Der Totalausfall in der AWD Arena: Harmlose Hannoveraner bekommen 1:6-Lehrstunde vom Meister aus München

Der Totalausfall in der AWD Arena: Harmlose Hannoveraner bekommen 1:6-Lehrstunde vom Meister aus München

HANNOVER (dik). In dieser Partie war nichts drin für die Roten. Bayern München bestätigte seine Ausnahmestellung in der Bundesliga mit einem 6:1-Sieg gegen Hannover 96 vor 49.000 Zuschauern in der ausverkauften AWD-Arena. Die Hausherren zeigten eine enttäuschende Leistung.
Trainer Mirko Slomka hatte seine Startelf gegen den bereits feststehenden deutschen Meister verändert. Für Sébastien Pocognoli (Muskelbeschwerden) war Christian Pander hinten links aufgeboten. Lars Stindl spielte auf der rechten Mittelfeldseite, Sergio da Silva Pinto zentral. Didier Ya Konan saß zunächst auf der Bank. Bei den Gästen wurde wieder einmal ohne Qualitätsverlust rotiert, Bastian Schweinsteiger, Mario Mandzukic und Dante waren nicht im Kader.
Die Gäste zeigten sofort, warum sie in dieser Saison so unangefochten, konstant und souverän die Bundesliga beherrschen. Wohl selten hat man eine Mannschaft hier so aufspielen sehen wie die Bayern. Zur Erinnerung, von den letzten vier Heimspielen gegen sie hatten die Roten drei gewinnen können. Daran konnten die Slomka-Schützlinge gestern nicht einmal ansatzweise anknüpfen.
Zur Pause stand es bereits 0:3. In der 16. Minute wurde ein Ball von David Alaba von Lars Stindl unglücklich ins eigene Tor gelenkt. In der 23. Minute traf Franck Ribery. In der 40. Minute zeigte Mario Gomez, dass er zu den treffsichersten deutschen Stürmern gehört. Dazu trafen Ribery (5.) und Claudio Pizarro (20.) noch die Latte des 96-Tores.
Die Hausherren zeigten zu viel Respekt. Dies führte zu vielen überflüssigen Ballverlusten, und Tormöglichkeiten gab es nur beinahe. Bayerns Nationaltorhüter Manuel Neuer (40.) hatte nur einen Schuss von Stindl zu halten. Diese Leistung war gegen den Meister einfach zu wenig. Neuers Nationaltorhüter-Kollege Ron-Robert Zieler (43.) konnte sich einzig gegen Ribery auszeichnen.
Nach der Pause wirkten die Roten zunächst etwas energischer und um Schadensbegrenzung bemüht. Der eingewechselte Ya Konan prüfte Neuer (49.). „Ballbesitz gegen die Bayern ist kostbar“, hatte Steven Cherundolo vor der Partie gesagt, der gestern mit seinem 298. Erstligaspiel den Vereinsrekord von Jürgen Bandura einstellte.
Genug Ballbesitz, um die Gäste gar nicht erst zu ihren Offensivaktionen kommen zu lassen, gab es allerdings nicht. Die zeigten sich nicht wirklich beeindruckt und als sie wieder anzogen, traf Gomez (62.) dann auch prompt zum 0:4. Pizzaro (71.) ließ den fünften Bayern-Treffer folgen.
Einen Grund zum Jubeln gab es doch. Nach einem Pander-Freistoß konnte Neuer den Ball nicht festhalten, André Hoffmann traf zum 1:5. Als Spaßverderber erwies sich schnell Pizarro (86.) mit dem 1:6.
Zieler – Cherundolo (65. Sakai), Djourou, Schulz, Pander – Stindl, Hoffmann, da Silva Pinto (46. Ya Konan), Rausch – Diouf (79. Abdellaoue), Schlaudraff

Das sagen die Trainer zum Spiel…


Jupp Heynckes, Bayern München: Wir haben nur eine A-Mannschaft
Grundsätzlich möchte ich festhalten, dass wir keine B-Mannschaft haben, sondern nur eine A-Mannschaft. Alle meine Spieler sind in der Lage, auf sehr hohem Niveau zu spielen. Vor dem Spiel habe ich schon gemerkt, dass meine Mannschaft die Partie heute unbedingt gewinnen wollte. Die gute Leistung freut mich vor allem für die Spieler, die bisher nicht immer von Anfang an gespielt haben.

Mirko Slomka, Hannover 96: Eine große Entäuschung für alle
Im Vergleich zu den letzten beiden Siegen gegen die Bayern war es heute ein krasser Unterschied. Wir hatten kaum eine Chance Paroli zu bieten und hatten in jedem einzelnen Zweikampf unsere Schwierigkeiten. Bayern war uns in allen Belangen überlegen. Für uns ist diese Niederlage eine große Enttäuschung. Das Thema Europa können wir jetzt zu den Akten legen.

