Traum ist die Bundesliga
Durchatmen: An manchen Wochenenden mussten Alex Riemer (links) und Hendrik Diekmann vier Spiele pfeifen. Foto: Serreck

Traum ist die Bundesliga

Handball: Jungschiedsrichter berichten von ihren Erfahrungen

Hannover. Alle fünf bis sieben Sekunden treffen Handball-Schiedsrichter Entscheidungen. Für Alex Riemer vom TuS Davenstedt ein Teil der Faszination zu pfeifen.
„Man hat Verantwortung und kann das Zünglein an der Waage sein“, sagt der 19-Jährige. Seit fünf Jahren ist er Schiedsrichter im Gespann mit Hendrik Diekmann (18) vom TSV Limmer. Es war nicht immer leicht, beide haben am Anfang Anfeindungen erlebt. Mit dem erfahrenen Schiedsrichter Gerd Hampel gab es aber einen Mentor, der stets den Rücken stärkte. „Außerdem ist unser Motto: linkes Ohr rein, rechtes raus“, sagt Riemer.
Wie er zum Pfeifen kam? „Ich glaube ich war verletzt und habe es im Verein mal ausprobiert.“ Seitdem macht es großen Spaß. Die Karriere von Alex Riemer und Hendrik Diekmann entwickelte sich rasant. Beide leiten Partien bis Oberliga Herren und A-Jugend Bundesliga. Welche Ziele gibt es? Alex Riemer überlegt. „In der Vorbereitung durften wir die Recken pfeifen. Das Niveau regelmäßig zu haben, wäre toll.“
Noch lachen viele, wenn Riemer/Diekmann in der Männer-Landesliga in die Halle kommen.  „Nach den ersten Strafen merken die Spieler schnell, dass es kein Spaß ist“, sagt Riemer. Für Jungen, die neu anfangen, hat er einen Tipp: „Nicht einschüchtern lassen und unflätige Äußerungen ignorieren.“
Nur positive Erfahrungen hat Nils Klein vom TSV Anderten gemacht. Nur einmal sei ein Trainer auf das Feld gerannt und „ich musste ihm die Gelbe Karte zeigen.“ Trotzdem findet der 13-Jährige, der  in der Anderter C-Jugend spielt, Schiedsrichtersein cool, weil es eine „ganz andere Perspektive“ des Spieles ist. Kürzlich hat Nils Kleine sogar den  Schein erworben, obwohl das erst mit 16 möglich ist.  Mit Urs Mücke hat der TSV einen Bundesliga-Schiedsrichter. „Er hat beim Schiedsrichterwart der Region ein Wort für mich eingelegt“, verrät Nils. Seit kurzem pfeift er mit einem Kumpel. Erstmal nur Jugendspiele „um Erfahrungen zu sammeln.“ Und später? Die Augen von Nils leuchten: „Bundesliga wäre ein Traum.“

Es gibt zu wenige Schiris

Region Hannover. Der Niedersächsische Handballverband hat ein Schiedsrichterproblem. Es gibt etwa 6000 Unparteiische, trotzdem kann jedes vierte Spiel nicht besetzt werden. „Uns fehlt derzeit die Altersgruppe zwischen 30 und 45“, erläutert Schiedsrichterchef Hans-Jürgen Gottschlich. Die Vereine kümmern sich engagiert um Nachwuchs und die Lehrgänge sind gut besucht, „aber wir verlieren 80 bis 90 Prozent nach ihrem ersten Jahr.“ Überehrgeizige Trainer und vor allem Eltern bringen den jungen Schiedsrichtern nicht den nötigen Respekt entgegen. „Die vergessen, dass Jugendliche Spaß haben sollen, Einsicht ist nur selten da“, sagt Gottschlich. So verlieren die meisten die Lust. „Wir brauchen Mentoren, die die Jugendlichen begleiten“, wünscht sich Regionslehrwart Thomas Grieskamp, der ein weiteres Problem aufzeigt: Die jungen Leute (ohne Führerschein) zu den Spielen zu bringen. Am größten ist das Dilemma auf Regionsebene. Ältere Gespanne müssen immer länger pfeifen, vorgeschriebene Leistungstests gibt es längst nicht mehr. Wer Interesse hat: Ab 15 Jahre kann man den Schein erwerben.
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dv

Hans-Jürgen Gottschlich

Hans-Jürgen Gottschlich

 

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