Frede will hoch hinaus
Felix Frede möchte es im Snooker zu den Profis schaffen. Foto: Bode

Frede will hoch hinaus

Hannover ​In der englischen Stadt Sheffield trafen sich die besten Snooker-Spieler um den Weltmeistertitel auszuspielen. Ein Traum, den sich auch Felix Frede einmal erfüllen möchte. Dafür arbeitet er intensiv. Im Interview erzählt der Bundesliga-Spieler des 1.DSC Hannover von der Faszination Snooker und dem nächsten Etappenziel Main Tour.

Herr Frede, wie intensiv verfolgen Sie die Snooker-WM im Fernsehen? 
Wenn es möglich ist, schaue ich mir die Spiele an. Ich finde besonders die engen Matches interessant.
Warum? 
Da schaue ich dann immer darauf, wie die Spieler reagieren, wenn ihr Spiel nicht gut läuft und sie einen Plan B brauchen. Was machen die Profis unter Druck? Da kann ich für mich jede Menge rausziehen.
Wem schauen Sie denn besonders gerne zu? 
Ronnie O‘Sullivan, als der große Superstar der Szene, gehört dazu. Aber noch lieber sind mir Mark Selby und John Higgins. Higgins hat ein überragendes Ballgefühl und Selby ist ein Kämpfer vor dem Herrn.
Woher kommt Ihre Begeisterung für den in Deutschland oft noch wenig bekannten Sport?
Die Varianz macht es für mich aus. Kein Stoß ist wie der andere, man muss ständig improvisieren, braucht technisches Feingefühl. Man ist am Tisch selbst verantwortlich und kann sonst keinem die Schuld geben. Es ist auch eine verdammt schwere Sportart (lacht).
Inwiefern schwer?
Nun, es ist technisch sehr anspruchsvoll. Man muss ein gutes Vorstellungsvermögen haben, wohin die Kugeln rollen. Man kann mit Physik rangehen, aber das kann ein Mensch gar nicht alles exakt berechnen. Und im Fernsehen sieht es so leicht aus, wenn die Profis Bälle lochen. Aber es ist verdammt schwer und kann gerade bei Anfängern auch schnell zu Frust führen, wenn sich keine Erfolgserlebnisse einstellen.
Was raten Sie Neuanfängern daher? 
Man sollte die richtige Mischung aus Spaß und richtiger Technik finden. Natürlich sollte es technisch schon halbwegs sauber sein. Aber wichtig ist eben auch, dass man Bälle versenkt.
Das Versenken von Bällen klappt bei Ihnen ziemlich gut. Wie machen Sie das? 
Ich habe vor neun Jahren im Alter von 15 Jahren erst angefangen. Und ich bin nicht mit dem größten Talent gesegnet. Deshalb muss ich mir das alles hart erarbeiten. Auch dank der Unterstützung durch den Bundestrainer Thomas Hein. Ich trainiere jeden Tag zwischen fünf und acht Stunden. Teilweise bei mir zu Hause, wo ich einen eigenen Tisch habe, teilweise im Verein.
Da Sie so gut im Billard sind, mögen Ihre Freunde überhaupt noch mit Ihnen spielen? 
Nur selten, die haben die Lust verloren (lacht). Ich spiele dann manchmal mit links oder wir spielen in Teams. Das geht. Aber wir machen meist etwas anderes wie Darts oder Tischfußball. Denn da sind die anderen besser.
Sie haben schon gegen einige Profis gespielt. Waren das besondere Erlebnisse? 
Ja, auf jeden Fall. Barry Hawkins war 2015 hier in Hannover. Es war klasse, ihn aus der Nähe zu erleben, wie er sich am Tisch verhält. In Koblenz hatte ich das Vergnügen, vor 700 Zuschauern gegen Judd Trump und Shaun Murphy zu spielen. Da lastet bei der Kulisse schon ein großer Druck auf einem.
Was streben Sie im Snooker als nächstes an? 
Ich möchte als Profi die Qualifikation zur Main Tour schaffen. Da spielen die besten 128 Snooker Spieler. In der sogenannten „Q School“ kann man sich dafür qualifizieren. Die Teilnahme an diesen Turnieren kostet 1000 Pfund und findet ab Mitte Mai in Burton-upon-Trent in England statt.
Wie realistisch ist die Qualifikation? 
Das ist ganz schwer zu sagen. Es qualifizieren sich insgesamt zwölf Spieler von insgesamt 215 Teilnehmern. 80 davon sind alle auf einem ähnlichen Niveau. Da kommt es auch sehr auf die Tagesform an.
Halten Sie es für realistisch, dass der Weltmeister eines Tages aus Deutschland kommen kann? 
Ja, durchaus. Wir sind auf einem guten Weg. Die Snooker-Gemeinschaft wächst stetig – auch durch die Fernsehübertragungen auf Eurosport. Einzig im Nachwuchs müsste noch mehr gemacht werden Als Beispiel: Im 1. DSC Hannover haben wir 95 Mitglieder, nur drei davon sind Jugendliche.
Wie soll der sportliche Erfolg ohne großes Sponsoring möglich sein? 
Ich habe für mich einen guten Weg gefunden mit dem Training, den Turnieren und dem Studium samt der Nebentätigkeit. Da ich im Kader der Deutschen Billard Union bin, werde ich bei Turnieren unterstützt, die Reisekosten werden dabei übernommen. Das hilft schon einmal. Aber selbst auf der Main Tour haben nicht einmal 50 Prozent der Spieler einen Sponsor. Wenn ich es auf die Main Tour schaffen würde, wäre es natürlich toll, einen lokalen Sponsor zu finden. Dann wird die Sportart auch anders wahrgenommen. Denn zur Snooker-WM in Sheffield hat es bislang noch kein Deutscher geschafft.
 Interview: Mark Bode

Felix Frede

Felix Frede ist 24 Jahre alt, studiert an der Universität Elektrotechnik. Nebenbei arbeitet er im Unternehmen seines Vaters und baut Solaranlagen. Er spielt für den 1. DSC Hannover in der Snooker-Bundesliga und gewann mit dem Team 2015 die deutsche Meisterschaft. Er hat bereits an mehreren Europameisterschaften und weiteren hochrangingen Turnieren teilgenommen. Gespielt wird im Break Point, Lister Kirchweg 86. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.dsc-hannover.de.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.