Rollkunstläuferin Josephine Doil: „Ich lebe für diesen Sport“
Josephine Doil war mit der deutschen Mannschaft bei der Rollkunstlauf-Europameisterschaft in Spanien mit dabei. Foto: Bode

Rollkunstläuferin Josephine Doil: „Ich lebe für diesen Sport“

Hannover. ​Josephine Doil ist Rollkunstläuferin und nimmt mit der deutschen Mannschaft am 27 und 28. April an der Europameisterschaft im spanischen Lleida (etwa zwei Autostunden westlich von Barcelona) teil. Im Interview erzählt die Schülerin von ihrer Leidenschaft und vom Traum eines Podestplatzes.

Frau Doil, Sie waren bereits 2015 mit der Mannschaft bei der Junioren-Europameisterschaft, wurden damals Vierte. Können Sie es nun mit der Senioren-Mannschaft, der sogenannten Meisterklasse-Formation, besser machen? 
Das war damals echt schade, wir sind ganz knapp am Podest vorbeigeschrammt. Es ist unsere Hoffnung, dass wir auf dem Treppchen stehen werden. Das Zeug haben wir dazu. Schließlich wurde die Mannschaft 2015 schon einmal Europameister.
In der Halle werden etwa 1000 Zuschauer erwartet. Wie steht es da um das Nervenkostüm? 
Jetzt im Vorfeld sind wir alle noch total entspannt und arbeiten fokussiert an den Feinheiten. Aber wenn wir dann dort in der Halle sind, werden wir ziemlich aufgeregt sein. Aber dann zählt nur, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Schließlich haben wir viele Dinge, an die wir denken müssen – was machen wir mit den Armen und Beinen (lacht).
Sie haben das Training angesprochen. Wie läuft das genau ab? 
Die Mitglieder der 20-köpfigen Mannschaft kommen aus dem gesamten Bundesgebiet. Die Trainingseinheiten finden jedes Wochenende statt, meist in einer anderen Halle in einer anderen Stadt. Das waren zuletzt Göttingen, Einbeck und Darmstadt. Das Training geht dann für die Junioren und Senioren jeweils vier Stunden.
Wo übernachten Sie? 
Meist suche ich mir dort jemanden, bei dem ich schlafen kann. Oder meine Mutter fährt mich hin und wieder zurück.
 
Es geht also nur mit einer großen Portion Herzblut der ganzen Familie? 
Das kann man sagen. Man muss sich als Läuferin darauf einstellen, dass man keine Wochenenden mehr hat, weil man immer irgendwo unterwegs ist. Freunde kommen dadurch oft leider auch zu kurz. Und ohne die Unterstützung meiner Familie könnte ich das gar nicht leisten. Und man kann diesen Sport auf hohem Niveau nicht nur halbherzig betreiben. Außerdem muss man die Kosten für die Reisen meist selber tragen, sofern man keine Spender findet.
Wieso tun Sie sich diesen Stress überhaupt an? 
Ich lebe für diesen Sport. Das Laufen zur Musik, die Bewegungen – das bereitet mir riesigen Spaß.
Sie sind erst 16 Jahre alt. Wie fühlt es sich an, das Küken im Team zu sein? 
Ach, ich bin nicht einmal die Jüngste (lacht). Eine andere Läuferin ist erst zwölf Jahre alt. Die Älteren kümmern sich aber gut um uns, man wird gut umsorgt. Es ist wie eine große Familie. Dort entstehen auch viele Freundschaften, die man in der Woche durch Videochats pflegen kann.
Bei so vielen jungen Frauen auf engem Raum, kommt es da auch zu Zickereien? 
Nein, eigentlich nicht. Klar, man hat auch mal einen kleinen Streit, aber den legt man dann ganz schnell wieder bei. Schließlich wollen wir alle gemeinsam erfolgreich sein. Und das geht nur als ein Team, als Einheit.
Wie erarbeitet dieses Team denn eine Choreografie? 
Dafür gibt es einen speziellen Choreografen, der aus Berlin kommt. Eine Kür ist etwa fünf Minuten lang und hat verschiedene Elemente – schnellere und langsamere. Und sie muss etwas ausdrücken wollen. Unser Programm heißt „Battlecry“ (Deutsch: „Schlachtruf“, d. Red). Meist arbeiten wir an einzelnen Elementen. Die ganz Kür gehen wir nur selten durch. Denn das ist ganz schön anstrengend (lacht).

Die 16-jährige ist bereits seit Januar 2011 beim ERC Hannover und nahm unter anderem schon an der Europameisterschaft der Junioren-Formation 2015 teil. Foto: Bode

Wie merken Sie sich die ganzen Abfolgen? 
Wir notieren alles in einem Buch, wann man was zu tun hat. Man zählt – wie beim Tanz – immer wiederholend von eins bis acht. Und dann verinnerlicht man schnell, wann man beispielsweise einen Armkreis mit gleichzeitigem Übersetzer machen muss.
Haben Sie bei der Choreografie Mitspracherecht? 
Das machen der Choreograf und die Trainer. Aber bei der Kleidung können wir mitreden, Skizzen entwerfen. Und dann entscheidet die Gruppe gemeinsam, was für ein Outfit wir tragen.
Was muss denn eine gute Rollschuhläuferin mitbringen?
Man muss konditionell schon gut drauf sein, natürlich auch gut laufen können. Und Teamfähigkeit ist ein ganz wichtiges Element.
Was sagen Ihre Bekannten, dass Sie Rollschuhläuferin sind? 
Viele wissen damit zunächst gar nichts anzufangen, obwohl es bei uns eigentlich weiter verbreitet ist als Eiskunstlauf. Aber ich erkläre es dann meist so, dass es wie Eiskunstlaufen ist – nur eben auf Rollen. Ich habe auch schon Freundinnen mit zum Training gebracht. Die fanden das dann ziemlich faszinierend.
Was möchten Sie noch in Ihrem Sport erreichen? 
Ich möchte möglichst lange laufen können, dadurch mehr sehen von der Welt und viel Spaß haben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es etwas gibt, damit ich freiwillig aufhöre.
Interview: Mark Bode

Josephine Doil

Die 16-Jährige ist Schülerin in der zehnten Klasse der Käthe-Kollwitz-Schule. Sie ist seit Januar 2011 beim ERC Hannover, nahm unter anderem 2015 bei der Europameisterschaft der Junioren-Formation teil und wurde damals Vierte. Sie trainiert zudem bereits den Nachwuchs beim ERC als Unterstützerin, den Lehrgang zum Trainerschein möchte sie im kommenden Jahr absolvieren.

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