Yasar Bauer ​vom Rugby-Bundesligisten SG Odin / VfR 06 spricht im Interview über seine Erfahrungen beim Länderspiel in Rumänien
Yasar Bauer

Yasar Bauer ​vom Rugby-Bundesligisten SG Odin / VfR 06 spricht im Interview über seine Erfahrungen beim Länderspiel in Rumänien

Hannover ​Yasar Bauer ist mit 28-Jahren ein erfahrener Spieler für die Spielgemeinschaft Odin/VfR 06 in der Rugby-Bundesliga. Am vorletzten Wochenende durfte der Dritte-Reihe-Stürmer für die Nationalmannschaft beim 6:85 in Rumänien ran. Im Interview spricht Bauer über seine Erfahrung, die Entwicklung des deutschen Rugbysports und die Meisterschaftsaussichten.

Herr Bauer, wie fühlt es sich an, die deutsche Nationalmannschaft vertreten zu dürfen?
Das ist das Höchste, was man erleben kann. Das ist auf jeden Fall etwas ganz Besonderes. Ich habe mich riesig gefreut, dass ich überhaupt zum Lehrgang vor dem Länderspiel in Rumänien durfte. Da war die Vorfreude bei mir schon gewaltig. Ich war sofort aufgeregt.
Wie war es, als Sie erfahren hatten, dass Sie tatsächlich zum Aufgebot gehören? 
Das hat sich dann noch einmal gesteigert und ich habe mich absolut auf das Spiel fokussiert. Auch wen ich dann nur ein paar Minuten gespielt hatte, es war eine tolle Erfahrung.
Das Spiel ging allerdings sehr deutlich verloren – 6:85 stand es gegen starke Rumänen am Ende …
Das hätte nicht so klar sein müssen. Die erste Halbzeit hatten wir uns noch ziemlich gut verkauft. Dann hatten wir uns aber zunehmend individuelle Fehler erlaubt. Rumänien ist als regelmäßiger WM-Teilnehmer aber auch ein harter Brocken gewesen. Aber aus solchen Spielen kann man für sich eine Menge mitnehmen. Die sind körperlich und spielerisch in einer anderen Liga. Wichtig für uns war dabei, dass wir alles gegeben haben.
Erschwerend kam hinzu, dass die deutsche Mannschaft komplett neu zusammengewürfelt war und die besten Spieler aufgrund des Streits zwischen dem Verband und der Wild Rugby Academy nicht abgestellt wurden. Wie sehen Sie den Disput?
Es ist natürlich bedauerlich, dass nicht die besten deutschen Spieler auf dem Feld stehen. Die Entscheidung liegt aber auch nicht in ihren Händen, wenn ihr Arbeitgeber entscheidet, sie nicht mehr abzustellen. Ich hoffe auf eine baldige Einigung zwischen beiden Seiten. Denn das wäre sehr wichtig für das deutsche Rugby. Denn aktuell sind wir auf den Stand von vor zehn oder 15 Jahren zurückgefallen.
Wenn es zu einer Einigung kommen sollte, wäre eine Nominierung für Sie in Zukunft sicherlich schwierig …
Dessen bin ich mir absolut bewusst. Aber es sollen die Besten spielen. Und der Bundestrainer wird die richtigen Entscheidungen treffen.
Dass Sie beim 0:64 am vergangenen Wochenende nicht dabei waren, belastet Sie also gar nicht so sehr?
Natürlich wäre es schön gewesen. Georgien ist ein gewaltiges Kaliber in Europa mit einem extrem starken Gedränge. Aber ich muss im Training und in den Spielen einfach meine Leistungen abrufen und dann werde ich in Zukunft sehen, ob es reicht, wieder für Deutschland spielen zu dürfen.
Was macht für Sie die Faszination am Rugby aus?
Es ist vielfältig. Das schnelle Laufen mit und ohne Ball, das Krafttraining, der Einwurf in die Gasse und auch der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft gehören dazu.
Wächst Ihrer Ansicht nach die Begeisterung für den Sport?
Es gibt Leute, die behaupten, dass Rugby nicht aus dem Nischendasein herauskommt. Das mag sein. Aber durch Übertragungen im Fernsehen und im Internet und durch die in den vergangenen Jahren guten Leistungen der deutschen Nationalmannschaft ist das Ansehen schon gestiegen. Sogar fußballbegeisterte Arbeitskollegen, die ich mal zu einem Spiel eingeladen hatte, waren anschließend vom Rugby begeistert. Das Regelwerk ist vielleicht etwas komplexer, aber die Zuschauer finden sich schnell zurecht. 
Es besteht bei einigen weiterhin das Vorurteil, dass Rugby brutal sei. Können Sie damit aufräumen?
Ja, absolut. Denn das ist es nicht. Denn es ist klar vorgegeben, wie man seinen Gegner stoppen darf. Es ist ein Kontaktsport, aber kein unfairer. Zudem ist jeder Spieler auf dem Feld darauf gefasst, dass er von einem Gegner getackelt wird. Klar, es gibt gelegentlich auch mal eine Rangelei. Aber dann verteilt der Schiedsrichter eine gelbe Karte und anschließend geben sich alle wieder die Hand.
Sie sind mit der SG Odin/VfR 06 vergangene Saison in die Bundesliga aufgestiegen. Wie hat sich der Verein entwickelt?
In den vergangenen zwei Jahren hat sich viel auf und abseits des Platzes getan. Es wurde bereits einiges renoviert. Unser Trainer Rafael Pyrasch arbeitet daran, professionellere Strukturen zu schaffen, die er aus seiner Zeit beim Heidelberger RK kennt. So haben wir einen neuen Fitnesscoach und Physio.
Die Dominanz der Profis vom Heidelberger RK scheint derzeit übermächtig. Kann der deutsche Meister im Rugby irgendwann wieder aus Hannover kommen?
Da müsste eine ganze Menge passieren (lacht). Es müsste viel investiert werden, vor allem auch in die Jugendarbeit. Beim HRK sind Profis aktiv. Ohne mindestens ein Halbprofitum hier zu schaffen, wird es kaum möglich sein. Aber ausschließen würde ich es trotzdem nicht.

Interview: Mark Bode

Bildquelle

  • _DSC9944: Mark Bode

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