Kleiner Mann ganz groß
Der Zeichner Rainer Ehrt lässt Lichtenberg (links) mit Goethe über die Farbenlehre diskutieren. Grafik: Museum Wilhelm Busch / Privatbesitz

Kleiner Mann ganz groß

„Lichtenberg reloaded“ im Museum Wilhelm Busch ist einem außergewöhnlichen Gelehrten gewidmet

Von Wilfried Schmücking-Goldmann

Hannover. „Lichtenberg reloaded“ – frei übersetzt: „Lichtenberg aufgeladen“ ist der Titel der aktuellen Ausstellung im Museum Wilhelm Busch. Bis zum 25. Mai sind sehr unterschiedliche Arbeiten von 45 Künstlern zu Leben und Werk des Göttinger Physikers, Philosophen und Literaten Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799) zu sehen.
Der erste deutsche Professor für Experimentalphysik gilt als einer der ungewöhnlichsten Köpfe der deutschen Geistesgeschichte. Kleinwüchsig, mit zwei Buckeln und ständig unter Kurzatmigkeit leidend, war Lichtenberg eine auffallende Erscheinung, die bis heute zu künstlerischen und satirischen Auseinandersetzungen anregt. So ist auf einer Zeichnung von Dorthe Landschulz in der Ausstellung der offene Körper des Gelehrten zu sehen – mit zwei Gehirnen, eins im Kopf und eins im Buckel.
Lichtenberg war einer der genialsten Köpfe des 18. Jahrhunderts. Auf ihn gehen die theoretischen Grundlagen für den Fotokopierer zurück, er beschäftigte sich mit Blitzableitern und sogar mit der Möglichkeit von Zeitreisen.
Seine philosophischen Gedanken hielt er in kleinen Heften fest, die er „Sudelbücher“ nannte. Zahlreiche Gedanken daraus zählen zum geistreichsten, das je in deutscher Sprache notiert wurde. Heute sind sie  Grundlage für satirische Arbeiten. Der Satz „die Fliege, die nicht geklappt sein will, setzt sich am Besten auf die Klappe selbst“ ist gleich von mehreren Künstlern in unterschiedlichsten Variationen verarbeitet worden.
In den letzten hundert Jahren haben sich Künstler immer wieder von Lichtenbergs Gedanken anregen lassen. So entdeckten Horst Janssen, Robert Gernhardt und Rainer Ehrt den großen Gelehrten für sich. Der Zeichner Janssen hat sogar vermutet, dass Lichtenberg in ihn gefahren sei. Über zweihundert Zeichnungen hat er Lichtenberg gewidmet. Eine Auswahl ist jetzt in der Schau im Museum Wilhelm Busch zu sehen.
Von der Strichzeichnung über den Comic-Strip bis zur ausgeklügelten Foto-Installation wird Lichtenberg künstlerisch wieder „aufgeladen“. Neben den Lichtenberg-Zyklen von Horst Janssen, Robert Gernhardt und Rainer Ehrt sind Arbeiten von Loriot, Franziska Becker, Gerhard Glück und vielen anderen vertreten.
Einige Zeichnungen sind exklusiv für die Ausstellung entstanden und brandaktuell. So bezieht sich Marion Vina mit einem Blatt direkt auf den Terroranschlag auf die Mitarbeiter der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ im Januar in Paris. Zitiert wird die Titelzeichnung der ersten Ausgabe nach dem Anschlag. Unter dem abgewandelten Titel „Charia Hebdo“ ist ein Satz von Lichtenberg zu lesen: „Mehr als das Gold hat das Blei die Welt verändert. Und mehr als das Blei in der Flinte das im Setzkasten.“
Ergänzt wird die Kunstschau von Nachbauten von Maschinen, die Lichtenberg für seine physikalischen Experimente nutzte.

Die Ausstellung „Lichtenberg reloaded! Eine Hommage“ ist noch bis zum 25. Mai im Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst, Georgengarten, zu sehen.
Die Öffnungszeiten sind dienstags bis sonntags und an Feiertagen von 11 bis 18 Uhr.
Das Begleitbuch zur Ausstellung kostet 29,95 Euro.
❱❱ www.karikatur-museum.de

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