Wenn die Puste nicht mehr reicht
Sind immer mit Spaß dabei: Die 1. und 2. Mittwochsgruppe mit ihrer Trainerin Eva Borchers-Hoffmann (stehend hinten links).

Wenn die Puste nicht mehr reicht

Hilfe bietet der Sportclub zur Förderung Behinderter mit seinen Lungensportgruppen

Hannover. Ein wichtiger Termin: Montags und mittwochs treffen sich Lungenkranke in der Sophienschule, um Atemtechniken zu erlernen, Ausdauer und Beweglichkeit zu verbessern und Tipps zur Alltagsbewältigung zu bekommen.
„Anstrengungen zu vermeiden, die zu Atemnot führen könnten, ist genau der falsche Weg. Die Muskelkraft entwickelt sich immer mehr zurück – ein Teufelskreis beginnt“, erklärt Hedi Stenner, Sportwissenschaftlerin und Trainerin der Montagsgruppen. „Ich hatte schon panische Angst vor dem Treppensteigen, aber durch die erlernten Atemübungen habe ich wieder mehr Lebensqualität gewonnen“, erzählt ein Teilnehmer. Regelmäßiges Üben ist wichtig und es werden auch Anreize für das häusliche Training gegeben. „Vieles lässt sich bequem in den Alltag integrieren“, weiß Übungsleiterin der Mittwochsgruppen Eva Borchers-Hoffmann.
In den Gruppen trainieren Lungenkranke zwischen 30 und 88 Jahren. Die meisten leiden an einer chronischen Bronchitis (COPD), aber auch für Asthma und andere Lungenerkrankungen sind die Lungensportgruppen gedacht. „Ohne meine Lungensportgruppe und die erlernten Übungen hätte ich die Lungentransplantation nicht so leicht weggesteckt“, ist sich Monika Heldt, die zweimal die Woche trainiert, sicher. Abwechslungsreiches und gut dosiertes Training ist nur in kleinen Gruppen, mit guter Geräteausstattung und guter Aus- und Fortbildung der Übungsleiter möglich, worauf besonders viel Wert gelegt wird.
„Über mangelnde Nachfrage kann sich der Verein nicht beklagen“, sagt Vorsitzende Sylvia Fischer. Der Verein ist sehr gut mit den Lungenfachärzten in Hannover vernetzt. Der Arzt spielt eine wichtige Rolle, da er den Lungensport verordnen muss. Eine Verordnung ist Voraussetzung für eine Teilnahme. Die Krankenkassen tragen den Rehasport in voller Höhe. Eine Vereinsmitgliedschaft ist dabei nicht erforderlich. Wer sich aber entschließt, für vier Euro monatlich in den Verein einzutreten, den erwartet ein umfangreiches Programm mit regelmäßigen Veranstaltungen. Überhaupt sind die Kontakte untereinander, der Austausch – und das nicht nur über die Krankheit – willkommene und wichtige Nebeneffekte.
Viele haben im Verein Freundschaften geschlossen und treffen sich regelmäßig vor oder nach dem Training oder in ihrer Selbsthilfegruppe. „Bei uns ist das einzelne Mitglied keine Nummer, ich kenne jeden persönlich“, berichtet Fischer voller Stolz. Viele Menschen halten dem Verein schon jahrelang die Treue, so auch Benedikte Bachmann, die mit ihren 84 Jahren noch immer als Schriftführerin dabei ist. Neben den fünf Lungensportgruppen gibt es noch zwei Sportgruppen für geistig behinderte Menschen, die mit großem Engagement von Sylvia Fischer und Margitta Schnoor trainiert werden. „Wir leben Inklusion und brauchen dafür kein schriftliches Konzept“, so die 2. Vorsitzende Eva Borchers-Hoffmann. Der Sportclub zur Förderung Behinderter ist ein kleiner Verein, der aber Großes auf die Beine stellt.

ebh/ck

Weitere Infos

Der Sportclub zur Förderung Behinderter ist ansässig im
Hammhof 2, 30455 Hannover. Es gibt fünf Lungensportgruppen, die immer montags und mittwochs in der Sophienschule, Hannover-Zoo, zusammen kommen. Zwei weitere Gruppen für Menschen mit geistiger Behinderung treffen sich montags in der Wilhelm-Schade-Schule,Hannover-Stöcken (anerkannt vom Behindertensportverband Niedersachsen). Für Fragen stehen die Vorsitzende Sylvia Fischer, Telefon (0511) 49 77 81 und ihre Stellvertreterin Eva Borchers-Hoffmann, Telefon (0511) 434 08 05, zur Verfügung. Der Vereinsbeitrag beträgt monatlich vier Euro. ck

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