Sport ist der Lebensbegleiter von Peter Lenz

Sport ist der Lebensbegleiter von Peter Lenz

Hannover. Peter Lenz ist seit 30 Jahren Vorsitzender der Prüfergemeinschaft Deutsches Sportabzeichen. Im Interview spricht der rüstige 75-Jährige über die Bedeutung von Bewegung und die Bedeutung des Sportabzeichens heutzutage.

Herr Lenz, was bedeutet Sport für Sie?
Es ist immer mein Lebensbegleiter gewesen. Ich hatte nie Übergewicht und erbringe mit meinen 75 Jahren beim Sportabzeichen Leistungen, die ein 40-Jähriger erbringt. Ich sehe es an vielen anderen in meinem Alter, die über Gebrechen klagen. Mir geht es zum Glück gut – auch dank des Sports und der Bewegung. Durch die Aktivität kann man vielen Problemen vorbeugen.
Welchen Sport betreiben Sie denn selber noch?
Einmal in der Woche leite ich eine Gruppe an, in der wir uns altersgerecht bewegen, damit die Muskulatur nicht erschlafft. Und ich bin leidenschaftlicher Radfahrer und fahre mit meiner Lebenspartnerin gerne auf dem Tandem. Wenn das Wetter gut ist, fahren wir jeden Tag, das sind zum Teil 50 Kilometer.
Gibt es auch Tage, an denen Sie nichts vom Sport wissen wollen?
Das kommt gelegentlich auch mal vor (lacht). Meist ist es aber nur, wenn ich merke, dass ich krank werde.
Haben Ihre erreichten Sportabzeichen-Urkunden einen besonderen Platz bei Ihnen zuhause?
Nein, die habe ich alle abgeheftet in einem Ordner und sie sind nicht offen sichtbar. Meine Enkel fragen gelegentlich mal nach, ob ich es wieder geschafft habe.
Sie hatten nicht vor, schon vor 30 Jahren Vorsitzender der Prüfergemeinschaft zu werden …
Das stimmt. Ich hatte mir zur berufstätigen Zeit gesagt, dass ich als Rentner nicht auf der faulen Haut liegen will und mich dann engagiere. Es kam aber anders, weil es sonst niemanden gab, der das Amt übernehmen wollte. Deshalb hatte ich mich mit 48 doch bereiterklärt.
Was gehört zu Ihrer Tätigkeit?
Es hängt eine ganze Menge dran, viel Organisatorisches und Administratives. Wir beteiligen uns unter anderem auch am Sportivationstag, einem vielseitigen Sportfest mit behinderten Kindern und welchen ohne Handicap. Da gingen 600 Stunden für drauf. Auch bei der Uni-Challenge, einem Sport-Wettbewerb mit anderen Hochschulen, sind wir Mitorganisator.
Auf was sind Sie stolz?
Diese Prüfergemeinschaft ist bundesweit einzigartig und es ist meine Herzensangelegenheit. Sonst nehmen die Sportvereine immer die sportlichen Leistungen der Athleten ab. Aber in Hannover gab es keine Vereine, die das übernehmen wollten, so hat sich diese Prüfergemeinschaft entwickelt.
Das war vor knapp 60 Jahren …
Genau, wir feiern im Dezember wieder runden Geburtstag. Es hat im Laufe der Zeit Höhen und Tiefen gegeben. Durch Olympia 1972 in München hatten wir über 5000 Sportabzeichen vergeben. Inzwischen sind es etwa konstant 1200 bei den Erwachsenen. Bei Kindern und Jugendlichen liegt die Zahl inzwischen wieder bei beachtlichen 2500. Und im Behindertenbereich werden in Niedersachsen mit 2900 etwa ein Drittel der bundesweiten Abzeichen vergeben.
Warum ist das Sportabzeichen bedeutend?
Die Disziplinen gehen auf die grundmotorischen Fähigkeiten des Menschen zurück. Das sind Ausdauer – mit Laufen oder Radfahren -, Kraft, zu dem unter anderem Kugelstoßen zählt, Schnelligkeit mit Sprints zu Fuß, auf dem Rad oder im Wasser sowie Koordination – dazu gehören unter anderem Gerätturnen, Schleuderball und Weitsprung.
Mit welchen Problemen haben Sie in der Prüfergemeinschaft zu kämpfen?
Wir brauchen dringend jüngere Prüfer. 50 gehören derzeit zum engeren Kreis, 400 sind es insgesamt. Eine Verjüngung wäre wichtig. Die Prüflizenz können aber nur Personen erhalten, die Mitglied in einem Sportverein sind. Das hat versicherungstechnische Gründe.
Wie lange möchten Sie noch in der Funktion bleiben?
Ich habe inzwischen immerhin einen Stellvertreter und bin dadurch etwas entlastet. Bei mir ist vieles im Ablauf inzwischen zur Routine geworden. Bis ich 80 bin, würde ich es gerne noch machen.
Wie wichtig ist es, Kinder früh an den Sport heranzuführen?
Sehr wichtig. Denn es kann nicht gut sein, den ganzen Tag nur vor dem Computer oder dem Handy zu sitzen. Kinder sollen rausgehen, Fußballspielen oder anderweitig bewegen. Deswegen wäre ich sehr dafür, dass der Sportunterricht in den Schulen auch konsequent angeboten wird. Ich erlebe es oft, dass Stunden ausfallen. Und meist ist es der Sportunterricht.
Welche Rolle kann das Sportabzeichen dabei spielen, um Kinder zu animieren?
Beim Sportabzeichen haben die Teilnehmer ein konkretes Ziel. Und man bekommt am Ende, wenn man es erreicht hat, etwas in die Hand gedrückt und kann dieses stolz den Eltern und Großeltern zeigen. Der Ehrgeiz bei den Kindern ist groß. Sie müssen durch ihre Familie nur erst einmal an das Sportabzeichen herangeführt werden.
Wo sehen Sie bei Kindern das größte Manko?
Eindeutig im Bereich Koordination. Laufen sowie Weit- und Hochsprung bekommen die meisten noch hin. Aber beim Werfen fehlt es, das ist bei vielen eine Katastrophe.
Welchen Tipp geben Sie den Lesern mit auf den Weg?
Man sollte sich etwas mehr im Alltag bewegen. Es genügt bei Älteren schon, wenn sie einfach mal durch den Wald spazieren gehen oder mit dem Fahrrad um den Maschsee fahren. Danach kann man sich einen Kaffee und ein Stück Kuchen gönnen (lacht). Kinder sollte man einfach auch mal toben lassen.

Interview : Mark Bode

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