2:0 – Der Auswärtsfluch endet in Augsburg schmeichelhaft

2:0 – Der Auswärtsfluch endet in Augsburg schmeichelhaft

HANNOVER (st). Dass Statistiken mit dem Ergebnis nicht viel zu tun haben müssen, stellte Hannover 96 beim 2:0-Auswärtssieg gegen den FC Augsburg unter Beweis. 14:1 das Eckenverhältnis, ähnlich deutlich die Torschussbilanz und doch ging am Ende nicht die überlegene Mannschaft als Sieger vom Platz. Der Fußballgott war am Wochenende kein Augsburger. 96 war es egal, die haben mit der maximalen Chancenverwertung in Halbzeit zwei ihre Auswärtsbilanz ein wenig aufgebessert.
Es gibt gute torlose Halbzeiten. Die Partie zwischen dem FC Augsburg und Hannover 96 fiel eindeutig nicht in die Kategorie. Das war wohl auch nicht zu erwarten – schließlich spielte der 16. der Tabelle gegen die auswärtsschwächste Mannschaft. Arm an Höhepunkten kommt noch schmeichelhaft daher für das, was die knapp 26000 Fans beim regnerischem Wetter geboten bekamen. Die Gastgeber waren zwar bemüht und hatten gerade in der Anfangsviertelstunde mehr vom Spiel, die hohen Bälle in den Sechzehner strahlten allerdings genauso viel beziehungsweise wenig Gefahr aus wie die Schüsse aus der zweiten Reihe. Zur Mitte der ersten Hälfte gestaltete sich die Partie zwar ein wenig ausgeglichener, allerdings nicht zugunsten des Niveaus. Lediglich drei Standards sorgten zumindest mal kurzzeitig dafür, dass es wenigstens den Augsburger Fans warm ums Herz wurde: Einen Freistoß von Jan-Ingwer Callsen-Bracker (39.) konnte Ron-Robert Zieler im Tor von 96 gerade noch abklatschen. Dann ein Freistoß für Hannover: Christian Pander wollte über das halbe Feld zu Sofian Chahed spielen, fand allerdings in dem Augsburger Dong Won den falschen Abnehmer. Dessen schöner Abschluss aus 25 Metern ging nur knapp am Tor vorbei. Zu guter Letzt waren es eine Ecke von Daniel Baier und der anschließende Kopfball von Callsen-Bracker, den Konstantin Rausch zwei Minuten vor der Halbzeit auf der Linie entschärfte.
Und so ging es auch in der zweiten Hälfte weiter, Augsburg ackerte, Augsburg erspielte sich Chancen und Augsburg traf nicht. Mal stand der Pfosten im Weg, mal ein Spieler von Hannover, mal parierte Zieler glänzend. Wie es besser geht, zeigt dann Hannover bei einem seiner wenigen Angriffe: Zunächst blockten die Augsburger Defensive zwei Schussversuche von Rausch und einen von Manuel Schmiedebach, ehe Rausch in der 61. Minute dann im vierten Anlauf zum 1:0 traf.
Auch danach kämpfte Augsburg unermüdlich, holte einen Eckball nach dem nächsten raus – und traf immer noch nicht.
Mit einem Konter und einem schönen Lupfer über FCA-Keeper Mohamed Amsif besiegelte Rausch machte Rausch mit dem 2:0 alles klar.
Hannover 96: Zieler ­– Chahed, Schulz, Djourou, Pander (71. Pocognoli) – Schmiedebach, Hoffmann – Ya Konan, Schlaudraff (89. Haggui) Rausch – Abdellaoue 71. Sobiech).

Das sagen die Trainer zum Spiel…

Mirko Slomka, Hannover 96: Lob an meine Innenverteidgung
Beim Fußball ist das Ergebnis entscheidend. Uns ist es in der Vergangenheit auch oft so gegangen, dass wir besser waren und verloren haben. Heute ging es eben Augsburg so. Wir hatten ein derart schweres Spiel erwartet, denn der FCA hat sich seit der Winterpause enorm entwickelt und arbeitet gut gegen den Ball. Hinzu kamen die vielen kopfballstarken Spieler. Da muss ich meiner Innenverteidigung ein Lob aussprechen.

