Ich habe einen Traum von viel Zeit
Dieses Bild entdeckte Knut Diers am Werkhof in der Schaufelder Straße in der Nordstadt.

Ich habe einen Traum von viel Zeit

Neulich hatte ich einen Traum, ganz viel Zeit zu haben – und das vor Weihnachten! Ich saß abends noch nach 18 Uhr bei der Arbeit, die nächsten Reiseführer über Lüneburg und die Mittelweser müssen fertig werden. Sie sollen schließlich im Frühjahr erscheinen. Also ging ich zur Zeitsparkasse und hob ein paar Stunden ab. Als ich das Passwort eingegeben hatte, kam die Bedingung: Zeit abheben ging nur, wenn ich sie für ein Treffen mit Freunden ausgeben würde, nicht für noch mehr Arbeit. Ich war einverstanden.

Knut Diers (56), Journalist, Geograf und Reisebuchautor, zeigt in seinem „Hannover einfach Spitze“-Buch mit Augenzwinkern ein frisches Bild seiner Heimatstadt. Seine „Text-Manufaktur“ heißt Buenos Diers Media und produziert unterhaltsame Geschichten für jedermann sowie jetzt auch Krimis.

Knut Diers (56), Journalist, Geograf und Reisebuchautor, zeigt in seinem „Hannover einfach Spitze“-Buch mit Augenzwinkern ein frisches Bild seiner Heimatstadt. Seine „Text-Manufaktur“ heißt Buenos Diers Media und produziert unterhaltsame Geschichten für jedermann sowie jetzt auch Krimis.

Der Traum war dem Märchen „Momo“ entsprungen, das ich als Kind so liebte. 1973 erschien der Roman von Michael Ende. Und als grandiose Figur mit einem großen Ohr in den Händen sitzt Momo für jeden zum Anfassen auch in Hannover – am Ende der Lönsstraße im Zooviertel. Die hannoversche Künstlerin Ulrike Enders hat die Plastik für den Michael-Ende-Brunnen geschaffen. Ich bin bei den Recherchen für mein jüngstes Buch über meine Heimatstadt mit dem Titel „Hannover einfach Spitze – 100 Gründe, stolz auf diese Stadt zu sein“ auf Momo gestoßen. Ich setzte mich neben das Mädchen und erinnerte mich. Momo hatte Zeit zum Zuhören, daher das Riesenohr als Symbol.

Dabei sind in dem Märchen graue Herren mit dicken Zigarren dabei, den Menschen unterzujubeln, sie müssten Zeit sparen und sie in die Zeitsparkasse einzahlen. Dann gäbe es Zinsen, und später hätten sie noch mehr Zeit. Dabei vergessen die Menschen, im Jetzt zu leben. Ihnen wird also in Wirklichkeit Zeit gestohlen. Tage und Wochen werden kürzer. Die Zeit rinnt nur so dahin, wie jetzt vor Weihnachten, wo alles noch erledigt werden soll. Ganz schnell!

Im Märchen schreitet der geheimnisvolle Verwalter der Zeit, Meister Hora, schließlich ein und hält die Zeit an. Darauf können wir natürlich lange warten – außer, wenn wir es selbst tun. Zeit zu haben für andere und für mich, das ist nicht nur mein Traum, sondern mein tiefer Wunsch.

Zu selten mache ich mir klar: Uns wird die Zeit ja geschenkt. Jeder hat jeden Tag wieder aufs Neue 86.400 Sekunden Zeit. Aber wie jeder diesen nachwachsenden Rohstoff einsetzt, das muss er oder sie ständig neu entscheiden. Niemand kann Zeit aufsparen. Das hat mir ein weiterer Ort bei meinen Streifzügen für das „Hannover einfach Spitze“-Buch gezeigt. Am Werkhof in der Schaufelder Straße der Nordstadt steht auf einer farbig bemalten Wand: „Zeit haben ist keine Zeitfrage.“ Ich hielt wieder inne. Dieser Satz macht mich tatsächlich stolz auf diese Stadt und ihre Menschen. Wir sind es, die über unsere Zeit entscheiden und wie wir sie verbringen. Wofür aber nehmen wir uns Zeit? Jetzt? Morgen? Für wen? Wissen Sie es schon?

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