Hardy Krüger: Seine eindringlichste Rolle
Hardy Krüger im Rahmen einer Diskussionsrunde „Gemeinsam gegen rechte Gewalt“ in der Aula der Gerhart-Hauptmann-Schule in Hannover. Foto: cle

Hardy Krüger: Seine eindringlichste Rolle

Hardy Krüger spricht mit Schülern über Rassismus

von Clemens Niehaus
Groß Buchholz/Isernhagen. „Ihr seid das Volk“, ist Hardy Krügers Botschaft. Am vergangenen Freitag besuchte Schauspiellegende Hardy Krüger die Gerhart-Hauptmann-Realschule, um mit Schülern über die Nazizeit zu sprechen.
Seine Eltern seien damals dem „österreichischen Verbrecher“ auf den Leim gegangen und hätten in ihm einen Heilsbringer gesehen. Einen, der Arbeit brachte in ein arbeitsloses Land. „Sie haben nicht gemerkt, dass mit dieser Arbeit nur der Krieg vorbereitet wurde“, erinnert sich Krüger. Und so sei er erzogen und später auf eine Nazi-Eliteschule im bayerischen Sonthofen geschickt worden, erzählt der Hollywoodstar den gebannt zuhörenden Jugendlichen aus der Gerhart-Hauptmann Schule, der Käthe-Kollwitz-Schule und der Realschule Isernhagen, die an diesem Tage eine ganz besondere Geschichtsstunde erhielten.

Krüger erzählt, wie es war in Sonthofen, wie er zu Dreharbeiten nach Berlin kam, weil er eine kleine Rolle im NS-Film „Junge Adler“ spielen sollte und wie er dort den Schauspieler Hans Söhnker kennenlernte und dieser ihm die Augen öffnete. Söhnker erzählte ihm von Bergen-Belsen und anderen Konzentrationslagern. „Er machte mich in sechs Monaten zum Anti-Nazi“, so Krüger.
1945 wurde der junge Hardy Krüger zusammen mit anderen 16-Jährigen an die Front geschickt. „Wir waren damals Kanonenfutter“, sagt er heute. Nach Kriegsende landete er in einem US-Gefangenenlager in Tirol, nur wenige Tage später floh der damals 17-Jährige mit Hilfe eines amerikanischen Offiziers. Der Mann habe das Tor absichtlich aufgelassen, ihm freigestellt, hindurchzugehen – auf eigenes Risiko, von den Wachen erschossen zu werden. Krüger wagte die Flucht und machte sich von Tirol aus zu Fuß auf den Weg nach Berlin. „Ich habe ein Land in Trümmern gesehen und gedacht, so etwas wird es in meinem Land nie wieder geben“, spricht Krüger zu den Jugendlichen, „Doch dann kamen Pegida, NPD und so weiter … Früher hat es geheißen: Die Juden sind unser Unglück. Jetzt heiße es: Muslime sind unser Unglück. Und das macht mich wütend“.

Hardy Krüger im Rahmen einer Diskussionsrunde "Gemeinsam gegen rechte Gewalt" in der Aula der Gerhart-Hauptmann-Schule in Hannover. Foto: cle

Hardy Krüger im Rahmen einer Diskussionsrunde „Gemeinsam gegen rechte Gewalt“ in der Aula der Gerhart-Hauptmann-Schule in Hannover. Foto: cle

So wütend, dass er sich zusammen mit der Amadeu Antonio Stiftung bereits seit vielen Jahren gegen Rechtsextremismus engagiert. 2013 gründete er zusammen mit Exit Deutschland, Klaus Bednarz, Hark Bohm und Dieter Hallervorden die Initiative „Gemeinsam gegen rechte Gewalt“. Der Verein „Politik zum Anfassen“ holte den engagierten Kämpfer gegen rechts nun in die Gerhart-Hauptmann Schule.
Krüger spricht immer wieder von den „Nachfolgeverbrechern“, er warnt und mahnt die Jugendlichen und fordert sie auf: „Geht wählen, sobald ihr es dürft“, appelliert er. „Überlasst das nicht alles den Politikern. Welchen Weg diese Land gehen soll, bestimmen wir mit. Wir sind das Volk.“

 

Visitenkarte:

* 12. April 1928 als Eberhard August Franz Ewald Krüger in Berlin-Wedding.  Kam 1941 als Dreizehnjähriger auf die Adolf-Hitler-Schule (AHS) nach Sonthofen (Bayern). 1943 erste Filmrolle in dem NS-Film „Junge Adler“, im März 1945 zur Waffen-SS-Division „Nibelungen“ eingezogen. Nach dem Krieg kurze Gefangenschaft in Tirol. Nach seiner Heimkehr erste Statistenrollen und Sprecher im NWDR. Schauspielausbildung in Hannover. Krüger spielte mit unter anderem mit John Wayne, Sean Connery und Richard Burton. Krüger veröffentlichte auch mehrere Romane. Er lebt mit seiner dritten Frau Anita in Kalifornien und Hamburg.

www.hardy-kruger.de

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