Indien im Herzen, daheim in Hannover
Surendra Batra und seine Frau Sigrun sind seit fast 50 Jahren verheiratet. Zu Konflikten haben die kulturellen Unterschiede in ihrer Ehe nie geführt. Foto_ Wallmüller

Indien im Herzen, daheim in Hannover

Schwer gefallen ist ihm die Entscheidung, in Deutschland zu bleiben, nicht. Dabei hatte Surendra Batra zunächst ganz andere Pläne. Er war nach Aachen gekommen, um Elekrotechnik zu studieren. „Nach spätestens drei Jahren wollte ich in mein Heimatland Indien zurückkehren“, erinnert er sich. Das ist jetzt 50 Jahre her: Surendra Batra ist geblieben und hat in Hannover seine neue Heimat gefunden.

Bei einem indischen Musik­abend in der Universität in Aachen lernte er seine Frau Sigrun kennen, 1967 heirateten sie. „Wir hätten uns auch vorstellen können, gemeinsam in Indien zu leben. Die Familie meines Mannes hat mich unglaublich herzlich aufgenommen“, erinnert sich Sigrun. Doch in Indien waren die beruflichen Möglichkeiten für den studierten Elektrotechniker zu dem Zeitpunkt schlecht. Als er bei Siemens in Frankfurt eine Stelle als EDV Systemanalytiker fand, stand die Entscheidung für das Paar deshalb schnell fest.

Es fiel Surendra nicht schwer, sich einzuleben. „Ich wurde sehr freundlich aufgenommen“, sagt er. Bis heute erinnert er sich an eine Box im Sekretariat der Universität. Darin waren Zettel mit den Kontaktdaten von Familien, die einen ausländischen Studenten zu Weihnachten einladen wollten: „Man konnte sich einen Zettel ziehen und die Feiertage bei der Familie verbringen.“ Auch die Gemeinschaft mit anderen indischen Studenten in Aachen hat ihm bei der Eingewöhnung geholfen. Dort gab es eine große indische Studentenvereinigung mit etwa 400 Mitgliedern. Sie haben regelmäßig kulturelle Veranstaltungen organisiert.

„Die einzige große Schwierigkeit war für mich am Anfang die Sprache“, erinnert sich Surendra. Vor seiner Ankunft in Aachen konnte er noch kein Wort Deutsch. Doch aufzugeben kam für ihn nicht in Frage. „Während des Studiums habe ich statt der erforderlichen vier sogar 16 Deutsch-Prüfungen abgelegt“, erinnert er sich. Seine vielfältigen Sprachkenntnisse nutzt der 77-Jährige bis heute. Er übersetzt und dolmetscht beispielsweise für die Polizei und für Gerichte. Denn neben Deutsch und Englisch spricht er fließend Hindi, Punjabi und Urdu.

Surendra und Sigrun Batra fühlen sich beiden Ländern und Kulturen verbunden. „Es gibt zwei Dinge, die eigentlich fast alle Inder vermissen, die im Ausland leben: Das indische Essen und die indische Musik“, sagt Surendra. Seine Frau widerspricht schmunzelnd: „Das Essen kannst du doch eigentlich gar nicht vermissen. Du kochst doch selbst so gut indisch.“

Und auch indische Musik, Tanz und Kunst haben sich die beiden ein Stück weit nach Deutschland geholt. Während ihrer Zeit in Hamburg haben sie einen indischen Kulturverein mitgegründet und die Indische Woche ins Leben gerufen, die bis heute alle zwei Jahre in Hamburg und einigen anderen deutschen Städten veranstaltet wird. „Es war uns wichtig, auch anderen die indische Kultur näherzubringen“, so Sigrun.

In einem Kulturverein sind die beiden nicht mehr aktiv, doch sie engagieren sich weiterhin ehrenamtlich. Seit etwa 20 Jahren sind sie in dem Verein zur Förderung indischer Kinder aktiv. „Wir sammeln Geld, um Schulen in Indien zu unterstützen“, so Surendra. Er reist fast jährlich nach Indien. Seine Frau begleitet ihn so oft wie möglich. Sie treffen dann nicht nur Familie und Freunde, sondern besuchen auch die Projektschulen.

„Soziales Engagement ist uns beiden sehr wichtig. Das verbindet uns“, sagt Sigrun. Seit fast 50 Jahren ist sie mit Surendra verheiratet. Zu Konflikten haben die kulturellen Unterschiede in ihrer Ehe nie geführt. „Bei der Kindererziehung hatten wir schon manchmal unterschiedliche Vorstellungen. Aber ich denke, das ist ganz normal und ist in fast allen Familien so“, sagt sie.

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