Kein Karneval: 96 hat in Mainz nichts zu lachen – Hannover kassiert in den Schlussminuten das 1:2

Kein Karneval: 96 hat in Mainz nichts zu lachen – Hannover kassiert in den Schlussminuten das 1:2

MAINZ (st/bo). Der Kopfball von Ádám Szalai senkt sich ins lange Eck und zerstört alle Hannoveraner Hoffnungen auf das lang ersehnte Erfolgserlebnis in der Fremde: 96 konnte selbst gegen zehn Mainzer nichts ausrichten und verlor nicht unverdient mit 1:2.
Tristesse auf den Rängen, wenig Ordnung auf dem Platz, so lassen sich die ersten zehn Minuten in der Mainzer Coface-Arena am besten beschreiben. Der Großteil der Fans hatte sich an die stimmungsfreien zwölf Minuten und zwölf Sekunden gehalten und das Geschehen auf dem Platz schweigend verfolgt. Viel gab es da anfangs auch nicht zu sehen. Hannover, gleich auf drei Positionen verändert, brauchte genau wie die Gastgeber einige Zeit, um ins Spiel zu kommen. Vieles wirkte zerfahren, schöne Kombinationen blieben zunächst einmal Mangelware. Erst nach zehn Minuten sahen die Zuschauer die erste Chance – und die führte auch gleich zum 1:0 für die Gastgeber. Nachdem Karim Haggui den Ball direkt in die Füße von Shawn Parker geköpft hatte, zog der aus 18 Metern ab. Da war Ron-Robert Zieler noch zur Stelle, beim anschließenden Abstauber von Nicolai Müller war er allerdings machtlos. Das Tor war nicht nur ein Wachrüttler für die Fans, die zwei Minuten später richtig los legten, sondern auch für die Akteure auf dem Feld. Endlich entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, der seinen Höhepunkt zwischen der 27. und 30. Minute fand: Ein Freistoß von Christian Pander landet auf dem Kopf von Mame Biram Diouf, doch der scheitert aus kurzer Distanz am FSV-Schlussmann Christian Wetklo. Nur eine Minute später ist allerdings weder Wetklo noch der Rest der Mainzer Defensive auf der Höhe: Während die Handspiel eines Hannoveraners moniert, kommt der Ball irgendwie zu Christian Schulz. Der ist so überrascht, dass er freistehend nicht mal richtig trifft, aber von der Unachtsamkeit der Gastgeber profitiert – der Ball kullert zum 1:1 ins Tor. Schon zwei Minuten später hat auf der Gegenseite Ádám Szalai die große Chance zur Führung, scheitert allerdings im Eins-gegen-eins-Duell an Zieler. Drei Minuten, die es in sich hatten und die für die in jeder Hinsicht behäbige Anfangsphase entschädigten.
Nach der Pause kam zunächst Farbe ins Spiel, als der Mainzer Schlussmann Christian Wetklo nach einem Handspiel außerhalb des Sechzehners Rot sah. Was eigentlich ein Vorteil für 96 hätte sein können, entpuppte sich schnell als das krasse Gegenteil. Es schien, als sei ein Ruck durch die 05er-Mannschaft gegangen. Die kämpften noch leidenschaftlicher, gewannen die entscheidenden Zweikämpfe im Mittelfeld und belohnten sich eine Minute vor dem Ende mit dem 2:1 durch Szalai.

Hannover 96: Zieler – Cherundolo, Eggimann, Haggui, Pander – da Silva Pinto, Schulz – Stindl, Rausch (69. Huszti) – Schlaudraff (73. Ya Konan), Diouf (88. Sobiech)

Das sagen die Trainer zum Spiel…

Mirko Slomka, Hannover 96: Nach der Karte nicht mehr unser Spiel
In der vergangenen Saison haben wir in der 90. Minute den Ausgleich gemacht, dieses Mal haben wir die Niederlage perfekt gemacht. Es war fahrlässig, so spät in der Partie noch eine Chance zuzulassen. Nach der Roten Karte war es nicht mehr unser Spiel. Mainz hat uns kaum noch Räume gelassen und es gab auch nur wenige Möglichkeiten. Wir haben irgendwann auf das Unentschieden gespielt und wären damit zufrieden gewesen.

