Ich habe einen Traum von Zeit füreinander
Szenebild aus Hänsel und Gretel. Foto: Staatsoper Hannover

Ich habe einen Traum von Zeit füreinander

Einen Tag vor Silvester singe ich sie wieder einmal, jene Rolle, die mich inzwischen fast ein Vierteljahrhundert begleitet: die Gretel in Engelbert Humperdincks Märchenoper „Hänsel und Gretel“. Unsere Inszenierung ist doppelt so alt – gerade haben wir die 500. Vorstellung gefeiert. Die Szene im Wald, bevor die Hexe kommt, mag ich besonders, denn auch im „normalen Leben“ bin ich gern in der Natur. Das könnte mit meiner Herkunft zu tun haben: Ich wurde in Freiburg geboren, liebe das Glottertal und den Hochschwarzwald und finde dort in den Ferien einen wunderbaren Ausgleich zu meinem Leben als Sängerin.

Carmen Fuggiss ist Sängerin an der Staatsoper Hannover und singt die Gretel in Hänsel und Gretel.

Sängerin zu sein ist ein wunderbarer Beruf, auch wenn er einem viel abverlangt, Disziplin vor allem. Andererseits ist das Singen eine große Quelle der Freude und Lebenslust für mich. Dass ich Sängerin geworden bin, ist für mich schon die Erfüllung eines großen Traums. Dabei hat mir ein Grundsatz geholfen: Nicht immer das Schlimmste erwarten, optimistisch durchs Leben gehen. Ja, ich erlaube mir, das Gute vom Leben zu erwarten! Und meistens enttäuscht es mich nicht.

Eine wichtige Konstante in meinem Leben ist mein Mann Jonathan. Es gibt Paare, bei denen beide Partner völlig unterschiedliche Berufe haben. Das kann bestens funktionieren! Bei Jonathan und mir ist es anders: Wir sind beide Musiker mit Leib und Seele. Kennengelernt haben wir uns schon in Freiburg. Und wir hatten das große Glück, dass wir in unserem Berufsleben die meiste Zeit zusammenbleiben konnten. Für mich ging es von Freiburg aus ins erste Engagement nach Mannheim.

Es folgte eine Zeit als Freiberuflerin mit wichtigen Uraufführungen an der Hamburgischen Staatsoper (Rihm­s „Hamletmaschine“ und „Die Eroberung von Mexiko“). Dann kam ich nach Würzburg und schließlich nach Hannover. Hans-Peter Lehmann, der Vor-Vorgänger von Dr. Klügl, hat mich engagiert. Seither bin ich „meinem“ Haus, der Staatsoper, treu geblieben. Inzwischen unterrichte ich auch und bin immer wieder fasziniert, wie sich Menschen durch den Gesang verändern, wie sie aus sich herauskommen, sich öffnen, sich mitteilen.

Jetzt, zur Zeit des Jahreswechsels, träume ich wie wohl die meisten Menschen auf diesem Planeten von Harmonie. Lassen Sie uns einen gemeinsamen Vorsatz fassen. Machen wir uns in diesen Tagen das größte Geschenk überhaupt: nehmen wir uns Zeit füreinander.


Mehr Träume von Prominenten aus Hannover lesen Sie in unserer Serie „Ich habe einen Traum von…

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