Suzi Quatro auf dem Roten Sofa
Suzi Quatro im Gespräch mit Heike Schmidt auf dem Roten Sofa. Foto: Niehaus

Suzi Quatro auf dem Roten Sofa

Sie rockt seit mehr als 50 Jahren die Welt: Suzi Quatro ist die unbestrittene Queen of Rock ’n’ Roll. Ans Aufhören denkt die 68-Jährige noch lange nicht. „Ich gehe erst in Rente, wenn ich mich umdrehe, mit dem Hintern wackele und es herrscht Stille“, sagt sie. Am 29. März bringt sie ein neues Album heraus. Es heißt „No Control“ und spiegelt auch das Lebensmotto der Sängerin wieder, die am 15. Mai live im Theater am Aegi zu sehen sein wird.

Reden wir über Ihr neues Album. Es war das erste Mal, dass Sie mit Ihrem Sohn Richard zusammengearbeitet haben. Wer hatte die Idee dazu?
Er hatte die Idee dazu. Er wollte schon immer mal mit mir zusammenarbeiten. Und jetzt war die richtige Zeit dazu.
Wie war die Zusammenarbeit?
Sehr harmonisch. Da war nichts Forderndes, nichts Drängendes. Er sagt nur zu mir: „Ich möchte, dass du dich daran erinnerst, wer du bist.“ Das hat mich schon umgehauen. Er meinte das nicht persönlich. Er meinte das musikalisch. Er wollte schon die „alte“ Suzi Quatro.
Ich mag am liebsten den Song „I can teach you to fly“ (Ich kann dich fliegen lehren), weil er so optimistisch, so hoffnungsvoll ist und gleichzeitig den Retro-Charme der 70er Jahre hat. Was ist Ihr Lieblingssong auf der neuen CD?
Das ist sehr schwer zu sagen. „Macho Man“ ist sicher der perfekte Konzert-Opener. Der reißt einen einfach mit. Aber ich denke, „No Soul/No Control“ mag ich besonders gern. Er ist so etwas wie mein Lebensmotto. Niemand, wirklich niemand kann die Kontrolle über mich übernehmen. Ich bin ich. Es ist ein sehr tiefgreifender Song. Er besagt, dass man sich niemals für jemanden anderen aufgeben sollte. Denn das Wertvollste, was du auf der Welt besitzt, bist du selbst.
Sie haben einmal in einem Interview gesagt, Ihre größte Angst wäre es, aus dem Leben zu scheiden ohne Ihre Lebensliste vollendet zu haben. Was steht da noch drauf?
Noch ein Album zu machen, in zehn Jahren noch immer so fit zu sein, Professor zu werden –Doktor bin ich ja jetzt schon (Anm. d. Red.: Suzi Quatro ist seit 2016 Ehrendoktorin der Musik der Ruskin Universität Cambridge), noch ein Buch zu schreiben, und vielleicht, dass mein Leben verfilmt wird. Nicht so eine Doku, die gibt es schon. Einen Film.
Wer sollte da Ihre Person spielen?
Anne Hathaway. Ich finde, sie ist so bodenständig. Ich mag das.
Empfinden Sie sich als bodenständig?
Oh ja, unbedingt! Das auf der Bühne ist mein Job. Ich bin total umgänglich. Aber wehe, mich ärgert jemand. Dann kann ich auch die Suzi Quatro der Bühne rauskehren.
Muss man sich das so vorstellen, dass die private, bodenständige Suzi Quatro daheim auch kocht?
(Lacht) Nein, ich koche nicht! Wenn ich koche, gehen meine Kinder essen. Mein Sohn hatte eine neue Freundin, die er mit nach Hause bringen wollte. Er sagte damals nur: Mama, koch bitte nicht. Spiel lieber etwas auf dem Bass. Aber mit mir kann man einfach auf dem Sofa sitzen und sich unterhalten.
Sie leben in London und in Hamburg. Was halten Sie eigentlich von deutschen Rockmusikern?
Ich liebe die Scorpions. Vor allen Dingen ein Lied von ihnen: „Wind of change“.
Warum?
Weil es mich innerlich berührt. Das kann man nicht unbedingt erklären.
Sie haben einmal gesagt, als Kind hätten Sie Entertainerin werden wollen.
Stimmt! Ich war sieben Jahre alt, da wusste ich das schon. Damals hat jeder aus unserer Familie an den Feiertagen wie Weihnachten etwas vorgeführt. Immer wenn ich dran war, haben alle gebannt zugehört – egal, was ich gemacht habe. Da wusste ich: Ich kann das. Ich möchte Entertainerin werden.
Haben Sie etwas Bestimmtes für die Show in Hannover geplant?
Ich werde auf jeden Fall Lieder vom neuen Album spielen, alte Songs, werde natürlich am Bass, aber auch am Schlagzeug zu hören sein. Es wird eine echte Suzi Quatro Show.
Vor dem Auftritt trinken Sie keinen Alkohol. Was gönnen Sie sich danach?
Am liebsten ein Glas Champagner.
Sie haben einmal gesagt, die wichtigste Lektion war, die das Leben Sie gelehrt hat, die Rückschläge anzunehmen. Was war denn der härteste Rückschlag?
Oh, da gab es einige! Was ich aber damit sagen möchte, ist: Nimm die Situation an. Fühle den Schmerz. Weine. Aber geh weiter. Du wirst auf der anderen Seite herauskommen.
Aber nicht jeder ist so stark.
Das stimmt. Manche Freundinnen kamen zu mir und klagten mir ihr Leid mit ihrem Freund. Oft waren es Situationen, die sie schon einmal mit ihm mitgemacht hatten. Dabei war die Lösung ganz einfach: Lass so etwas nicht mit dir machen. Lass solche Personen nicht mehr in dein Leben. Wenn Du es doch tust, dann hast du deine Lektion noch nicht gelernt.
Was hätten Sie Ihrem 15-jährigen Ich aus heutiger Sicht gesagt?
Sei geduldig! Und ich hätte nicht auf mich gehört! (lacht) Dabei war ich eigentlich geduldig. Ich habe mit 14 Jahren mit der Musik angefangen und hatte mit 23 meinen Durchbruch. Das sind immerhin neun Jahre!
Auf dem Cover Ihres Buches „Through my Eyes“ ist ein Bild von Britto.
Sie kennen ihn? Wir sind befreundet. Bevor er es gemalt hat, hat er mich mit so einer kleinen 2-Euro-Kamera aus jedem Winkel fotografiert und immer nur gesagt: „Du hast so einen stechenden Blick, so blaue Augen!“ Und ja, ich schaue den Menschen in die Augen, wenn ich mit ihnen rede. Ich finde das wichtig. Viele Menschen können dem Blick nicht stand halten. Mein Mann kann das. Ihn habe ich geheiratet.

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