Gegen Bayern alles reinhauen
So auch gegen die Bayern: 96-Kämpfer Leon Andreasen (rechts) im Zweikampf mit Hoffenheims Fabian Schär. Foto: deisterpics

Gegen Bayern alles reinhauen

Hannover 96 erwartet am Sonnabend (15.30 Uhr) den Herbstmeister / Kießling-Wechsel ist vom Tisch

Hannover. Er war das große Gesprächsthema bei Hannovers Fußballfans. Stefan Kießling zu 96? Dieser Plan von Geschäftsführer Martin Bader stieß bei den Anhängern mehrheitlich auf Gefallen. Die ernüchternde 0:1-Niederlage bei 1899 Hoffenheim hatte die Sehnsucht nach einem torgefährlichen Stürmer im 96-Trikot noch einmal vergrößert. Der erfolgreichste Bundesliga-Torjäger der vergangenen Saison wäre den „Roten“ lieb und teuer gewesen. Doch die Verantwortlichen von Bayer 04 stoppten alle Wechselpläne: Kießling muss in Leverkusen bleiben.
Bei Bayer herrschte hektische Betriebsamkeit, denn das Interesse von 96 an Kießling soll sehr konkret gewesen sein – und das Angebot an den Spieler auch. Laut der „Bild“-Zeitung setzten sich Sportchef Rudi Völler und Manager Jonas Boldt am Montag mit Kießling zusammen, um das Thema schnell vom Tisch zu kriegen. Danach stand fest, dass Kießling, der noch einen Vertrag bis 2017 besitzt, nicht wechseln wird oder darf.
96 und Kießling – das hätte hervorragend passen können. In Hannover haben sie bei der Kaderplanung die Position „Torjäger“ irgendwie vergessen, keiner der Angreifer erfüllt gehobene Erstligaansprüche. Und ausgerechnet der 3,5 Millionen Euro teure Toptransfer Mevlüt Erdinc, der für das Toreschießen vorgesehen und ein Wunschkandidat von Trainer Michael Frontzeck war, blieb hinter allen Erwartungen zurück und hat bislang nicht einen einzigen Treffer erzielt. Beste 96-Torschützen nach 16 Spieltagen sind Artur Sobiech und Hiroshi Kiyotake – mit drei Treffern. Die Erkenntnis, dass der Klassenerhalt damit nicht zu schaffen sein wird, hat 96-Geschäftsführer Bader direkt zu Kießling geführt.
Kießling spielte vor seinem Wechsel 2006 nach Leverkusen drei Jahre in Nürnberg, Manager dort war damals Bader. Leverkusens Völler hatte zwar frühzeitig signalisiert, Kießling nicht abgeben zu wollen, doch Trainer Roger Schmidt hatte für den früheren Nationalspieler zuletzt nur noch selten Verwendung in der Startelf gefunden. Dann kam am vergangenen Spieltag der 5:0-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach, Kießling traf zweimal und war an zwei Toren beteiligt. Den Stürmer nach Hannover ziehen zu lassen, hätte der zuletzt etwas in die Kritik geratene Schmidt den Fans nicht erklären können. Kießling selbst hatte Wechselabsichten („Ich mache mir aktuell Gedanken darüber, was für mich das Beste ist“) öffentlich gemacht und Bayer zu verstehen gegeben, dass er nicht bereit sei, als Einwechselspieler in Leverkusen zu bleiben. Genau an diesem Punkte konnte Bader bei ersten sondierenden Gesprächen ansetzen, denn in Hannover heißt es derzeit: Ein Himmelreich für einen erstklassigen Stürmer. Mit Stammplatzgarantie.
Kießling wäre nicht nur wegen seiner Torqualitäten interessant gewesen: Der 31-Jährige ist Einer, der sich mit großer Leidenschaft reinhaut. Auch das braucht 96.
Wer das am Sonnabend, 19. Dezember, im letzten Spiel der Hinrunde gegen den Herbstmeister Bayern München übernehmen wird, bleibt offen. „Wir können zurückbeißen“ lautet Frontzecks Devise gegen die Übermannschaft von der Isar.Zieler und Co. sollten dann noch mal alles reinhauen, was möglich ist. Ab 15.30 Uhr muss dann schon eine Menge zusammenpassen, um dem Team von Pep Guardiola ein Bein zu stellen. Abwarten – sicher ist: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

hr/ck

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