Mit Humboldt durchs Museum
Zuhören und staunen: Mit dem neuen Audioguide unterwegs auf Entdeckertour im Landesmuseum. Foto: Surrey

Mit Humboldt durchs Museum

Das Landesmuseum bietet einen neuen Audioguide für Kinder an und schickt sie auf Entdeckertour

Von Heike Schmidt
Hannover. Diese Führung ist wie gemacht für verregnete Wochenenden und dementsprechend verquengelte Kinder: Bei der Kasse im Museumsshop holen wir uns zwei Audioguides. Das Landesmuseum bietet kostenlos eine neue Führung speziell für Kinder durch die Naturwelten an. Mit dem Gelehrten Alexander von Humboldt, beziehungsweise dem Schiffsjungen, den er rettet, soll es auf große Fahrt durch die Ausstellung gehen. Das ist geschickt – schließlich gilt Humboldt als der Naturforscher seiner Zeit und nicht wenige Sammlungen in Museen gründen sich auf diese Entdeckerlust.
Das Problem: Humboldt ist schon einige Jahre tot. Um genau zu sein: 156 Jahre. Und wer das als kleiner Mensch (noch) nicht weiß, der könnte etwas verwirrt sein, warum Schiffe in Seenot geraten und warum einst der Dschungel noch viel gefährlicher erschien als heute. Schließlich kann man sich heute im Zweifelsfall in ein Flugzeug setzen und ist in wenigen Stunden auf einem anderen Kontinent. Also, bevor die Kopfhörer auf die Ohren kommen, sollten Erwachsene zumindest kurz erklären, wie das so war mit dem Reisen vor 200 Jahren – nämlich nicht nur anstrengend, sondern vor allem auch abenteuerlich – und genau das macht sich das Landesmuseum in seiner Geschichte zu Nutze.
Los geht es: Auf dem Display leuchtet eine Art Schatzkarte auf. Auf ihr sind einige Punkte markiert. Berührt man sie, startet die Reise. Sie beginnt ganz klassisch an einem Strandkorb am Eingang zu den Naturwelten. Man hört einen Mann mit schnarriger Stimme (Ludger Abeln) auf eine Möwe schimpfen. Sie hat eine Hinterlassenschaft direkt auf seiner Hose platziert. Nun steht der Mann im Meer, versucht seine Hose rein zu bekommen, findet dabei eine Flaschenpost und erinnert sich– an die erste Flaschenpost, die er in Seenot selbst ins Meer geworfen hat.
„Ist das Humboldt, der da spricht?“, fragt die kleine Mitreisende. Nein, ist es nicht. Der kommt später. Auf Höhe der Kanarienvögel im Museum. An der Stelle rettet der Gelehrte nämlich den einstigen Schiffsjungen, der die Geschichte erzählt, aus den Fluten und nimmt ihn mit auf seine Expedition. Und so geht es zum Krokodil, der Hundskopfboa, dem Papagei, dem Jaguar oder auch dem Fettschwalm, einem ausgestopften Vogel, der wegen seines eingelagerten Fettes bei Ureinwohnern Südamerikas gern als Öllieferant zum Kochen genutzt wurde.
Die einzelnen Stationen lassen sich recht einfach finden. Die Kinder haben Spaß daran, mit Hilfe der Karte das Museum zu entdecken. Einziges Manko, das jeder Handybesitzer kennt: Kaum dreht man (auch aus Versehen) das Gerät etwas, verrutscht auch die Karte und wird mal größer, mal kleiner. Im kleinen Format sind dann die einzelnen Punkte nicht mehr so leicht zu aktivieren, so dass man vor manchen Objekten die Geräte ein wenig hin und herdrehen muss. Doch das tut der Führung an sich keinen Abbruch. Die Geschichte ist spannend und man lernt wirklich einiges über die Ausstellungsstücke. Die Macher haben sie so geschickt ausgewählt, dass die Geschichte schlüssig ist – allein beim Übergang von den Natur- in die Wasserwelten, in denen man die letzten vier Stationen suchen muss, wird es etwas schwieriger, diese auch wirklich zu finden. Besonders wenn sich der Zitteraal vesteckt, kann es etwas problematisch werden. Die Piranhas und die Plattfische hingegen sind wieder etwas einfacher auszumachen. Und so endet die Geschichte auch genau dort, wo sie angefangen hat: an der Nordsee. Und kleine Besucher haben zumindest eine Vorstellung davon, was einen echten Forscher wirklich ausmacht: Entdeckerdrang.

Das Leihen der Audioguides kostet nichts. Es muss aber ein Personalausweis hinterlegt werden. Der Eintritt zur Ausstellung kostet 9 Euro für Familien. Am Freitag ab 14 Uhr ist auch der Eintritt frei.

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