Ich habe einen Traum vom Reisen

Ich habe einen Traum vom Reisen

Tabea Rienas war Vertriebsleiterin im GOP, bevor sie sich kurz nach ihrem 40. Geburtstag entschloss, auf Weltreise zu gehen

Über mir leuchten mit einem melodischen „Bing“ die Anschnallzeichen auf und ich spüre das tiefe Brummen der anlaufenden Triebwerke, das sich durch den Sitz auf meinen Körper überträgt. Meine Mutter beugt sich zu mir und flüstert verschwörerisch: „Gleich heben 1000 kleine Männchen das Flugzeug hoch und laufen damit los, Bea! Sie laufen, WAS.DAS.ZEUG.HÄLT! Und wenn sie nicht mehr schneller laufen können, werfen sie das Flugzeug in die Luft und wir fliegen damit nach Amerika. Ist das nicht toll?“ Ich saß auf meinem Sitz und konnte nur staunen…
Da war ich sechs Jahre alt, das erste Mal auf großer Reise und sehr aufgeregt. Nicht nur wegen der 1000 kleinen Männchen. Denen habe ich vertraut. Meine Mutter musste wissen, wie das funktioniert. Oder vielmehr: läuft.

Tabea Rienas ist in Hannover zu Hause. Sie war Vertriebsleiterin im GOP-Varieté, bevor sie sich kurz nach ihrem 40. Geburtstag entschloss, den Job zu kündigen, ihre Wohnung zu vermieten und auf Weltreise zu gehen. Die Karte zeigt, wie die Reise von Tabea verlaufen soll. Zurzeit ist sie in Kuala Lumpur.Quelle: privat

Tabea Rienas ist in Hannover zu Hause. Sie war Vertriebsleiterin im GOP-Varieté, bevor sie sich kurz nach ihrem 40. Geburtstag entschloss, den Job zu kündigen, ihre Wohnung zu vermieten und auf Weltreise zu gehen.
Die Karte zeigt, wie die Reise von Tabea verlaufen soll. Zurzeit ist sie in Kuala Lumpur.

Ich war vor allem aufgeregt, weil ich so gar keine Ahnung hatte, was es mit diesem „Reisen“ auf sich hat. Und: was ich dabei tun sollte. Ich hatte keinen Schimmer und dennoch glühte meine Stirn vor lauter Vorfreude auf das, was in jeder Hinsicht an unbekanntem Neuland vor mir lag. „Das ist Reisefieber“, erklärte mir mein Vater. Und auf meine Handbewegung zu meiner Stirn hin ergänzte er: „Das kann man nicht mit dem Thermometer messen. Das spürt man nur im Bauch!“

Heute, gut 34 Jahre später, bin ich immer noch und heftiger denn je befallen. Ich habe chronisches Reisefieber. Seit Monaten spüre ich es im Bauch, im Herz und in meiner Seele. Ich musste weg, raus aus den sicheren, eingetretenen Pfaden meines Lebens, hinein in ein neues Leben. Die Welt ein kleines Stück mehr entdecken, neuen Menschen und unbekannten Kulturen begegnen. Lernen, auch über mich selbst. Und daran wachsen. So wurde dieser Wunsch zum Motto meiner Reise und meines Onlinetagebuchs: Go. Learn. Grow!

Und was soll ich sagen … mit all meinem Mut habe ich es getan! Vor etwas mehr als zwei Monaten bin ich losgezogen. Mit meinem Rucksack und ein paar Habseligkeiten unterwegs in einen neuen, nur sehr begrenzt planbaren Abschnitt meines Lebens: Einer Reise, die mich zunächst nach Indien, dann nach Nepal und nun nach Thailand geführt hat, von wo aus ich gerade schreibe. Bis Dezember werde ich noch sieben weitere Länder bereisen und erfülle mir damit einen jahrelang gehegten Lebenstraum. Für den ich meinen Job als Vertriebsleitung gekündigt, ein grandioses Kollegenteam verlassen, mein Auto verkauft, meine wunderschöne Wohnung untervermietet und mein heißgeliebtes Katerchen „Eddi“ in eine ganz und gar fantastische Pflegefamilie gegeben habe. Ich reise allein und musste auch meine wunderbaren Freunde und jene besonderen zwei Menschen für eine Weile zurücklassen, die mir das kleine Samenkorn vom „Reisen“ damals ins Herz gelegt haben: meine Eltern. Das ist die wohl größte Lektion, die ich in der Ferne werde lernen müssen: Loslassen!

Nächste Woche fliege ich von Bangkok nach Kuala Lumpur. Ich werde wie vor jedem Flug vor lauter Reisefieber wieder eine glühende Stirn haben. Und ich werde wissen, dass die 1000 kleinen Männchen auch so viele Jahre nach meiner allerersten großen Reise noch ganz schnell laufen können…

„Die Welt wird Traum, der Traum wird Welt!“  (Novalis)

Wenn Sie mich auf meiner Reise virtuell begleiten möchten, besuchen Sie doch einmal meinen Reiseblog:
?? www.lichtauf.de

Bildquelle

  • Tabea Rienas: privat

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