Ich habe einen Traum vom Klettern

Ich habe einen Traum vom Klettern

Claudia Carl, 2. Vorsitzende des Deutschen Alpenverein in Hannover ist mit den Bergen eng verbunden

Es ist ziemlich genau ein halbes Jahrhundert her, dass ich zum ersten Mal in den Alpen war und einen Gletscher sah. Welche Faszination ging von ihm aus. Das wollte ich wieder haben, wenn möglich sogar einmal in meinem Leben meinen Fuß auf einen Gletscher setzen. Es dauerte allerdings noch einige Jahre, bis ich wieder in die Alpen fahren konnte, da auch Köln, wo ich damals wohnte, ziemlich weit von den Alpen entfernt ist. So begnügte ich mich mit Literatur über die großen Wände und Gipfel der Alpen, die Berge der Welt, und träumte davon, einmal in Nepal auf einen Berg zu gehen. Doch zunächst einmal fuhr ich nach ersten Klettererfahrungen in der Eifel zu den Felsen in den Dolomiten. Berge wurden meine Leidenschaft, egal ob Fels oder Schnee und Eis, Felsgrate oder Eiswände; ich erlebte eine großartige Zeit in den Alpen.
Der Traum von Nepal sollte in Erfüllung gehen (damals 1979 noch nicht eine solche Selbstverständlichkeit wie heute). Viele Touren folgten in den Bergen der Welt und den Alpen.
Das Klettern ging ich – als ich nach Hannover kam – zunächst nur zaghaft an; meine Träume waren immer noch auf die hohen Berge der Welt fokussiert. Vieles gelang, einiges konnte ich nicht realisieren, und irgendwann wandte ich mich anderen Zielen zu. Der heimische Ith zog mich nach und nach in seinen Bann. Jahre des entspannten Kletterns im Ith, dann in den von mir so geliebten Felsen in der Provence folgten. Irgendwann und -wie wurde ich in der Sektion Hannover des Deutschen Alpenverein (DAV) ehrenamtlich tätig. Das, was mich so faszinierte, sollte auch andere kennen lernen und können. So wurde ich über sehr viele Jahre Ausbildungsreferentin der Sektion und träumte weiter: Hannover sollte eine Kletterhalle bekommen. Zwar bevorzugte ich selbst immer noch das Klettern in der Natur, aber man musste ja auch den Winter klettermäßig überbrücken, um nicht das Gefühl zu haben, im Frühjahr immer wieder von vorne zu beginnen. Und obwohl eine Halle viel niedriger ist als alle anderen Berge, die ich besteigen durfte, war dieser Traum am schwierigsten zu verwirklichen; fast sollte er zum Alptraum werden. Mehr als 10 Jahre sollte es dauern, bevor dieses Projekt ernsthaft in Angriff genommen werden konnte, viele Besteigungsversuche scheiterten. Immer wieder ging ich das Projekt Kletterhalle mit verschiedenen Seilpartnern an. Aber irgendwann hatte ich die richtigen Seilpartner (unter anderem den 1. Vorsitzenden der Sektion Hannover), die den gleichen Gipfel anpeilten. Es sollte eine schwierige, mühselige Besteigung werden mit etlichen Glücksmomenten aber auch großen Zweifeln, ob wir jemals überhaupt den Gipfel sehen würden; doch auf die Kletterpartner war Verlass.
Erst vor zwei Jahren war der Gipfel zumindest zu erkennen, wenngleich manchmal im Nebel, und noch nicht absehbar, wann er erreicht werden konnte. Und wie bei vielen Besteigungen eines Berges, so ergriff mich auch beim Bau der Kletterhalle manchmal die Müdigkeit: Wie lange noch?!
Auch wenn der genaue Tag der Eröffnung der Kletterhalle noch nicht hundertprozentig feststeht, der Gipfel wird noch im Dezember erreicht. Selbst ein Wettersturz kann uns jetzt nicht mehr aufhalten. Und bevor wir dann noch vor Weihnachten in der Halle klettern können, stehen schon neue Pläne und Träume an. Klettern mit Seniorinnen und Senioren, mit Behinderten, überhaupt mit allen, die nie zuvor daran gedacht haben, dass sie vielleicht einmal klettern gehen könnten, die vielleicht diesen Traum noch gar nicht haben. Sie alle könnten damit beginnen und feststellen, was für eine tolle Sportart das ist – und auch anfangen zu träumen.

Claudia Carl fühlt sich in den Bergen am wohlsten. Die promovierte Chemikerin im Ruhestand freut sich auf die Eröffnung des DAV Kletterzentrums „GriffReich“ noch im Dezember. Für den DAV ist sie als Ausbildungsreferentin und als 2. Vorsitzende tätig.

Claudia Carl fühlt sich in den Bergen am wohlsten. Die promovierte Chemikerin im Ruhestand freut sich auf die Eröffnung des DAV Kletterzentrums „GriffReich“ noch im Dezember. Für den DAV ist sie als Ausbildungsreferentin und als 2. Vorsitzende tätig.

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