Markus Weinzierl, FC Augsburg: Wir waren 90 Minuten dominant
Wir haben heute eine gute Partie abgeliefert und waren über 90 Minuten dominant. Die Mannschaft hat sich auch einige Chancen erarbeitet, um in Führung zu gehen. Und dann kommt der Gegner einmal gefährlich vor unser Tor und trifft. Doch selbst nach dem anfänglichen Schock haben wir uns erholt und weitere gute Möglichkeiten hatten. Doch im Fußball geht es leider nicht um Statistiken, sondern um Tore.

Nachspielzeit

Ein Sieg gegen den Permafrost
von Dieter Kösel

Die Berichte zur Klima­erwärmung sind Be­sorg­nis erregend. Persönlich habe ich mir diese klimatische Katastrophe allerdings sehr viel heizkostenfreundlicher vorgestellt. Dass so manches Osterei heute Gefahr läuft, schockgefrostet aus dem Nest geholt zu werden, hätte ich nicht erwartet. Frühlingsgefühle wollen sich da derzeit kaum einstellen. Auf den fußballerischen Lenz hatten alle Fans der Roten in Augsburg gehofft, damit endlich der mittlerweile Permafrost auf gegnerischen Plätzen zu tauen beginnen würde. Auch wenn noch einiges an Luft nach oben offen blieb, endlich gelang wieder ein Auswärtssieg. Dazu wurde bei einer Reihe von Augsburger Großchancen zwar das Glück des Tüchtigen benötigt, aber vielleicht ist dies ja das Zeichen, dass 96 im Schlusspurt erfolgreich die Europa-Plätze angreifen kann. Wir wollen schließlich nicht vergessen, heute hat die Sommerzeit begonnen. Da darf zumindest fußballerisch über Hannover ruhig die Sonne scheinen!

So waren die Roten in Form

Ron-Robert Zieler – 2,5
Der sichere Rückhalt verhinderte in kritischen Phasen mit glänzenden Paraden Gegentreffer. Bis auf eine Ausnahme war er auch bei hohen Bällen sicher.

Sofian Chahed – 4
Ließ sich sich von den Augsburgern anfangs düpieren. Flanken hat er teilweise zu überhastet und unplatziert geschlagen.

Johan Djourou – 3
Sorgte in der ersten Hälfte immer wieder für Gefahr – aber vorm eigenen Gehäuse. Er verursachte gleich mehrere Freistöße in aussichtsreicher Position. Danach mit deutlicher Steigerung.

Christian Schulz – 1,5
Er schimpfte immer wieder mit seinen Vorderleuten – und das zu Recht. Schulz durfte die Böcke immer wieder ausbügeln, warf sich in Schüsse. Der beste Mann.

Christian Pander – 4
Leitete mit seinem katastrophalen Pass in die Füße des Gegners eine FCA-Großchance ein. Offensiv nicht präsent.

Manuel Schmiedebach – 4
Er rückte für den gelbgesperrten da Silva Pinto in die Startelf und passte sich den Leistungen des Portugiesen an. Es mangelte an offensiven Ideen. Kämpferisch nicht immer auf der Höhe.

Andre Hoffmann – 3,5
Er erlaubte sich besonders in der ersten Hälfte mehrere Fehlpässe und ließ sich leicht übertölpeln. Blieb allerdings immer ein ruhiger Pol und steigerte sich zudem auch ein wenig.

Didier Ya Konan – 4,5
Ya Konan und Zweikampfverhalten passen nicht zusammen. Er trabte meist hinterher. Wenn er dann einmal grätschte, war es gleich so ungestüm, dass er Gelb sah.

Konstantin Rausch – 2
Ihm war das Bemühen einmal mehr nicht abzusprechen und stellte sich als einer der wenigen Roten den Angriffen in den Weg. Zur Belohnung erzielte er die beiden Tore des Tages.

Jan Schlaudraff – 4,5
Der kreative Kopf agierte oftmals kopflos. Zuspiele landeten beim Gegner oder im Aus. Seine Körpersprache zu wünschen übrig.

Mohammed Abdellaoue – 4,5
Nicht gerade zu beneiden. Er bekam ganz selten den Ball. Und wenn er ihn am Fuß hatte, war die Kugel schnell wieder weg. Vielversprechende Angriffe verpuften im Nichts, weil die Abstimmung mit den Teamkollegen nicht stimmte.

Sébastien Pocognoli
Ohne Patzer, was eine gute Auszeichnung ist.

Artur Sobiech
Kam für Abdellaoue, war ähnlich torungefährlich.

Karim Haggui
Durfte in den Schlussminuten das defensive Mittelfeld verstärken.bo/st

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