Berlin ist eine Reise wert: Hannover 96 holt drei Punkte gegen Hertha

Berlin ist eine Reise wert: Hannover 96 holt drei Punkte gegen Hertha

BERLIN (st). „Ein Schuss, ein Tor, Hannover“ – treffender hätten die 96-Fans die Partie ihres Teams in der Hauptstadt nicht zusammenfassen können. Die Korkut-Elf siegte bei Hertha BSC mit 3:0 und verwertete damit 100 Prozent ihrer Möglichkeiten.‚
40. Spielminute: Leon Andreasen hält den Ball fünf Meter vor dem eigenen Sechzehnmeterraum, behauptet ihn mehr schlecht als recht gegen einen Herthaner, um ihn dann über drei Meter zu passen. Anschließend beschwert er sich bei seinen Mitspielern über fehlende Anspielstationen. Diese Szene war symptomatisch für das Spiel von 96 in der ersten Hälfte. Dem Team von Tayfun Korkut fehlte es an Ideen, an Anspielstationen und in der Folge auch an schönen Kombinationen und Torchancen.
Schon von Beginn an untermauerte die Hertha ihre Favoritenrolle, setzte sich in der gegnerischen Hälfte fest und hatte gleich durch Adrian Ramos (2.) und Ronny per Freistoß (8.) die ersten Möglichkeiten. Dass es allerdings kein fußballerisches Feuerwerk war, das die Gastgeber entzündeten, machten die ersten Pfiffe aus dem Berliner Block kurz vor der Halbzeit deutlich – nach einem Fehlpass von Ronny. Denn trotz der Bemühungen, die Hertha nicht abzusprechen war, blieb vieles undurchdacht und ohne den letzten Zug zum Tor. Nur zweimal mussten die mitgereisten 96-Fans kurz die Luft anhalten: als Ramos den Ball freistehend vor Schlussmann Ron-Robert Zieler vertändelte (19.) und als Per Skjelbred aus aussichtsreicher Position verzog. Die 96-Angriffsbemühungen beschränkten sich in auf zu lange, zu ungenaue Pässe. Thomas Kraft im Berliner Tor freute sich über eine ruhige erste Hälfte.
Dass Hannover am Ende dennoch als Sieger vom Platz ging, lag vor allem an der Effektivität vor dem gegnerischen Tor: dreimal wurde es gefährlich, dreimal schlug der Ball im Netz ein. Zum ersten Mal in der 49. Minute, als sich Hannovers Bester, Leonardo Bittencourt, auf der rechten Seite schön durchgesetzt und den Ball auf Lars Stindl zurückgelegt hatte. Der donnerte das Leder ins kurze Eck. Nur acht Minuten später konterte 96 die Hertha aus: Nach Vorarbeit von Bittencourt schob Jan Schlaudraff zum 0:2 ein. Den Schlusspunkt zum 0:3 setzte Szabolcs Huszti (90.) Die weiteren Möglichkeiten der Partie hatte Berlin – einen Schuss an den Innenpfosten (88.), einen Flugkopfball der knapp am Tor vorbei ging (61.) und zwei weitere gute Chancen durch Ramos. Die Tore waren allerdings auf der anderen Seite gefallen. Im Hinblick auf die Effektivität war 96 eben unschlagbar.
Hannover 96: Zieler – Sakai, Hoffmann, Schulz, Prib – Schmiedebach (76. Sané), Andreasen – Stindl, Huszti, Bittencourt (89. Ya Konan) – Rudnevs (31. Schlaudraff).

Das sagen die Trainer zum Spiel…

Tayfun Korkut, Hannover 96: „Ausfälle gut kompensiert“
Wir sind sehr, sehr glücklich über die drei Punkte. Es war ein verdienter Sieg in einem schwierigen, hart umkämpften Spiel mit schwierigen Platzverhältnissen. Nach fünf sieglosen Partien mit teilweise guten Leistungen hat sich die Mannschaft endlich belohnt. Und das, obwohl einige aufgrund der Verletzungssorgen nicht auf den angestammten Positionen gespielt haben. Dieses Mal konnten wir die Ausfälle kompensieren.

