Svenja Pingpank ist schnell unterwegs
Svenja Pingpank

Svenja Pingpank ist schnell unterwegs

Hannover. Svenja Pingpank hat zum Ende des vergangen Jahres bei der Cross-Europameisterschaft im slowakischen Samorin mit der U23-Mannschaft die Silbermedaille geholt. Im Interview spricht sie über die Erfahrung beim internationalen Rennen, den Trainingsaufwand und den Umstand, ihren Vater als Trainer zu haben.

Frau Pingpank, für Sie ging das zurückliegende Jahr mit einem Höhepunkt zu Ende – der Silbermedaille bei der Cross-Europameisterschaft mit der U23-Mannschaft. Dabei waren die Gefühle im Team durchwachsen. Wieso?
Das habe ich mich auch gefragt. Bei den anderen Läuferinnen war der Frust groß, dass es nicht Gold war und die Britinnen vor uns gelandet sind. Ich habe mich hingegen extrem gefreut. Es ist doch toll, von einer EM mit einer Silbermedaille nach Hause zu kommen. Die bekommt bei mir zuhause einen besonderen Platz an der Wand.

Es war Ihr erstes internationales Rennen, das Zurechtfinden fiel Ihnen ein wenig schwer …
Ja, die Teamkolleginnen hatten mir zwar schon ein wenig was erzählt. Aber eine bessere Vorbereitung durch den Bundestrainer hatte ich mir schon gewünscht. Als wir dann in der Kälte standen, wusste ich nicht genau, was passiert. Das war nicht ideal.

Wie gut kamen Sie mit der Strecke zurecht?
Ich hatte vorher schon Respekt. Am Tag vor dem Rennen konnten wir die Strecke uns schon anschauen. Es wurde vorab eine Sandpassage angekündigt. Das stellte sich aber als härtester Untergrund der gesamten Strecke heraus. Dazu gab es einen kleinen Hügel aus Holz und einen kleinen Wassergraben. Aber ich kam insgesamt gut zurecht.

Wie waren Sie mit Ihrer Leistung mit 22:32 Minuten über die 6180 Meter und Platz 46 von 63 Starterinnen zufrieden?
Es war in Ordnung, wenngleich auch nicht überragend.

Ihre gute Form hatten Sie kürzlich bei der Landesmeisterschaft unter Beweis gestellt mit den Siegen über 1500 und 3000 Meter. Sind Sie zufrieden?
Ich freue mich natürlich darüber, die Norm für die deutsche Meisterschaft über 1500 Meter mit 4:32,00 Minuten um fünf Sekunden unterboten zu haben. Aber es geht auch noch schneller.
In der Zwischenzeit ist ihr Vater, Markus Pingpank, der gleichzeitig ihr Trainer ist, zum Gespräch dazugekommen.

Wie sieht es denn mit Ihrem Trainingspensum aus?
Svenja Pingpank: Es sind 80 bis 90 Kilometer in der Woche. Aber wenn ich mit dem Training schon so gut laufen kann, warum sollte ich es ändern?
Markus Pingpank: Ich habe das Motto, mit geringstem Aufwand an die Leistung zu kommen. Bei mir geht es auch immer um den Menschen. Der gesundheitliche Aspekt sollte immer mit beachtet werden. Was bringt es, wenn Svenja mit 24 wieder aufhört mit dem Leistungssport?

Mit dieser Ansicht stehen Sie unter den Trainern wohl ziemlich alleine da …
Markus Pingpank: Trainer wollen den Erfolg mit ihren Athleten. Das kann ich ja auch verstehen. Für mich sind 180 Kilometer in einer Trainingswoche im Nachwuchsbereich aber deutlich zu viel. Svenja steigert ihr Pensum pro Jahr um 15 Prozent. Sie weiß auch, dass es das letzte Jahr ist, in dem sie das Training etwas schlurren lassen kann. Wenn sie zur EM will, muss akribisch gearbeitet werden. Dann beginnt zeitnah für sie der Hochleistungssport.

Wie sehr richten Sie Ihr Leben denn am Laufen aus?
Svenja Pingpank: Es kommt immer auf die Trainingsphase an. Wenn ich zwei, drei Wochen in der Belastungsphase bin, wird schon täglich gelaufen. Zum Entlasten gibt es aber auch mal eine Pause. Auch an Tagen wie Silvester kann ich durchaus auf einen Lauf verzichten. Auf Alkohol und ungesundes Essen versuche ich in der Belastungsphase zu verzichten.
Markus Pingpank: Ich bin der Auffassung, dass man beispielsweise durchaus mal Fastfood essen darf. Wenn ich an 20 von 21 Tagen gute Mahlzeiten zu mir nehme, hat das eine Mal keine Auswirkungen. Für mich ist es wichtig, dass Fehler minimiert werden.

Wie schwer fällt es Ihnen, bei diesen niedrigen Temperaturen die Laufschuhe zu schnüren und rauszugehen?
Svenja Pingpank: Damit habe ich im Winter gar kein Problem. Dafür mache ich es ja auch schon lange genug. Mich stört einzig, wenn Schnee liegt. Das kann sehr rutschig und gefährlich werden. Zum Glück blieb uns das bislang weitgehend erspart.

Wie ist es, den Vater als Trainer zu haben?
Ich finde es gut. Vor allem, dass die Familie auch Sport treibt. Das macht es auch noch einfacher. So kann man morgens beispielsweise auch zusammen laufen.

Herr Pingpank, wie streng sind Sie als Coach?
Markus Pingpank: Ich verfolge den Ansatz, dass der Athlet es selber will. Es bringt nichts, wenn ich ihn zu einer Leistung antreiben muss. Dann steigt im Laufe der Zeit nur der Frust. Ich gebe Freiheiten. Dadurch verlieren wir auch Sportler. Aber dann war es für diese ohnehin nicht das Richtige. Nur, wer es wirklich selber will, wird Erfolg haben.

Was macht für Sie den Reiz am Laufen aus?
Svenja Pingpank: Ganz einfach: Wenn man viel läuft, kann man mehr essen (lacht). Im Ernst: Man fühlt sich anschließend immer gut. Und man braucht nicht viel Equipment. Außerdem kann ich mich immer auf die Trainingslager auf Mallorca, in Flagstaff, Davos und Lake Arrowhead beziehungsweise Boulder freuen, denn dort macht das Laufen besonders viel Spaß.

Auf was kommt es bei Ihrer Lieblingsdistanz über 1500 Meter an?
Man braucht alles: Kraft, am Ende auch die Schnelligkeit und natürlich auch Ausdauer.

Gibt es einen großen Traum, den Sie sich sportlich erfüllen möchten?
Es wäre schon schön, wenn ich am Ende des Jahres wieder bei der Cross-EM dabei sein kann. Und der ganz große Traum ist natürlich die Teilnahme bei Olympia.

 

Svenja Pingpank ist 21 Jahre alt und in einer Läuferfamilie groß geworden. In einem Fernstudium studiert die Barsinghäuserin, die für Hannover Athletics startet, Fitness- und Gesundheitsmanagement. In ihrer Freizeit spielt sie gerne Gitarre.

Bildquelle

  • pingpank_IMG_8795_b: Pingpank

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