Ich habe einen Traum vom „Vampyr“
Gunter Hartung unterwegs in einer Piper PA28. Der begeisterte Privatpilot war lange beim NDR, ist Mitglied des AKTiG und Luftfahrtautor.

Ich habe einen Traum vom „Vampyr“

Gunter Hartung – Journalist, Mitinitiator der Elly-Beinhorn-Ausstellung und Pilot, träumt von einem Rekord-Oldtimer

Es ist ein Traum, den ich schon vor einigen Jahren geträumt habe und dessen Verwirklichung damals zurücktreten musste. Der Arbeitskreis Technik und Industriegeschichte Hannover (AKTiG) entschied sich seinerzeit, zunächst den Hanomag-Rekord-Diesel von 1939 als Nachbauprojekt in Angriff zu nehmen. Nun ist diese Rekonstruktion fast abgeschlossen und auch finanziell weitgehend  „in trockenen Tüchern“. Davor hatten wir bereits den Flugdrachen des hannoverschen Luftfahrtpioniers Karl Jatho originalgetreu wieder erstehen lassen. Jetzt aber will der AKTiG als Initiator der Projekte den „Vater aller Hochleistungs-Segelflugzeuge“ flugfähig nachbauen, den HAWA „Vampyr“.
Die Neuauflage des alten Traums hatte ihren Auslöser, als wir Ende Januar 2016 die Elly-Beinhorn-Ausstellung im Luftfahrtmuseum Laatzen-Hannover eröffneten und dafür ein wegweisendes Flugzeug der 1930er Jahre von der Lufthansa-Berlin-Stiftung per Tieflader nach Hannover gebracht hatten – die Messerschmitt Bf Me 108. Was aber Ingenieure und Konstrukteure bereits Anfang der 1920er Jahre in Hannover erdacht und umgesetzt hatten, war ebenso wegweisend und sensationell. Das Segelflugzeug HAWA „Vampyr“ passt haargenau ins Konzept unserer Arbeitsgemeinschaft, die Pioniere der Region Hannover wieder ins Bewusstsein der aktuellen Generation bringen möchte.
Der HAWA „Vampyr“ entstand 1921 bei der damaligen Hannoverschen Waggonfabrik in Zusammenarbeit mit der Technischen Hochschule und sorgte kurz darauf seiner Leistungen wegen auf der Wasserkuppe/Rhön für Weltrekorde und Aufsehen. Die qualifizierten Flugzeugbauer Marianne Brandes und Jürgen Hagemann am Flugplatz Hildesheim garantieren, dass sie in der Lage sind, diesen Urahn aller voll-thermikfähigen Segelflugzeuge in Originalgröße flugfähig zu rekonstruieren.
HAWA H1 „Vampyr“, der Urahn unserer heutigen modernen Hochleistungs-Segelflugzeuge, überzeugte bereits bei seinem Erstflug 1921 auf der Wasserkuppe/Rhön. Das Flugzeug gewann nach dem Ausklinken 170 Meter zusätzliche Höhe in der Thermik und damit den ersten Weltrekord. Bis zu dem Tag waren alle Vorläufer nur Gleiter, die nach dem Ausklinken im Bahnneigungsflug in Richtung Landung unterwegs waren und also zu längeren Flügen nicht in der Lage waren. Am 18. August 1922 errang der noch einmal optimierte „Vampyr“ an einem Tag gleich drei Weltrekorde, und am 21. August blieb das Flugzeug drei Stunden und zehn Minuten in der Luft und erzielte dabei eine Überhöhung der Ausklinkhöhe von 350 Meter.
Für die Rekonstruktion sind Mittel in Höhe von etwa 35.000 Euro erforderlich, für die noch Sponsoren gesucht werden. Da der „Vampyr“ über leicht demontierbare Tragflächen verfügt kann er problemlos zu Flugtagen und Luftfahrtschauen transportiert, dort per Flugzeugschlepp in die Luft gebracht werden und damit Zeugnis ablegen von einer weiteren hannoverschen Pionierleistung. Ich habe also den Traum, dass mit dem Projekt „Hawa-Vampyr“ der Nachwelt erneut ein gehöriges Stück hannoverscher Technikgeschichte vor Augen geführt werden kann; dass die Rekonstruktion bei Flugtagen im In- und Ausland als Botschafter einer faszinierenden und wegweisenden hannoverschen Technikgeschichte verstanden wird, als Werbung für den Standort Hannover und Beleg für den Leitgedanken des AKTiG: Innovation aus Tradition.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.