Integration ist eine Daueraufgabe
Haben Spaß am Fußball: Die Ballgruppe der Gesellschaft für integrative Behindertenarbeit (GiB) kickt jeden Mittwoch auf der Anlage des SV Borussia. Foto: dik

Integration ist eine Daueraufgabe

Neue Sport-Projekte beim SV Borussia Hannover binden vor allem Flüchtlinge und Behinderte mit ein

Von Dieter Kösel
Sahlkamp/Vahrenheide. Borussia Hannover, gegründet 1895, ist ein gutes Beispiel dafür, dass Tradition und Veränderung keine Gegensätze bilden und, wollen die Vereine überleben, sich nicht ausschließen dürfen. Dem Klub am Großen Kolonnenweg 31 gehören etwa 400 Mitglieder an. In der Fußball-Jugend­abteilung haben 80 bis 90 Prozent der Spielerinnen und Spieler einen Migrationshintergrund. „Integration ist eine Daueraufgabe für uns“, weiß Borussias Vorsitzender Dieter Schwulera. Drei Projekte belegen, dass Borussia dem gewachsen ist.
Schon seit Jahren läuft bei der Borussia das mit vielen Preisen ausgezeichnete Projekt „Soziale Integration von Mädchen durch Fußball“ in enger Zusammenarbeit mit der Fridtjof-Nansen-Schule. Damit ist der Sportverein zum Vorreiter für landesweit mittlerweile mehr als 100 ähnliche Projekte wie „Integration von Migrantinnen in den Mädchen- und Frauenfußball“ beim TSV Bemerode geworden. Ziel ist es, den Mädchen Selbstbewusstsein durch die Freude am Sport zu vermitteln. In dieses Projekt wird auch versucht, die Eltern einzubinden.
Derzeit gibt es drei Mädchen-Arbeitsgemeinschaften an der Schule, die von Borussen geleitet werden. Die Teilnehmerinnen sollen natürlich nach Möglichkeit den Weg vom Schul- in den Vereinssport finden. Und so freut sich Dieter Schwulera, dass in der kommenden Spielzeit eine der Gruppen als Mannschaft am Spielbetrieb teilnehmen wird.
Seit dem Dezember 2014 hat sich eine Kooperation mit der gemeinnützigen Gesellschaft für integrative Behindertenarbeit (GiB) entwickelt. Greenkeeper Michael Achnitz hatte eine Gruppe geistig und körperlich behinderter Menschen beim Spaziergang erlebt und sich gedacht, Bewegung und Sport seien auf der gepflegten Anlage seines Klubs besser möglich. Eine Kontaktaufnahme erfolgte über die SPD-Bundestagsabgeordnete Kerstin Tack.
Seitdem kicken die behinderten Beschäftigten der Tagesförderungsstätten Vahrenwald und Bothfeld mittwochs bei der Borussia. Ein gemeinsames Sommerfest mit vielen Aktionen erwies sich als Volltreffer und zeigte einmal mehr, dass Inklusion auch im Sport möglich ist. „Das war ein gelungener Nachmittag“, freut sich Borussias Vorsitzender. Die Zusammenarbeit soll weiter ausgebaut werden, ein weiteres Sommerfest im nächsten Jahr veranstaltet werden. „Wir würden gerne eine zweite Gruppe für den Boule- oder weitere, jedoch kleinere Gruppe im Ball-Bereich einrichten, aber dafür würden wir ehrenamtliche Unterstützung benötigen“, erklärt Andrea Sewing, Leiterin der Tagesförderungsstätten.
In Vahrenheide gibt es aktuell zwei Unterkünfte für Flüchtlinge am alten Flughafen und Reiterstadion. Im November des vergangenen Jahres hatten der Stadtbezirksrat Bothfeld-Vahrenheide und Integrationsbeirat zu einem Treffen im Kulturtreff eingeladen. Mehr als 100 Interessierte berieten über Unterstützungsmaßnahmen. Seit dem 1. März spielen etwa 20 bis 30 Flüchtlinge bei der Borussia Fußball. In die Jugendteams sind Kinder aus Flüchtlingsfamilien integriert.
„Dies soll helfen, dass den jungen Männern nicht die Decke auf dem Kopf fällt und Abwechslung in ihren Alltag bringen“, erklärt Dieter Schwulera. Ein Sportlehrer leitet das Training ehrenamtlich. Ein Spendenaufruf bei den Mitgliedern sorgte dafür, dass die Spieler mit Sportsachen ausgestattet werden können und eine Art „Kleiderkammer“ eingerichtet werden konnte. Einzig gut erhaltene Sport- und Fußballschuhe werden weiterhin gesucht. Spenden sind willkommen.

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