96 will auch die Hertha knacken
Ein Kopf höher: 96-Abräumer Salif Sané köpft das entscheidene 2:1 im Spiel gegen den Hamburger SV. Foto: deisterpics

96 will auch die Hertha knacken

Nach dem Sieg in Hamburg ist bei 96 nicht alles gut – aber manches wird besser

Hannover. Wählerisch waren die 96-Profis nach dem erlösenden Abpfiff nicht. Wer in der Nähe war, wurde mit einem breiten Grinsen umarmt, schnell hatten sich auf dem Rasen des Volksparkstadions kleine Gruppen gebildet, die den 2:1-Coup beim Hamburger SV ausgelassen feierten. Zu bejubeln gab es eine gute zweite Halbzeit der „Roten“, die für drei Punkte reichte, mit denen in der Pause niemand gerechnet hatte. Und so kehrte nach den beiden Niederlagen gegen Frankfurt und im Pokal gegen Darmstadt bei Hannover 96 das Lächeln zurück in die Gesichter der Spieler.
„Ich habe mir in der Pause nicht die Mühe gemacht, die erste Halbzeit zu analysieren. Da lag zu viel im Argen“, sagte 96-Trainer Michael Frontzeck gestern nach dem Training. Wie verrückt dieses Spiel lief, lässt sich auch an den Kommentaren während und nach der Partie im HAZ-Forum nachlesen. Eine kleine Kostprobe:
Kurz nach dem 1:0 für Hamburg: „Die restlichen 80 Minuten kann man sich schenken, denke ich. Wenn ich mitgefahren wäre, wäre nun die Zeit, an die Bierbude oder in die beheizten Räume zu gehen und diese nicht zu verlassen bis zur Abfahrt.“
In der Halbzeit: „Man müsste eigentlich einen Kasten Bier in die Kabine des HSV stellen. So als Dankeschön dafür, dass die so dusselig sind, nicht schon mindestens mit 4:0 zu führen.“
Nach dem Tor zum 2:1 für 96: „Auf dem Einkaufszettel stehen nun auch noch Kerzen. Für den Dankbarkeitsaltar.“
Nach dem Abpfiff: „Eine durchaus gefällige zweiten Hälfte mit Perspektive auf vorhandenes, der weiteren Kultivierung harrendes Entwicklungspotenzial.“
Ist das Glück der „Roten“ mit dem 2:1 beim HSV langsam aufgebraucht oder bleibt es ein ständiger Begleiter in dieser Saison? Das ist die eine Frage, die die 96-Fans zurzeit umtreibt. Die andere lautet: Wird jetzt alles gut bei 96?
Schon einmal standen die „Roten“ in dieser Saison nach den beiden Niederlagen in Augsburg und gegen Stuttgart extrem unter Druck und konnten sich mit einem Remis gegen Wolfsburg und mit Siegen gegen Bremen und Köln etwas Luft verschaffen. Auch vor dem Spiel in Hamburg war die Lage bedrohlich, 96 drohte erneut in den Keller der Liga abzurutschen. Und wieder gab es eine positive Reaktion der Mannschaft, wenn auch mit einstündigem Anlauf.
Fast ein Drittel der Saison ist vorbei, vieles ist und bleibt bei 96 Stückwerk. Noch immer ist das Team keine funktionierende Einheit, sind die Leistungsschwankungen zu groß. Und dennoch macht die Mannschaft kleine Fortschritte, weil sie sich nie aufgibt, Einsatz und Willen stimmen. Ab und an lässt sich mit diesen bescheidenen Mitteln Maximales erreichen – so wie in Hamburg. „Das war nach der Pause eine ganz andere Mannschaft“, sagte Frontzeck.
Das lag auch an den beiden Spielern, die der 51-Jährige zu Beginn der zweiten Halbzeit neu auf den Platz schickte. Mit Allan Saint-Maximin und Uffe Bech kam endlich Schwung in die 96-Offensive, zudem entlasteten die beiden mit ihren Aktionen die 96-Abwehr. „Beide haben gezeigt, dass man sie in einem schwierigen Spiel bringen kann. Sie haben die Qualität, der Mannschaft zu helfen“, sagte Frontzeck. Bech besonders mit seiner Schnelligkeit, Saint-Maximin mit seinen Dribblings. Auch wenn den beiden noch einiges misslingt, eine Portion Kreativität und Unberechenbarkeit in der Offensive tut den „Roten“ gut. Vielleicht lässt sich so auch die Hertha aus Berlin knacken, am Freitagabend (20.30 Uhr) in der HDI Arena nächster Gegner der „Roten“. Gegen die Nordclubs Wolfsburg, Bremen und Hamburg hat 96 nicht verloren. Gilt Berlin nicht als der Norden des Ostens?

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