Jos Luhukay, Hertha BSC Berlin: „Nicht das bessere Team gewinnt“
Das war eine bittere Niederlage, in der nicht die bessere Mannschaft gewonnen hat. Das zeigt schon ein Blick auf die Statistik, bei der wir überall vorne liegen. Unser Problem war, dass wir die entscheidenden Zweikämpfe verloren haben und Hannover vor dem Tor deutlich effektiver war als wir. Sie hatten drei Chancen und haben dreimal getroffen. Wenn bei uns dagegen Adrian Ramos glücklos bleibt, dann haben wir ein Riesenproblem.

Nachspielzeit

Die Roten auf ihrer Reise …

von Dieter Kösel

Es ist es noch gar nicht lange her, da hielt man eine Reise nach Berlin eher für ein Abenteuer. So sah sich Die Zeit 1955 genötigt, den Artikel „Berlin ist eine Reise wert“ zu veröffentlichen. Der Slogan ist geblieben, der Rest Vergangenheit. Mehr als 4.000 Fans be­gaben sich gestern auf die Reise, doch die trieb viel mehr als Touristisches die Frage um, „Ist 96 die Reise nach Berlin wert“. Unter dem Strich kann diese Frage mit ja beantwortet werden. Und das hat nicht nur mit dem Ergebnis zu tun, sondern der Art und Weise, wie es zu Stande kam. Es ist eine noch junge Erfahrung, dass sich die Elf über ihr Abwehrverhalten das Selbstvertrauen erspielen kann, um die Ausfälle der Stürmer Mame Diouf, Artur Sobiech und nun Artjoms Rudnevs zu verkraften. Wichtig ist, der Mannschaftsgeist stimmt. Das zeigt sich auch daran, dass sich die Einwechselspieler nahtlos einfügen. 96 hat personelle Möglichkeiten und das stimmt zuversichtlich. So kann die Reise in der Liga weitergehen!

So waren die Roten in Form

Ron-Robert Zieler 3
War weitgehend beschäftigungslos, aber stets zur Stelle, wenn gefordert. Beispielsweise beim Schuss von Ramos (54.).

Hiroki Sakai 4
Offensiv blieb der Japaner völlig akzentlos. Die Defensivaufgaben meisterte er meist. Nur gelegentlich ließ er sich überrumpeln.

Andre Hoffmann 4
Er hatte noch ein paar Wackler im Spiel. So verschuldete er völlig unbedrängt einen Eckball für Hertha. Allerdings klärte er aber auch Situationen gut.

Christian Schulz 2,5
Der Dirigent in der Abwehrkette hatte seine Kollegen und den Gegner weitgehend gut im Griff. Ein starkes Spiel von ihm

Edgar Prib 3,5
Der Linksverteidiger spielte mit angezogener Handbremse. Zumindest unterdrückte er seinen Vorwärtsdrang. Zu selten wagte er sich über die Mittellinie. Für Herthas Offensive war er lästig, setzte immer wieder nach

Manuel Schmiedebach 3,5
Der Berliner war im defensiven Mittelfeld agil. Er schaltete sich immer wieder ins Offensivspiel ein.

Leon Andreasen 4,5
An ihm lief das Spiel ein wenig vorbei. Konnte kaum Akzente setzen.

Lars Stindl 3
Das erste Tor selbst erzielt, das zweite eingeleitet – Stindl war einer der Garanten für den Sieg. Ihm gelang ansonsten nicht so viel, aber in den entscheidenden Momenten war er zur Stelle.

Szabolcs Huszti 4
Der Torschütze zum 3:0 zeigte über weite Strecken eher eine unglückliche Partie. Sein Können blitzte nur selten auf, viele Bälle kamen nicht an.

Leonardo Bittencourt 2
Der beste Mann auf dem Platz: Er war an nahezu jeder Offensivaktion beteiligt. Der quirlige Spieler bereitete beide Tore vor und war auch sonst ein Aktivposten.

Artjoms Rudnevs 4
Nach einer halben Stunde war für den Stürmer aufgrund einer Fußverletzung Schluss. Er war zuvor einzige Spitze. Torchancen hatte er nicht.

Jan Schlaudraff 3,5
Kam für Rudnevs und war neben Bittencourt Sturmspitze. Zeigte seine gute Technik vor allem beim Tor, als er den Hertha-Keeper aussteigen ließ.

Salif Sané
Kam die letzten 15 Minuten für den ausgelauten Schmiedebach.

Didier Ya Konan
Ein paar Minuten durfte er sich noch auf dem Platz bewegen.
bo

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