Ich habe einen Traum von Humor
Momentan steht Robert Künzli in „Der Traumgörge“ – einer Oper von Alexander Zemlinsky – in Hannover auf der Bühne. Fotos: Landsberg/Jauk

Ich habe einen Traum von Humor

Robert Künzli – Tenor an der Staatsoper Hannover – hat eine Utopie: Er träumt von Humor als Waffe

Derzeit beschäftige ich mich intensiv mit Träumen. Vor allem auf der Bühne, denn in der Oper „Der Traumgörge“ von Alexander Zemlinsky – ein äußerst selten gespieltes Meisterwerk, das die Staatsoper Hannover gerade wiederentdeckt hat – geht es um einen weltabgewandten jungen Mann, der sich die Welt nach seinen eigenen Wünschen in seinen Träumen erschafft, dabei aber letztlich scheitert. Mit dem Träumen ist das ja so eine Sache. Erst ist da ein Wunsch, dann wird ein Traum daraus, schließlich eine Utopie, und was dann folgt, ist die Unmöglichkeit. Denn Utopien lassen sich nicht verwirklichen. Was mich nicht daran hindert zu träumen. Von einer Welt ohne Nationalitäten etwa. Im Namen des „Volkes“ sind in der Geschichte so viele Verbrechen verübt worden! Letztlich sind es ja immer ein paar Rädelsführer – wie im „Traumgörge“ –, denen dann alle anderen hinterherrennen. Und es mag banal klingen, aber es ist doch so: Es beginnt im Kleinen. Im Familienkreis etwa, in der Verwandtschaft. Da wird ein Zwist über Jahre hinweg ausgetragen. Das Schlimmste daran: Oft wird der Grund vergessen, der den Streit ursprünglich ausgelöst hat! Leider kann auch Religion Auslöser für Streit werden. Gegen Religion habe ich überhaupt nichts einzuwenden – obwohl sie zuweilen schon seltsame Blüten treibt, wie etwa bei uns in Kanada, wo ich seit Jahren lebe. Dort gibt es die gänzlich der Vergangenheit verhafteten Mennoniten, denen es untersagt ist, die Segnungen der modernen Zivilisation zu nutzen und die daher auf Strom und fließendes Wasser verzichten. Sie tragen noch altmodische Trachten und fahren in Kutschen durchs Land. Kein einfaches Leben!
In Kanada bin ich ganz bewusst aufs Land gezogen. Ich hätte mir damals auch direkt in Toronto eine Bleibe suchen können, wo ich studiert habe. Doch dann sagte ich mir: Beruflich bin ich ständig in den großen Städten der Welt wie Paris, München oder Berlin unterwegs, weshalb also auch in der Freizeit dort leben? Und so haben wir unser Heim westlich der Niagara-Fälle gefunden. Wahrscheinlich wurde mir das Globetrotter-Dasein schon an der Wiege gesungen. Geboren in Ramstein, wuchs ich in Graz auf und kam dann in die Schweiz. Mein dortiger Gesangslehrer war Kanadier, und so war die Brücke in die Neue Welt geschlagen. Heute lebe ich einen Teil des Jahres in Hannover, und den Rest bin ich entweder auf den Opernbühnen in der ganzen Welt unterwegs oder eben zuhause in Kanada. Hannover gefiel mir anfangs –1986 war ich zum ersten Mal hier – nicht so sehr, ich finde aber, es hat sich sehr zu seinem Vorteil verändert!
Generell halte ich Träumen für eine sehr gute Sache. Man sollte sich die Möglichkeit des Träumens, des Sich-Wunderns, des Staunens unbedingt bewahren! Das Schönste fände ich eine Welt, in der jeder Humor hat. Humor ist die beste Waffe gegen alles, gegen Intoleranz, Opportunismus, Feigheit. Vielleicht wäre das ja doch eine Utopie, an der wir alle zusammen arbeiten könnten?

Tenor Robert Künzli erhielt seine Ausbildung in Toronto (Kanada). Seit 2008 gehört er als festes Ensemblemitglied zur Staatsoper Hannover. Hier übernahm er Partien wie Tannhäuser, Siegfried in „Siegfried“ und Faust in „Mefistofele“. Momentan steht er in „Der Traumgörge“ – einer Oper von Alexander Zemlinsky – in Hannover auf der Bühne. Fotos: Landsberg/Jauk Portraitserie 


Tenor Robert Künzli erhielt seine Ausbildung in Toronto (Kanada). Seit 2008 gehört er als festes Ensemblemitglied zur Staatsoper Hannover. Hier übernahm er Partien wie Tannhäuser, Siegfried in „Siegfried“ und Faust in „Mefistofele“. Momentan steht er in „Der Traumgörge“ – einer Oper von Alexander Zemlinsky – in Hannover auf der Bühne.
Fotos: Landsberg/Jauk
Portraitserie

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.