Aikido – die friedliche Kampfkunst
Mona und Lea haben Spaß beim Jugendtraining des Aikido Vereins Kyushindo. Foto: Mark Mühlhaus

Aikido – die friedliche Kampfkunst

Lister Verein Kyushindo lädt Jugendliche und Erwachsene zum Schnuppertraining ein / Flüchtlinge können kostenlos mitmachen

Hannover. Mit Wucht holt Ahmed Zich aus, seine Faust rast auf das Gesicht einer Frau zu. Sie bewegt sich nur kurz, fast spielerisch – und Zich fliegt durch die Luft. Der Vorsitzende des Vereins Kyushindo landet in einer fließenden Bewegung auf dem Boden und – lacht. „Gut gemacht, genau der richtige Punkt“, strahlt Aikido-Trainer Zich.
Raunen unter den Zuschauern: „Das sieht ja aus wie ein Tanz“, murmelt einer der Gäste beim Training in der Ricarda-Huch-Schule.
Aikido heißt die japanische Kampfkunst, die hier im Lister Verein Kyushindo trainiert wird. Die Vereinsmitglieder lernen keine Angriffe, sondern nutzen die Kraft des Angreifers in geschickten Bewegungen für die Verteidigung. Es geht darum, die Harmonie zu erhalten, den anderen nicht zu zerstören. „Stärke“, „Gewinnen“ und „Leistungsdruck“ – all das spielt in der friedlichen Kampfkunst keine Rolle, erfahren die Gäste.
Vom 8. bis 29. September bietet der Verein ein Schnuppertraining für Neugierige und Einsteiger an; jeweils dienstags von 18 bis 19 Uhr für Jugendliche ab 12 Jahren und von 20 bis 21.30 Uhr für Erwachsene. Flüchtlinge sind dazu ausdrücklich eingeladen; sie können sowohl im Kurs als auch im Verein kostenlos trainieren.
Aikido ist anders als Kampfsportarten, die auf Stärke und Dominanz setzen. Das zeigt sich auch bei der Atmosphäre während des Trainings: „Du kommst nicht zum Training, um Stress zu haben. Du kannst dich bewegen und auspowern und Neues kennenlernen auch ohne Stress, den haben wir alle schon genug“, sagt Mark Mühlhaus, der den Verein mitbegründet hat. Man trainiere mit anderen, um sich gemeinsam zu entwickeln; „Du lernst, entspannt zu sein und doch sehr aufmerksam. Schnell, aber auf keinen Fall hektisch – und präzise, aber nicht steif“, fasst Mühlhaus das Training zusammen. Andererseits sei Aikido mit Worten sehr schwer zu erklären: „Das musst du am eigenen Körper erleben. Eine Kampfkunst zu lernen macht mit der richtigen Gruppe dann auch noch richtig Spaß.“
Tatsächlich ist der Ton auf den Trainingsmatten freundschaftlich und entspannt. Alle Mitglieder achten auf den Erfahrungsstand ihres Gegenübers. Wer ganz neu dabei ist, kann ganz in Ruhe Grundlagen kennenlernen, während Fortgeschrittene teils akrobatische und komplexe Bewegungsabläufe üben. Die Fallschule gehört für alle zur Pflicht: geschmeidiges Rollen und Würfe mit sanften Bewegungen abfangen zu können, ist ein typisches Element von Aikido. Hier soll der Angreifer nicht verletzt oder vernichtet werden. Vielmehr nutzen die Aikidoka Techniken aus traditionellen Schwert- und waffenlosen Stilen, um die Energie des Angreifers auf ihn zurückzuführen. Sie zählt zu den jungen japanischen Kampfkünsten.
Im Verein trainieren Frauen und Männer aus ganz unterschiedlichen Herkunftsländern miteinander. Senseis (Trainer auf Japanisch) aus Frankreich, Schweden oder Belgien kommen regelmäßig als Lehrgangsleiter in die List und einige Vereinsmitglieder fahren für Seminare sogar durch ganz Europa. „Aikido ist letztlich auch eine Lebenshaltung und steht für Achtsamkeit und Offenheit“, ergänzt Mühlhaus. Für den Verein ist es entsprechend selbstverständlich, Flüchtlinge in die Gemeinschaft und zum Training einzuladen: „Wir sind ein kleiner, offener Verein; einfach mal abschalten, miteinander in Bewegung kommen, über eigene Fehler lachen können – das verbindet uns. Hier kann man sich wohlfühlen, Sprachbarrieren spielen weniger eine Rolle.“
mm/ck

Aikido für Anfänger

Wer Aikido einmal ausprobieren möchte kann beim nächsten Kursus für Anfänger beim Verein Kyushindo teilnehmen, der vom 8. bis 29. September immer dienstags stattfindet. Jugendliche sind in der von 18 bis 19 Uhr ander Reihe; Erwachsene starten um 20 Uhr (bis 21 Uhr). Der Dojo (Übungsraum) ist in der List, im Gymastikraum unterm Dach der Ricarda Huch-Schule. Wichtig: Flüchtlinge können sowohl am Kursus als auch im Verein kostenlos mittrainieren. Weitere Infos unter
❱❱ www.kyushindo.de
❱❱ Mail: info@kyushindo.de

Bildquelle

  • ssb_AikidoHannoverKyushindo001_onl: Mühlhaus

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