Ich habe einen Traum vom Advent

Ich habe einen Traum vom Advent

Stefanie Sonnenburg ist Pastorin an der evangelisch lutherischen Christuskirchengemeinde

Ich habe einen Traum vom Advent, einen Kirchentraum, den ich in jedem Jahr wieder neu träume, wenn hier in der Stadt der Winter beginnt.
Zuerst kommt man aus der traurigen Novemberzeit kaum heraus. Das Jahr der Kirche endet mit dem Gedenken an die Verstorbenen. Viele, die Abschied genommen haben von geliebten Menschen, kommen zum Gottesdienst. Wie gut, eine Kerze anzuzünden: ich vergesse dich nicht, du bist ein wichtiger Teil meines Lebens, immer noch.

Stefanie Sonnenburg, geboren 1968, Studium Evangelische Theologie und Ausbildung zur C-Kirchenmusikerin. Seit dem Jahr 2000 Pastorin in der Ev.-luth. Christuskirchengemeinde, die 2006 in die Ev.-luth. Nordstädter Kirchengemeinde in Hannover übergegangen ist. Gründungsmitglied des Vereins zur Förderung Internationalen Kinder- und Jugendchorzentrums Christuskirche Hannover.

Stefanie Sonnenburg, geboren 1968, Studium Evangelische Theologie und Ausbildung zur C-Kirchenmusikerin. Seit dem Jahr 2000 Pastorin in der Ev.-luth. Christuskirchengemeinde, die 2006 in die Ev.-luth. Nordstädter Kirchengemeinde in Hannover übergegangen ist.
Gründungsmitglied des Vereins zur Förderung Internationalen Kinder- und Jugendchorzentrums Christuskirche Hannover.

Und dann beginnt der Advent, der Weihnachtsmarkt öffnet, die Stadt hat sich prächtig herausgeputzt. Doch wer traurig ist, wer gerade kämpft und bangt, dem geht der ganze vorweihnachtliche Frohsinn einfach ab. Wie soll man überhaupt Weihnachten mit Kummer „feiern“? Mancher wünscht sich, das schönste aller Familienfeste einfach nur zu überstehen.
Mein Kirchentraum vom Advent wird wahr beim traditionsreichen Lichtersingen, wenn wir am 3. Advent in der Christuskirche zusammenkommen. So unterschiedlich wir sind, Trost und Licht brauchen alle. Es ist ein Erlebnis, nach Einbruch der Dunkelheit hier anzukommen, zunächst die erste Adventskerze anzuzünden und dann die zweite. Wenn die dritte Kerze brennt, erwarten wir das Friedenslicht von Bethlehem. Eben eingetroffen in Hannover, verteilen wir es hier am selben Nachmittag.
„Tragt in die Welt nun ein Licht“, singen wir, „sagt allen, fürchtet euch nicht.“ Und irgendwann kommt das Licht in die Reihe, die leuchtende Kerze neben mir entzündet die in meiner Hand, es wird warm und hell, und ich reiche das Licht an den nächsten weiter.
Tochter Zion freue dich – singen wir zum Schluss: Sieh, dein König kommt zu dir, ja, er kommt, der Friedefürst.
Danach bleiben wir noch zusammen, viele haben sich länger nicht gesehen. Manche kommen an diesem Nachmittag, um andere zu treffen und auch, um „ihre“ Kirche wiederzusehen. Es wird geredet und getrunken. „Und, wie geht es Dir?“
Noch einen Krapfen auf den Weg, und die Kerzen werden ausgepustet und zum Mitnehmen vorbereitet.
Zuletzt scheint noch der Stern, der Herrnhuter Stern über dem Chor, und die Sterne am Kirchenhimmel glänzen. Ja, er kommt, der Friedefürst.
Die, die ihre Kerzen mitgenommen haben, die den Schein im Herzen tragen, nehmen ihn mit nach draußen, auf die Straße, in die Häuser.
Der Traum vom Advent ist hier noch nicht zuende. Wir folgen dem Licht des Sterns. Wir folgen den alten Verheißungen, dass die Welt nicht verloren bleibt, dass es Hoffnung gibt: Gott verheißt seinen Frieden für alle Menschen, mitten in der Nacht. Sieh, dein König kommt!
Ganzjährig sitzt der kleine Jesus auf dem Schoß seiner Mutter über dem Seitenportal der Christuskirche und lächelt. Könige aus fernen Ländern knien nieder und bringen ihre Geschenke.
International war es immer schon hier: Weihnachten verbindet Menschen verschiedener Herkunft, von Anfang an. International sind auch die Lieder, die wir singen, Weihnachtslieder gehen um die Welt.
Doch seit letztem Jahr kommen nun Kinder und Jugendliche aus verschiedenen Ländern hierher in die Christuskirche, um zu singen. Gäste aus Kanada, aus Polen und Tschechien erlebten wir schon, mit Musik aus ihren Heimatländern. Auch diese jungen Sängerinnen und Sänger tragen den Frieden weiter. Musik kennt keine Grenzen, sie ermöglicht Begegnung und Verständigung, auch ohne Worte.
Und immer wieder ist es für alle ein Erlebnis, in einem Kirchenraum zu singen und zuzuhören, unter dem segnenden Christus im Kirchenfenster über dem Altar.
„Tochter Zion, jauchze laut, Jerusalem! Ewig steht dein Friedensthron, du, des ewgen Vaters Kind.“ Mit Georg Friedrich Händels Adventslied wurde der vergangene dritte – und mit seinem Oratorium „Der Messias“ wird nun der vierte Adventssonntag in der Christuskirche begangen. Junge Musiker haben sich aufgemacht aus Cambridge in Großbritannien hierher in Hannovers Nordstadt. Die alte Verbindung Hannover – Großbritannien lässt grüßen.
Hier, wo nun Nordstädter Kirchengemeinde und Mädchenchor Hannover gemeinsam zuhause sind und zugleich das Internationale Kinder- und Jugendchorzentrum seinen Ort hat, ist auch der Traum einer Kirche voller Musik wahr geworden.
Viele Menschen, Institutionen und Familien, Musikbegeisterte und Kirchenfans, haben sich dafür eingesetzt und sind weiter engagiert.
So wird es für uns alle hier nun bald das zweite Mal Weihnachten in der neu gestalteten Christuskirche werden.
Als das Kind geboren wird, steht der Himmel über Bethlehem offen. Engel singen „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden den Menschen seiner Gnade!“ und Menschen stimmen ein: „Halleluja“ – Lobet Gott! Was für himmlische Musik!
Lasst uns hingehen nach Bethlehem und das Wunder sehen: „For unto us a child ist born …“
Morgen werden wir wieder hier sein, um die vierte Kerze anzuzünden.
Herzliche Einladung – kommen Sie dazu!

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