Thomas Tuchel, Mainz 05: Es war ein außergewöhnlicher Sieg
Auch bei mir wurden nach der Einwechslung von Artur Sobiech Erinnerungen an die Vorsaison wach. Die Rote Karte hat uns im Spiel in die Rolle des Außenseiters gedrängt und das haben wir offensichtlich gebraucht, um über uns hinaus zu wachsen. Eine letzte Flanke und Ádám Szalai verwertet den Ball großartig. Es war unterm Strich ein außergewöhnlicher Sieg. Ich spreche der Mannschaft ein dickes Lob für die Leistung aus.

Nachspielzeit

Es bleibt dabei, Freud & Leid …
von Dieter Kösel

Freud und Leid liegen im Fußball bekanntlich dicht nebeneinander. Wer wüsste um diese Gefühlsgemeinschaft in dieser Spielzeit besser Bescheid als Hannovers Fußballfans. Es ist schon bemerkenswert, welche Achterbahn der Emotionen bisher diejenigen durchfahren mussten, die 96 anhängen. Gab es in der Europa League und im DFB-Pokal noch stets ein Happyend, sieht dies in der Bundesliga anders aus. Da reihen sich an der Perlenkette der Spieltage zum Teil überraschende Ergebnisse aneinander. Dies hängt mit der erstarkten Qualität der Teams in einem selten so breiten Mittelfeld zusammen, aber auch mit derzeit fehlender Konstanz der Roten. Die Partie bei Mainz bildet da keine Ausnahme. Nach dem frühen Platzverweis für den Mainzer Torhüter Christian Wetklo (49.) beim Stande von 1:1 sprach eigentlich alles für einen 96-Sieg. Diese Chance konnten die Roten nicht nutzen. Es reichte dann noch nicht einmal zum Remis. Es bleibt dabei, Freud und Leid …

So waren die Roten in Form

Ron-Robert Zieler – 3
Beim Gegentor lenkte er den Ball zunächst an den Innenpfosten, war beim Nachschuss machtlos. Ansonsten war er in den brenzligen Situationen immer präsent.

Steven Cherundolo – 3
Der Kapitän konnte erneut nur für wenig Offensivbelebung sorgen. Defensiv hatte er allerdings nur wenig Probleme.

Mario Eggimann – 2,5
War bereits in der Anfangsphase auffällig und klärte drei gefährliche Situationen souverän. Hielt die Abwehrkette weitgehend gut zusammen.

Karim Haggui – 3
Hatte Pech mit seiner unfreiwilligen Kopfballabwehr vor dem 0:1 direkt in Parkers Fuß. Das warf ihn allerdings nicht aus der Bahn.

Christian Pander – 2,5
Er durfte sich als Linksverteidiger beweisen und übernahm beim Ausführen der Freistöße Verantwortung. Von seinen Standards ging mehrfach Torgefahr aus.

Sergio da Silva Pinto – 3,5
Es war wieder nicht sein Spiel. Zwei aussichtsreiche Distanzschüsse wurden geblockt. Offensive Akzente blieben äußerst selten.

Christian Schulz – 3
Stand beim Ausgleichstor im Stile eines Torjägers goldrichtig. Im defensiven Mittelfeld mit Licht und Schatten.

Lars Stindl – 3,5
Hatte in der ersten Hälfte durchaus gute Ansätze, bereitete das Ausgleichstor vor. In der zweiten Halbzeit war von ihm rechts nicht mehr viel zu sehen.

Konstantin Rausch – 4
Ins linke Mittelfeld gerutscht, offenbarte er bei seinen Vorstößen teilweise Schwächen beim Flanken. Immerhin: bemüht war er.

Jan Schlaudraff – 4
Die hängende Spitze versuchte oftmals Bälle aus der eigenen Hälfte zu erkämpfen, um das Spiel anzukurbeln. Allerdings blieb es häufig beim Versuch.

Mame Diouf – 3,5
Immer in Bewegung, versuchte er die Mainzer Angriffe schon im Aufbau zu stören. Allerdings blieb er meist glücklos.

Szabolcs Huszti
Er kam in der 69. Minute für Rausch. Hatte mehrere Vorstöße Richtung gegnerischen Strafraum, seine Flanken fanden aber nie einen 96er.

Didier Ya Konan
Er versuchte nach seiner Einwechslung für Schlaudraff (73.) noch für Offensivbelebung zu sorgen. Seine Technik blitzte zwar hin und wieder auf, mehr aber auch nicht.

Artur Sobiech
Durfte sich ab der 88. Minute noch ein wenig bewegen . bo/st

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