pä­dagogische und gesundheitsorientierte Konzepte.

Mein Traum? Ganz altmodisch: Lasst uns das die nächsten 160 Jahre zusammen machen. Nicht nur Sport. Nicht nur Politik. Nicht nur Kirchen. Nicht nur die, die sich in anderer Funktion um das Gemeinwohl kümmern. Heute nennt man das wohl „Vernetzung“. Das ist es, was wir brauchen: Lasst uns einen gemeinsamen Plan machen, damit das wirkliche Leben schön bleibt.


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