Ich habe einen Traum von einem Diesel
Horst-Dieter Görg

Ich habe einen Traum von einem Diesel

Horst-Dieter Görg ist der Vorsitzende der Interessengemeinschaft Hanomag und träumt von einem Rekordwagen von 1939

Vor 80 Jahren wurde in Hannover ein großes Kapitel Automobilgeschichte begonnen. Die Hannoversche Maschinenbau Aktiengesellschaft, kurz HANOMAG, produzierte erstmals in Europa Kleinwagen am laufenden Band. Das „Kommissbrot“ wurde legendär und das vor den Toren gelegene Werk auch in anderen Kreisen bekannt.
Seit mehr als 30 Jahren kümmert sich die Hanomag IG als eingetragener, gemeinnütziger Verein um das Erbe dieses Traditionsunternehmens. Dazu gehört auch die Geschichte der Personenwagen, die von 1924 bis 1941 in Linden gebaut wurden. Knapp 100.000 Pkw fertigte die Hanomag, ab 1936 auch gut 1100 mit Dieselmotor.
Viel wurde weggeschmissen, nach dem Zweiten Weltkrieg hatte das Unternehmen andere Sorgen und Betätigungsfelder, aber die Geschichte ist geblieben. Und die Enthusiasten, die sich darum kümmern. Schließlich ist Hanomag seit mehr als 180 Jahren nicht nur ein Teil der Stadtgeschichte, sondern das Unternehmen hat immer wieder auch Industriegeschichte geschrieben. So auch zuletzt vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs mit einem Klein-Diesel, als das Unternehmen auf der damals neu eingeweihten Reichsautobahn bei Dessau mit einer Sonderkonstruktion erfolgreich war. Am 8. und 9. Februar 1939 powerte ein Hanomag mit Stromlinienkarosserie über die Piste, vier Weltrekorde wurden eingefahren, die erzielte Höchstgeschwindigkeit lag bei 165 km/h.
Da das Rekordfahrzeug in den Kriegs- oder Nachkriegswirren verschollen ist, waren auch viele Details seiner Geschichte verschwunden oder liegen noch heute teilweise unentdeckt in unbekannten Archiven, wer kann dies schon noch so genau sagen?
In einem Müllcontainer fanden sich vor gut 30 Jahren die Blaupausen des Rekordwagens. Drei Bilder gaben auch eine gewisse Vorstellung von dem Fahrzeug, mehr nicht. Aber die Idee war geboren, dieses außergewöhnliche Fahrzeug eines Tages wieder auferstehen zu lassen, aber wovon, womit? Ein Traum für alle Zeiten?
In einer Sammlung in Aachen fand sich 2007 ein Serienfahrgestell vom Hanomag Typ Rekord, auf dem der Diesel seinerzeit auch aufgebaut war. Die 1000 Euro zum Ankauf kamen vom Niedersächsischen Metallarbeitgeberverband, irgendwie passend für so ein Projekt. Aber insgesamt waren deutlich größere Summen für externe Fachleute aufzubringen. Da half der Arbeitskreis Technik- und Industriegeschichte in Hannover, kurz AK TIG. Der Diesel wurde kurzerhand zum Projekt erklärt und das Einwerben von Spenden konnte beginnen.
Der AK TIG hatte bereits gute Erfahrungen mit einem anderen Projekt gemacht: Die Rekonstruktion des ersten Motorflugzeugs der Welt von Karl Jatho, die Finanzierung eingeschlossen. Auch der Diesel wurde in ähnlicher Größenordnung veranschlagt, rund 150.000 Euro als Zielgröße festgelegt.
Über die Jahre fanden sich zahlreiche Unternehmer, Kleienspender und bekennende Hannoveraner. Anfang 2015 – der Diesel war bereits mehrfach im Einsatz erprobt – fehlten noch rund 60.000 Euro. Mit Hilfe zahlreicher weiterer Spender – zuletzt stieß Mr. Wash mit 10.000 Euro dazu – konnte bis zum Jahresende der Fehlbetrag nochmals mehr als halbiert, der Traum war schon fast Wirklichkeit geworden, ohne jegliche Zuschüsse.
Nun steigt ab 30. Januar bis 30. März im Luftfahrt-Museum in Hannover-Laatzen eine Ausstellung zu Elly Beinhorn. Die berühmte Pilotin aus Hannover, Jahrgang 1907, hat auch  nicht nur viele Träume gehabt, sonder die meisten davon realisiert. Die Dokumentation dieses Lebens ist nicht nur in der vom AK TIG organisierten Ausstellung zu sehen, sondern 2 Euro der Eintrittserlöse je Besucher tragen auch zum Abschluss des Dieselprojektes bei. Frei nach dem Motto, nicht nur selbst zünden, sondern auch selbst finanziert – ein Traum kurz vor der Realisierung.

❱❱ Mehr Informationen zum Projekt bei: Horst-Dieter Görg,
Hanomag IG e.V.,
Braunschweiger Straße 52,
31134 Hildesheim,
h-dieter.goerg@t-online.de,
www.hanomag-museum.de

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