Ich habe einen Traum von kreativen Kindern

Ich habe einen Traum von kreativen Kindern

Renate Dittscheidt-Bartolosch leitet Zinnober – das Kindermuseum Hannover an der Badenstedter Straße 48

Renate Dittscheidt-Bartolosch.

Renate Dittscheidt-Bartolosch ist Kunst- und Museumspädagogin. Sie ist Vorsitzende des Vereins „Zinnober – ein Museum für Kinder und Jugendliche in Hannover“.

Träume ich? Oder ist mein Traum schon Wirklichkeit?
Hier bin ich mitten im quirligen Treiben von Kindern und ja, auch Erwachsenen in einem großen, hellen, freundlich gestalteten Raum. Sie lachen und freuen sich. Sie spielen miteinander und entdecken die vielen Dinge und Details, die das Kindermuseum Zinnober und die Mitmach-Ausstellung „Schaffe, schaffe schöne Werke“ ihnen bietet. Ein Junge nimmt vorsichtig die kleinen Dinge aus den Schachteln der „Kindersammlung“, die Kinder einer Museums-AG mit uns vor der Eröffnung des Kindermuseums gesammelt haben. Sie sind seitdem in dem blau-orangefarbenen Schrank, den sie als lustiges Holzpferd selber gestaltet haben, ausgestellt. Und träume ich? Nichts davon ist abhanden, obwohl alles ausgepackt, angefasst und damit gespielt werden darf. Es ist alles für euch da, es ist euer Kindermuseum, ihr seid willkommen! Das verstehen alle Kinder, ihre Eltern, Großeltern und ihre erwachsenen Begleiter aus den Schulen und Kitas. Das ist schon ein Traum!
Ich schaue mich weiter um: Eifrig werden getrocknete Blüten gemörsert, die violette Farbe bestaunt, die sie hergeben. „Kann ich damit malen?“- „Aber klar, probiere es aus! Wenn du magst, hier auf der großen Leinwand.“  Lena vom Kindermuseumsteam bietet in der „Buchdruckerei“ an, den eigenen Namen mit alten beweglichen Drucklettern zu drucken. Nora webt mit den Kindern. „Die handgewebten Stoffe und Teppiche fühlen sich einfach so gut an! Es ist sehr schön bei ihnen.“ Eine Mutter lächelt mich an, obwohl ihr Kind nörgelt und nicht nach Hause gehen möchte. „Trinken Sie vielleicht einen Kaffee oder Tee, den gibt es umsonst, und lassen Sie Ihr Kind noch etwas spielen“, schlage ich ihr vor. Und dann kommen wir ins Gespräch über den mühsam Wirklichkeit gewordenen Traum unseres Vereins, in Hannover ein Kindermuseum auf die Beine zu stellen.
Und ich träume weiter: „Es könnte wachsen und mehr Raum erhalten, es könnte leichter sein, die Finanzierung zu sichern.“ Mein Blick wandert aus den Fenstern auf den großen leeren Platz, auf die alte Halle 1 und den hohen Schornstein auf der Rückseite des Gebäudes. Aber was ist das? Schon ist der Platz in einen blühenden Garten mit Spielwiesen, schattigen Bäumen und einladenden Sitzplätzen verwandelt. Die Tore der Halle stehen weit auf, Kinder und Erwachsene gehen ein und aus, eine Gruppe Jugendlicher schlendert zum kleinen Seitentor, aus dem fetzig rockige Musik ertönt. Die renovierte Halle 1 wird heute eröffnet. Sie ist ein Kulturhaus für alle Menschen geworden! Da will ich hin. Der Weg führt direkt hinüber. Schon stehe ich in der Halle in einem großartigen Kindermuseum. Vielmehr, in einem Museum für alle, in dem das Motto „Lernen mit Herz, Hand und Kopf“ gilt. Jeder Raum ist einem spannenden Thema gewidmet. Im zentralen Saal, der bis auf den letzten Platz gefüllt ist, erzählt Ingo Siegner den Kindern, den Eltern, den Großeltern von seinen klugen Bilderbuchgeschöpfen und zeichnet ihre Erlebnisse direkt aufs Papier. Nina Weger, unsere Schirmherrin, winkt mir zu, denn gleich beginnt nebenan die Zirkusschau der Kinder vom Zirkus Giovanni. Klar, so träume ich, diese große Halle bietet Platz für viele kulturellen Aktivitäten und Kulturvereine unter einem Dach. Fantastisch!
Aber vielleicht ist es für mich besser, hier und heute in der Wirklichkeit zu bleiben und im Kindermuseum Zinnober den zufriedenen Kindern und Erwachsenen zu zuschauen. Denn so bleibt mir Zeit, meinen eigenen, persönlichen Traum zu leben. Er gehört nur mir und wird nicht verraten.

Mehr Träume von Hannovers Prominenten finden Sie in der Serie „Ich habe einen Traum von…“ auf unseren Themenseiten.

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