Es geht weiter abwärts
Versucht von außen alles für den Erfolg zu geben: 96-Trainer Thomas Schaaf. Foto: deisterpics

Es geht weiter abwärts

Auch wenn eine Rettung rechnerisch noch möglich ist, glaubt kaum noch jemand an das Wunder

von Christian Kaufer
Hannover. „Wunder gibt es immer wieder“ sang schon in den 70er Jahren Katja Ebstein beim Grand Prix – bei Hannover 96 mag allerdings kaum noch jemand an Wunder glauben nach der desolaten 0:2-Heimpleite gegen den 1. FC Köln. Erneut und zum wiederholten Male blieb die Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf Vieles schuldig. Doch der Coach rückt mitnichten von seinem Kurs ab: „Vom Abstand hat sich nichts verändert. Wir werden weiter versuchen, es noch hinzukriegen in der ersten Liga zu bleiben“. Was bleibt ihm und seinem Trainerteam auch anderes übrig? So richtig kann dieser Hoffnungsspur aus der Anhängerschaft der 96er aber nicht wirklich noch jemand folgen. Zu groß waren die Enttäuschungen nach den erneuten schlechten Ergebnissen. „Der Drops scheint für die Fans gelutscht“ – und diesen Unmut taten sie der Mannschaft beim Gang in die Nordkurve nach der Köln-Partie auch kund.
Für alle steht die bange Frage im Raum: Wie geht es weiter? Nur an einen Trainer, der jetzt Farbe bekennt, könnte für einen soliden Neuaufbau in der 2. Liga die sportliche Verantwortung übergeben werden. Jetzt ein Team formen mit Persepktive und auf junge und unverbrauchte Talente setzen – das wäre eine nachvollziehbare Maßnahme. Die 96-Verantwortlichen um Präsident Martin Kind und Geschäftsführer Martin Bader wären gut beraten, die enorm wichtige Trainerfrage nicht auf die lange Bank zu schieben, sondern jetzt Nägel mit Köpfen zu machen. Auch wenn Schaaf dieses Tempo nicht passen wird, wäre die Schaffung von klaren Verhältnissen für alle Beteiligten das Beste.
Alles andere würde Hannover 96 nur noch mehr in die falsche Spur bringen. Wie es geht, zeigt das positive Beispiel SC Freiburg: Trotz des Abstiegs am letzten Spieltag der vergangenen Saison – ausgerechnet gegen Hannover 96 –, stehen die Breisgauer in Liga zwei wieder oben und klopfen erneut ans Tor zur Erstklassigkeit. So kann es gehen. Anders läuft es beim SC Paderborn, der sich nach dem Erstligaabstieg in der vergangenen Saison auch im Unterhaus in akuter Abstiegsgefahr befindet. Die „Roten“ sind also gewarnt und sollten alles dafür tun, um rechtzeitig die richtigen Weichen für die 2. Liga zu stellen. Am Sonnabend steht der nächste Versuch für eine kleine Trendwende an: 96 ist zu Gast bei der Frankfurter Eintracht. Anstoß ist um 18.30 Uhr in der Commerzbank Arena. Beide Teams stehen im Tabellenkeller und wollen den Dreier. Bei den Frankfurtern ging die Trainerpremiere von Niko und Robert Kovac bei der 0:3-Pleite in Mönchengladbach gehörig daneben. Es steht also einiges auf dem Spiel – mit einem Sieg könnte 96 auch in Frankfurt das Abstiegsgespenst noch einmal aufscheuchen.
Sollte am Ende dann doch noch der Song von Katja Ebstein wahr werden und der Klassenerhalt geschafft werden, wäre Hannover und die gesamt Region noch mal mit einem blauen Auge davon gekommen. Wer dran glaubt …

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