Eine außergewöhnliche Ruhe muss sein
Georg Müller, Oberschützenmeister des Vereins für Freihandschießen. Foto: Bode

Eine außergewöhnliche Ruhe muss sein

Die Schützen des Vereins für Freihandschießen (VfF) stehen in langer Tradition / Sportliche Komponente steht im Vordergrund

Von Mark Bode
Hannover. Es war einst eine besondere Kunst des Schießens, ohne Auflage auszukommen. Die Schützen des Vereins für Freihandschießen (VfF) stehen in dieser langen Tradition. Doch heutzutage wird auf der Anlage an der Wilkenburger Straße 30 schon lange nicht mehr ohne Auflage geschossen. „Um die älteren Sportschützen, die freihändig die Waffe nicht mehr so gut halten können, nicht zu verlieren oder in den Verein zurückzuholen, mussten wir uns öffnen“, sagt Pressewart Horst Schuberth. So wird inzwischen in verschiedenen Disziplinen, darunter mit Luftgewehr, Zimmerstutzen, Kleinkalibergewehr, Armbrust und Luftpistole aufliegend und freihand geschossen.
Eines haben beim Schießen alle Schützen gemein: Sie strahlen eine außergewöhnliche Ruhe aus, stehen hochkonzentriert mit der Waffe in der Hand 10, 15, 50 oder gar 100 Meter von ihrem Ziel entfernt, visieren es über Kimme und Korn an. „Die große Kunst ist es, genau den Bruchteil einer Sekunde zu erwischen, in dem man das Ziel genau im Visier hat“, so Schuberth. Eine gewisse körperliche Fitness gehöre seiner Meinung nach dazu, um den Sport ausüben zu können. Darüber hinaus sei aber auch die psychische Komponente wichtig. „Wenn man sich nicht konzentrieren kann, trifft man nichts. Dann kann man es vergessen“, so der Pressewart.
Und das Treffen ist allen 180 Mitgliedern des Vereins enorm wichtig. „Die sportliche Komponente steht bei uns deutlich im Vordergrund“, sagt Oberschützenmeister Georg Müller. Das sei nicht in allen Vereinen so. Doch auch das Gesellige komme nicht zu kurz. „Wir sitzen auch zusammen und machen gerne Blödsinn“, sagt Schuberth. Beispielsweise, wenn die Ergebnisse eines Schießtages abends an die Wand des Klubhauses projiziert werden. Da gibt es schon gelegentlich ein staunendes „Oh“ bei besonders guten Ergebnissen oder auch spaßige Neckereien bei weniger gelungenen Leistungen.
Dass es ein gutes Miteinander im Verein gibt, belegt der Wunsch im Jahr 1990, ein eigenes Klubheim zu errichten. Rund 3000 Arbeitsstunden haben zahlreiche Mitglieder insgesamt in das Projekt gesteckt, das vier Jahre später abgeschlossen wurde und von dem die Mitglieder noch heute profitieren. „Das Klubheim hat sehr zur Festigkeit der Kameradschaft beigetragen“, sagt Müller.
Doch trotz aller Begeisterung für den Schießsport, muss sich Schuberth immer wieder darüber ärgern, dass der Schießsport einen schlechten Ruf besitzt. „Es frustriert mich maßlos, wenn Politiker die tolle Tradition des Schützendaseins diffamieren. Es sind aufrichtige, ethisch gefestigte und moralische Leute in dem Verein, die im Umgang mit der Waffe sehr sorgsam sind. Politiker wollen uns in eine Ecke stellen.“ Und er fügt noch hinzu: „Ein Schütze macht keinen Blödsinn mit seiner Waffe. Denn die Erlaubnis dazu ist er sonst schnell los.“ Sicherheit wird auf der gesamten Anlage großgeschrieben.

Weitere Infos über den Verein für Freihandschießen

Im Jahr 1862 als Verein für Freihandschießen Hannover gegründet, bietet der Klub heute eine Vielzahl an Disziplinen, auch mit Auflage. 180 Mitglieder hat der Verein, 40 Prozent davon sind Frauen. Etwa 60 Prozent aller Mitglieder sind 60 Jahre und älter. Den Jugendlichen bietet der Verein seit rund drei Jahren eine Anlage mit Lichtpunktgewehr und digitaler Auswertung. Eine Vielzahl an Mannschaften nimmt am Ligabetrieb teil, aktuell verfügt der VfF mit Rose-Marie Dohmeyer über eine Deutsche Meisterin bei den Seniorinnen. Der monatliche Mitgliedsbeitrag beträgt für Erwachsene 13 Euro. Ehe- und Lebenspartner, Auszubildende und Studenten zahlen 6,50 Euro, Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre 2,75 Euro. Geschossen wird auf der Anlage des Niedersächsischen Sportschützenverbands, Wilkenburger Straße 30. Vereinsabende sind immer donnerstags von 18 bis 20 Uhr, Gäste sind dazu willkommen. Weitere Informationen erteilt Oberschützenmeister Georg Müller unter Telefon (0511) 8 23 83 86. bo
❱❱ www.vff-hannover.de

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