Nachspielzeit

Die Roten und der alte Konrad …
von Dieter Kösel

Heimniederlagen gegen die Bayern sind derzeit eher die Regel, doch als zum guten Ton gehörend möchte man sie denn doch nicht bezeichnen. Doch ob es gleich sechs Gegentore sein mussten? Nach dieser Pleite braucht man wohl kaum noch einen Gedanken an Europa verschwenden. Wie die Saison auch endet, ihren bitteren Bei­geschmack wird sie sowieso nicht mehr verlieren. Jörg Schmadtke hatte die Faxen dicke und Freitag den letzten Arbeitstag bei 96. Es wird fast unmöglich sein, den Manager gleichwertig zu ersetzen, der mit seinen Transfers erst die Basis für die jüngsten Erfolge schuf. Da kann man Martin Kind nur ein glückliches Händchen wünschen. Glaubt man nun Trainer Mirko Slomka, dann hat er damit nichts zu tun. Im Gegenteil, da schien sich ja fast eine Freundschaft anzubahnen. So ist das, mancher kann all das ausblenden, was unangenehm sein könnte. Da muss dann Konrad Adenauer herhalten, der gesagt haben soll, was schert mich mein Geschwätz von gestern …

So waren die Roten in Form

Ron-Robert Zieler – 5
Guter Zugriff kurz vor der Halbzeit, aber ansonsten? Konnte nicht wirklich an den Gegentreffern was machen, sah aber nicht immer glücklich aus in den Aktionen.

Steven Cherundolo – 5
Ein Ribéry kommt nicht alle Tage – der 96-Oldie, der sein 298. Pflichtspiel für die Roten bestritt (Rekord), mühte sich redlich, doch der Franzose war für den US-Boy zu agil, zu schnell und zu ballsicher.

Christian Schulz – 5,5
Der Bayernsturm ist halt keine Laufkundschaft – zu dieser Erkenntnis musste auch „Schulle“ kommen, der nicht nur beim 0:3 und 0:5 deutlich zu spät kam.

Johan Djourou – 5,5
Fehlpass, Fehlpass und noch mal Fehlpass – katastrophal der Schnitzer vorm 0:2, als er Pizzaro direkt in den Fuß spielt. War danach auf Sicherheit bedacht, was halbwegs gelang.

Christian Pander – 5,5
Gute Flanke auf Diouf (26.) für die erste 96-Chance, vorher im Stellungsspiel gegen Müller mit einigen Schwächen. Seine Eckstösse waren schlecht, die kaum über den ersten Abwehrspieler hinaus kamen.

André Hoffmann – 4
Spielte sein Pensum in der Defensivzentrale runter, doch auch er musste sich oft dem schnellen Kombinationsfußball des neuen Deutschen Meisters geschlagen geben. Bleibt trotzdem ein Lichtblick und erzielte sein erstes Bundesligator.

Sergio da Silva Pinto – 5,5
Sollte sicherlich aus Trainersicht mit seiner Erfahrung für Ruhe und Ordnung im 96-Spiel sorgen – dies gelang leider überhaupt nicht. Blieb nach der Pause in der Kabine und durfte als erster duschen.

Lars Stindl – 4,5
Stand nach langer Verletzungspause erneut in der Startelf, ist aber bei weitem noch nicht der alte. Mangelnde Spielpraxis erklären seine vielen Leichtsinnsfehler. Positiv: bei ihm sah man so was wie Spielfreude in Ansätzen!

Konstantin Rausch – 5
Wollte viel, lief sich aber immer wieder fest gegen die übermächtige Bayern-Wand. „Kocka“ rieb sich zu viel auf im lamentieren und diskutieren.

Jan Schlaudraff – 5
Nach wie vor gilt: gutes Training ist nicht gleich gutes Spiel! Gegen starke Bayern ließ er jegliche Kreativität im Spielaufbau vermissen – dies war aber auch in den Partien davor der Fall. Wo ist nur seine „Normalform“ geblieben?

Mame Diouf – 5
26. Minute: rutscht knapp an der ersten 96-Chance vorbei. 37. Minute: holt er die erste Ecke für die Roten raus. Ansonsten lief der Senegalese seiner Form meilenweit hinterher – wie auch zuletzt schon!

Didier Ya Konan – 5
Kam für Pinto und passte sich dem Tagesniveau an.

Hiroki Sakai
Kam für Cherundolo (65.).

Mohammed Abdellaoue
Kam für Diouf (79.) ck/rdFotos: deisterpics

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