Tanzschritte gehen auch auf Rollen
Fließende Tanzbewegungen von Rolli-Fahrer und „Fußgänger“ beim Square Dance: Die Dancing Wheels zeigen, wie es geht.

Tanzschritte gehen auch auf Rollen

Einmalig: Dancing Wheels Hannover bieten integrativem Square Dance für Rollstuhlfahrer

Hannover. „Oh no – absolutly impossible!“ – „Oh nein – absolut unmöglich!“ Bill Peters, ein bekannter Profi-Caller aus den USA, stand auf der Bühne und schaute auf etwa 200 Tänzerinnen und Tänzer hinab, die er durch seine Ansagen bewegen sollte. Direkt vor ihm stand ganz unbeschwert eine Rollstuhlfahrerin. „Das kann doch nicht gut gehen“, dachte er, richtete seinen Blick an die Saaldecke und machte seine Tanzanweisungen aus dem Gedächtnis. In Erwartung eines vollständigen Chaos rund um die Rollstuhlfahrerin schaute er nach einer Weile wieder nach unten. Er konnte es kaum fassen, aber der Rolli kurvte in harmonischer Abstimmung mit den anderen sieben Tänzerinnen und Tänzern des Squares exakt nach den Ansagen des Callers über das Parkett.
Gaby Höbelt, eine Square-Dance-Rollstuhltänzerin der Dancing Wheels in der Hannoverschen Sportjugend beherrschte das Tanzprogramm fehlerfrei und konnte  mit den „normalen“ Square Dancern mühelos mithalten.
Square Dance ist eine Tanzform, die ihren Ursprung in Nordamerika hat und mittlerweile weltweit verbreitet ist. Es  wird immer nach demselben, standardisierten Programm getanzt und so kann jedermann überall auf dem Globus mittanzen, wenn er auf einen Square Dance Club trifft.
Im Unterschied zu anderen Tanzformen wird Square Dance nach Ansage getanzt. Immer vier Paare stehen im Quadrat (daher Square Dance) aufgestellt. Der Ansager, der sogenannte Caller, ruft die zu tanzenden Figuren laufend in ständig wechselnden Choreografien in die Musik hinein. Dabei verändert sich die Anfangsaufstellung unaufhörlich zu Kreisen, Linien oder Blöcken und gleichzeitig wechseln auch die Partner.
Auf diese Weise entsteht ein Tanzerlebnis, bei dem niemand auf der Tanzfläche genau weiß, was als nächstes zu tun ist. Das macht Square Dance so spannend und wenn dann zum Schluss jeder wieder mit dem Originalpartner an seinem Ausgangsplatz steht, hat alles fehlerfrei funktioniert.
Die Square Dance Gruppe Dancing Wheels ist 1978 gegründet worden. Damals gab es in ganz Deutschland keine andere Gruppe, in der körperlich Behinderte und Nichtbehinderte gleichberechtigt miteinander tanzen konnten. Und das hat sich bis heute kaum geändert. Nach dem Motto: „Wo man gehen kann, kann man auch rollen!“ integrieren sich Behinderte im Rollstuhl in die Tanzgruppe. Da Square Dance nur mit Gehschritten getanzt wird, kann das gesamte Programm auch mit dem Rollstuhl bewältigt werden.
Bei den Dancing Wheels wird jeden Dienstag zwei Stunden lang getanzt. Dabei werden immer wieder neue Tanzfiguren eingeübt, um „frischen Wind“ in den alltäglichen Ablauf zu bringen. Rollifahrerin Heike Menzel ist begeistert: „Für mich ist das Tanzen neben allem Spaß auch zu einem unverzichtbaren Körpertraining geworden. Und die ständige geistige Anforderung hält mich auch im Kopf fit.“ Als Sozialarbeiterin schätzt sie ganz besonders, dass es im Square Dance nur um das harmonische Miteinander geht. Wettkämpfe gibt es nicht.

hb/ck

Die Dancing Wheels Hannover

Wer wissen möchte, wie sich Square Dance anfühlt kann dies bei den Dancing Wheels ausprobieren und ist herzlich willkommen. Es besteht auch die Möglichkeit, sich als Mitglied dauerhaft anzumelden. Die Dancing Wheels tanzen bis zum Jahresende jeden Dienstag von 18.30 Uhr bis 20.30 Uhr noch im Freizeitheim Stöcken (Eichsfelderstraße 101). Danach wird im Veranstaltungssaal des Servicehauses Hildesheimer Straße 141 getanzt.
❱❱ Telefon (05137) 7 25 83
❱❱ www.dancingwheels.de

ck

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