„Ich bin ein glücklicher Mann“
Pandora-Europa-Chef Niels Møller im Gespräch mit Heike Schmidt.

„Ich bin ein glücklicher Mann“

In der Innenstadt von Hannover gibt es einen neuen Shop der Marke  Pandora. Ein Interview über Schmuck, Schönheit und Männer

1982 erfand ein dänischer Goldschmied mit seiner Frau die Marke Pandora. 33 Jahre später ist Pandora eine der größten Schmuckmarken weltweit, vertreten in mehr als 90 Ländern mit über 12.400 Mitarbeitern. In Hannover hat am Donnerstag ein neuer Konzept-Store eröffnet. Ein Gespräch mit dem Europa-Chef Niels Møller über Expansionsgedanken, Geschäftsmodelle, Schmuck und Schönheit.

Herr Møller, Pandora ist ja nicht nur der Name des Schmuckunternehmens, für das Sie arbeiten. Pandora ist ja auch der Name einer Figur aus der griechischen Mythologie. In der Neuzeit wurde sie unter anderem Sinnbild für weibliche Verführungskraft. Sind Sie ein Verführer?
Ich bin vor allem ein glücklicher Mann! Stellen Sie sich vor, mein Job besteht darin, den ganzen Tag Frauen glücklich zu machen. Sie glauben gar nicht, wie stark die emotionale Bindung unserer Kundinnen an unseren Schmuck ist, sei es ein spezieller Charm oder ein Ring, mit dem sie einen unvergesslichen Moment verbinden. Unser Schmuck ist für viele Frauen ein lebenslanger Glücksbringer und eine Erinnerung an unvergessliche Momente, das höre ich jeden Tag und das macht mir jeden Tag richtig Spaß.

… und wenn Pandora ihre Büchse öffnet, kommen viele kleine, unterschiedliche Anhänger heraus, mit denen sich jeder sein individuelles Armband gestalten kann. Nachdem Pandora im Jahr 2000 dieses Armbandsystem vorgestellt hat, ist das Unternehmen richtig erfolgreich geworden. Machen Sie mit diesen Armbändern noch immer den meisten Umsatz?
Der internationale Durchbruch kam tatsächlich im Jahr 2000 mit der Einführung des Charm-Armbandes. Charms und Armbänder sind nach wie vor unser Kernprodukt und machen achtzig Prozent des Umsatzes aus. Aber gerade unser Ring-Sortiment wird immer erfolgreicher. Hier sehen wir sehr positive Zuwächse.

Die Charms kosten zwischen 19 und 399 Euro. Wer ist Ihre Zielgruppe?
Unsere weibliche Zielgruppe ist zwischen 18 und 49 Jahren. Gerade die jüngeren Zielgruppen wollen wir noch stärker mit unserem erweiterten Sortiment an Ohrringen und Ringen ansprechen. Und natürlich Männer. Diese sind eine ganz wichtige Zielgruppe für uns.

Männer? Pandora Schmuck gibt es doch nur für Frauen?
Sehen Sie, Männern macht es doch häufig Kopfzerbrechen, wenn Sie ein Geschenk für Ihre Frau suchen – und wir bieten großartige Lösungen für Männer an! Bei uns kann er immer wieder einen neuen Anhänger für das Armband seiner Frau finden oder einen neuen Ring, den sie kombinieren kann. Zudem: Wir haben für jeden Geldbeutel etwas. Es muss nicht immer der teure Diamant sein.

A Propos Männer. Kommt denn auch einmal eine Kollektion für Männer heraus?
Pandora bietet ausschließlich Schmuck für Frauen an, eine Männerkollektion ist nicht geplant.

Welches Stück haben Sie Ihrer Frau als letztes geschenkt?
Ein Sterling-Silber Armband der Essence Collection mit einem Goldverschluss und den passenden Sternzeichen-Charms unserer fünf Kinder. Das kam ziemlich gut an.

