Hasch mit Gütesiegel
Eine „Tüte“ rauchen – das könnte bald erlaubt sein. Foto: Imago

Hasch mit Gütesiegel

Zwei Apotheken in Bremen verkaufen demnächst Cannabis

Von Julian Heißler
Bremen. Cannabis ist in Deutschland verboten. Wer es anbaut, damit dealt oder selbst konsumiert, muss mit einer Geldstrafe oder bis zu fünf Jahren Gefängnis rechnen. Ausnahmen gibt es nur aus medizinischen Gründen. Doch jetzt bewegt sich etwas in Deutschland: Nach dem Vorbild vieler US-Staaten ist eine Diskussion um die Legalisierung von Cannabis entbrannt.  Mit dem neuen Bremer Regierungschef Carsten Sieling (SPD) hat sich erstmals ein Ministerpräsident für die Legalisierung der Droge ausgesprochen. Es sei unbestritten, dass die Kriminalisierung von Cannabis nicht mehr zeitgemäß sei, sagte Sieling. Dadurch entstünden hohe Kosten bei der Polizei und den Strafverfolgungsbehörden.
Die rot-grüne Regierung des kleinen Bundeslandes hat einen Modellversuch zum Verkauf von Cannabis vereinbart. In zwei Apotheken sollen Erwachsene dort künftig Marihuana oder Hasch erwerben können. Hamburg plant ebenfalls einen solchen Modellversuch, in Köln wird gerade darüber diskutiert. Selbst für höchst bürgerliche Kreise hat eine Cannabis-Legalisierung inzwischen ihren Schrecken verloren. Vor wenigen Monaten erst hat die FDP auf ihrem Parteitag die Freigabe gefordert. Die Grünen sind sowieso dafür: „2017 ist Cannabis legal“, prophezeit deren Chef Cem Özdemir. Er jedenfalls glaubt fest daran, dass sich gerade etwas dreht in Deutschland.
In Berlin ist man schon einen Schritt weiter. „Die bisherige Prohibitionspolitik ist gescheitert“, sagt Monika Herrmann, die Bürgermeisterin des Berliner Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg. Ende Juni besiegelte die Grünen-Politikerin deshalb das Ende des verlorenen Kampfes gegen Cannabis: Die 51-Jährige will künftig ganz legale Verkaufsstellen erlauben – und stellte einen entsprechenden Antrag beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte.
Geht es nach Monika Herrmann, muss sich der geneigte Kiffer künftig nicht mehr vor der Polizei verstecken – er lässt sich vielmehr ganz offiziell beim Notar registrieren. Anschließend kann er in vier staatlich lizensierten Abgabestellen, die wohl eher an Apotheken als an Coffeeshops erinnern, ganz offiziell Marihuana oder Haschisch einkaufen – bis zu 60 Gramm im Monat. Der Preis soll wohl etwas höher sein als auf dem illegalen Markt, dafür wäre die Qualität überwacht. Hasch mit staatlichem Gütesiegel – eine Cannabis-Revolution in Deutschland.
In der Praxis gibt sich die Justiz übrigens schon ein wenig tolerant. Derzeit ziehen 13 Bundesländer die Grenze für den Eigenbedarf bei 6 Gramm Cannabis. Rheinland-Pfalz, NRW und Berlin lassen 10 Gramm zu. Wer Cannabis im Rahmen dieses Eigenbedarfs dabei hat, geht bei Entdeckung strafffrei aus.

 

Soll Cannabis freigegeben werden? (Umfrage und Fotos: Bärbel Triller)
Detlev%20Nitschke

Detlev Nitschke (55), Rentner, Seelze: Eine Freigabe ist in Ordnung, wenn sie einer begrenzten Nutzergruppe wie Schmerzpatienten zu Gute käme. Eine generelle Freigabe lehne ich ab. Cannabis ist eine Einstiegsdroge.

Nicholas%20Franc

Nicholas Franc (17), Schüler, Paderborn: Nein, ich lehne eine Freigabe in jedem Fall ab. Freier Zugang erhöht den Konsum von Cannabis und damit steigt die Gefahr, dass mehr Menschen, auch Kinder, abhängig von Cannabis werden.

Roxanne%20Weykopf

Roxanne Weykopf (24), Auszubildende, Celle: Ich befürworte eine Freigabe, weil dann zum Beispiel kontrolliert werden kann, ob im Cannabis beigemischte Inhaltsstoffe enthalten sind, die schädigend sein können. Außerdem steigen Steuereinnahmen.

Seydon%20Taal

Seydon Taal (22), Auszubildender, Hannover: Ein schwieriges Thema. Es ist sicher gut, dass öffentlich darüber diskutiert wird. Aber bevor wir Cannabis freigeben, sollten uns auch mit den Folgen von Alkohol beschäftigen.

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