Schule erst ab sechs Jahren?
Die Einschulung ist ein großer Einschnitt im Leben der Kinder – für manche kommt sie zu früh. Foto: Imago

Schule erst ab sechs Jahren?

Wann sind Kinder reif für die Schule? Bereits mit fünfeinhalb Jahren – oder doch lieber erst mit sechs? In Niedersachsen und anderen Bundesländern wird das heftig diskutiert. Es geht um den Stichtag, ab dem Kinder schulpflichtig werden.

Berlin hatte diesen auf den 31. Dezember nach hinten verschoben. Bei einem Schulbeginn im August/September wurden also schon Kinder eingeschult, die gerade einmal fünfeinhalb Jahre alt waren. Die Zahl der Rückstellungen stieg sprunghaft an – zumal in der Hauptstadt dafür noch nicht einmal mehr Gutachten oder Stellungnahmen der Kita nötig waren.

Daraufhin ruderte die Berliner Politik zurück: Ab dem nächsten Schuljahr gilt dort wieder der 30. September als Stichtag. Es werden also noch Kinder eingeschult, die nicht ganz sechs Jahre alt sind, dies aber sehr bald werden.   In Niedersachsen soll dieser Stichtag noch weiter nach vorne verschoben werden, auf den 30. Juni, wie es lange Praxis war.

Erst seit fünf Jahren gilt der 30. September.  Knapp 21 000 Niedersachsen fordern in einer Onlinepetition, den Stichtag für die Einschulung wieder nach vorn zu verschieben.
„Der frühe Vogel verfehlt den Wurm“, lautet die Überschrift eines Artikels, den die Initiatoren auf ihrer Website teilen. Lehrer teilen diese Einschätzung. Insbesondere Jungen, die im Sommer Geburtstag haben, würden von Anfang an in der Schule hinterherhinken.
Seit mehr als fünf Jahren werden in Niedersachsen in der Regel alle Kinder eingeschult, die bis Anfang Oktober sechs Jahre alt werden. Vor allem Familien mit Jungen, die im Sommer Geburtstag haben, berichten von schlechten Erfahrungen.
Nicht nur Eltern, auch viele Erzieher und Lehrer haben die Petition gegen Früheinschulung unterschrieben. Das lange Stillsitzen. Die vollen Klassen, in denen nicht nur viele andere Kinder, sondern manchmal auch bis zu fünf Erwachsene sind, um Schüler mit Handicap zu unterstützen. Für Fünfjährige kann das zu viel sein.

Wer früh eingeschult wird, hechelt oft nicht nur in der ersten Klasse, sondern jahrelang hinterher. Es mag pädagogisch richtig sein, Kinder von der Einschulung zurückzustellen. Wer aber ein Jahr lang in der Kita als „Schulanfänger“ auf den Übergang vorbereitet wird und dann zurückbleibt, wird bitter enttäuscht.

Von Jan Sternberg

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