Es gab auch einmal Schmuck für über 2000 Euro. Der wurde aber ziemlich schnell aus dem Sortiment genommen. Woran lag es?
Wir haben auch nach wie vor 14-Karat-Gold in unserem Sortiment, und wenn Sie ein Goldarmband mit Gold-Charms kombinieren, kommen Sie deutlich über 2000 Euro. Aber das ist nicht der Regelfall bei uns. Die Vision der Gründer von Pandora war es, Frauen auf der ganzen Welt ein Universum an hochwertigem, handveredeltem und modernem Echtschmuck zu erschwinglichen Preisen zu bieten: Das ist eines unserer großen Erfolgsrezepte. Nach einem kurzen Ausflug ins Luxussegment in 2011 sind wir zu dieser Mission wieder zurückgekehrt, weil wir festgestellt haben, dass unsere Kundinnen und Kunden genau das an Pandora schätzen und keinen Ausflug ins Luxussegment von uns erwarten.

Nach Tiffany ist Pandora die zweitgrößte Juwelier-Marke weltweit – noch vor Cartier. Stellt sich die Frage: Wie wird man Nummer eins?
Unser Erfolgsgeheimnis ist die Tatsache, dass wir den Frauen mit unserem Armbandkonzept die Möglichkeit geben, ihren eigenen Schmuck zu kreieren und zu kombinieren, um so ihre Einzigartigkeit zu unterstreichen. Es gibt mittlerweile mehr als 1000 Design-Varianten. Zudem lancieren wir siebenmal im Jahr eine neue Kollektion. Dementsprechend groß sind die Möglichkeiten der Kombinationen.

Bislang wurde der Schmuck bei Juwelieren, Kaufhof oder auch Christ verkauft. Sie hatten in Deutschland noch vor ein paar Jahren insgesamt 2500 Verkaufsstellen. Werden Sie diese schließen? Jetzt eröffnen Sie nach und nach eigene Läden. Warum?
Wir erreichen unsere Kundinnen und Kunden über vier Distributionskanäle: Unsere Concept Stores, unsere Juwelier-Partner, unsere Key Account Partner wie Kaufhof oder Karstadt und natürlich unseren E-Store. Tatsächlich werden wir bis Sommer 2016 insgesamt 225 Verkaufspunkte bei Christ und Kraemer aufgeben. Wir wollen die qualitative Expansion in Deutschland sehr stark vorantreiben. In 2015 verdoppeln wir zum Beispiel unser Concept Store-Filialnetz auf über 150 Stores und werden so in kürzester Zeit stationär zum führenden Mono-Brand-Juwelier in Deutschland.

Wie viele Verkaufsstellen werden übrig bleiben?
Bis Ende 2015 werden wir über 150 Concept Stores deutschlandweit betreiben und insgesamt mit unseren Key Account- und Händler-Partner etwa 700 Verkaufsstellen haben. In Städten ab 100.000 Einwohnern sind wir mit unseren Concept Stores sowie über Karstadt und Kaufhof vertreten, in Städten mit geringen Einwohnerzahlen arbeiten wir vor allem in enger Partnerschaft mit unseren Juwelieren zusammen.

Wer neue Läden eröffnet, braucht neue Mitarbeiter. Wie viele haben Sie in Hannover eingestellt? Wie viele werden es deutschlandweit sein?
Für unseren neuen Concept Store in Hannover haben wir zehn neue Mitarbeiter eingestellt. Im Zuge der Verdoppelung unseres Filialnetzes in 2015 stellen wir deutschlandweit fast 1000 neue Mitarbeiter ein.

Stichwort: Wachstum über Verdrängung. Wer ist ihr größter Konkurrent?
Mit unserem vertikal integrierten Geschäftsmodell zusammen mit unserem Konzept des kombinierbaren, femininen und modernen Echtschmuck zu erschwinglichen Preisen haben wir ein ziemlich starkes Alleinstellungsmerkmal.

Das Interview führte Heike Schmidt.

Zur Person: Niels Møller

Niels Møller (46) ist als President Central Western Europe (CWE) für die Aktivitäten von Pandora in Deutschland, Italien, Österreich, den Niederlanden und der Schweiz zuständig. Zuvor war er fast vier Jahre als Geschäftsführer für Zentraleuropa bei der Ekornes as und weitere sechs Jahre als Geschäftsführer Norwegen bei der Cadbury Schweppes Plc. Er lebt mit seiner Frau und fünf Kindern in Hamburg.

 

Bildquelle

  • Pandora Eröffnung: Florian Petrow

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