Interview: Buzz Aldrin im Gespräch
Er wird ewig die Nummer Zwei bleiben - Buzz Aldrin, nach Neil Armstrong der zweite Mann auf dem Mond. Aber damit gehört er dem exklusivsten Club der Welt an - dem Club der Moonwalker, der neben Aldrin und Armstrong nur noch zehn weitere Mitglieder hat. Zum 40jährigen Jubiläum der ersten Mondlandung (Apollo 11) am 21. Juli 1969 kam am Donnerstag, 29. Januar, mit „Im Schatten des Mondes“ ein Dokumentarfilm in die Kinos, der die Mondmissionen der NASA zum Thema hat und diese in eindrucksvollen und teilweise bislang noch nie gezeigten Bildern aus den NASA-Archiven auferstehen lässt. Im Rahmen der Hamburger Filmpremiere sprachen hallo Sonntag-Mitarbeiterin Annette Hartmann und -Redakteur Clemens Niehaus mit dem 79jährigen Buzz Aldrin, der wortreich aus seinem Leben plauderte.
Mr. Aldrin, Sie sind nicht das erste Mal in Deutschland, richtig?
Buzz Aldrin: Nach Abschluss der Militärakademie in Westpoint hatte ich Zeit, bevor ich zum Flugtraining nach Florida musste. Ich beschloss nach Europa zu gehen - mich hat die Besatzung interessiert, die Grenze zwischen Ost und West. Ich war in Frankreich, in Deutschland und in Österreich. Ich war nicht in Berlin - aber in Frankfurt. In Wien bin ich an einem russischen Hotel vorbei gekommen, und die russischen Bewacher standen davor - und da bin ich in meiner Air Force Uniform vorbeimarschiert - eine sehr ungewöhnliche Situation.
Ja, und dann war ich in Graz, der Partnerstadt meiner Heimatstadt Montclair
Mit 50 Jahren habe ich entscheiden, dass ich unbedingt Ski fahren lernen müsste und bin nach Gstaad und Kitzbühel gegangen. Aber ich war nicht sehr erfolgreich - 5 Jahre später habe ich meine Frau Lois getroffen, sie ist eine großartige Skiläuferin. Und da haben wir einen "Ehevertrag" geschlossen: ich verbessere meine Skitechnik und sie lernt tauchen.
Warum mussten wir 40 Jahre auf einen Film "wie Im Schatten des Mondes" warten?
*überlegt* Sehen Sie, es gab eine Menge Sachen, damals in den 60er und 70er Jahren. Natürlich gab es viel Interesse, an dem, was wir gemacht haben und eine große Aufregung um alles. Aber kurz danach gab es schon die zweite Mondlandung - Ich habe damals meinen Fernseher ausgemacht, ich wollte nicht sehen, dass da jemand anderes auf dem Mond herumläuft *lacht* und dann gab es andere Dinge, den Krieg in Vietnam, Woodstock, die Hippiebewegung, Drogen und so weiter. Die Leute hatten einfach andere Interessen.
Was ist denn die Hauptbotschaft des Filmes, warum sollten die Leute sich heute, 40 Jahre später, wieder damit beschäftigen?
Sie sollten in den Film gehen, um zu verstehen, warum wir nicht so versessen darauf sein sollten, wieder zum Mond zu fliegen - denn wir waren ja schon da. Wir sollten anderen helfen, den Weltraum zu erkunden und andere Ziele haben, auf eine kooperative Art und Weise. Die Mond Mission hilft uns auf dem Weg zum Mars.
Wie fühlt es sich an, auf dem Mond gewesen zu sein? Wenn sie z.B. nachts hochblicken, den Mond sehen - was empfinden sie dann?
Schauen Sie, ich bin Techniker, kein Poet, kein Philosoph. Ich kann es Ihnen auf meine Art sagen, in technischen Ausdrücken - aber nicht vermitteln, wie sie es empfinden würden. Als die Entscheidung für die Mond Mission gefallen ist, sagte Präsident Eisenhower: "Ich will Erfolg" und man entschied deshalb, Testpiloten hoch zuschicken und keine Dichter. Wir haben eben das gemacht, wofür wir ausgebildet sind.
Hat es Ihnen eigentlich etwas ausgemacht, dass sie immer nur der "Zweite" waren, der den Mond betreten hat?
Nun, die Mondlandung sind keine Olympischen Spiele. Es ging nicht um Gold Silber oder Bronze. Was mich traurig macht, ist, dass die Öffentlichkeit immer wieder betont hat, was der Commander so festgelegt hatte. Die große Expedition (1804 - 1806, von St. Louis zur Pazifikküste und wieder zurück, knapp 13.000 Kilometer, Anm. d. Red.) wurden doch auch von Lewis und Clark gemacht - nicht von Lewis, nicht von Clark, sondern von Lewis und Clark. Apollo 11 - das waren nicht der erste oder zweite - das waren wir drei: Armstrong, Aldrin und Collins. Ja, ich bin unglücklich darüber, dass in der Öffentlichkeit, in den Medien immer so herausgestrichen wird. Es war eine große Ehre, dabei gewesen zu sein - und die Medien ignorieren die anderen Teilnehmer und sprechen nur von dem ersten.
Ich bin nicht sauer deswegen. Aber in gewisser Weise bedauere ich, überhaupt bei der allerersten Mondlandung dabei gewesen zu sein - denn die bekam alle Aufmerksamkeit ab. Das hat mein Leben total verändert und nicht unbedingt zum Besten.
Nach der NASA bin ich zurück zur Luftwaffe - aber es hat nicht so geklappt, wie ich mir das vorgestellt hatte. Ich war 44 - und hatte nichts anderes gelernt. Ich bekam Depressionen und Probleme mit Alkohol - ich musste versuchen, Geld zu verdienen, mit dem was ich konnte. Sehr viel Geld ging für meine Scheidung drauf - na ja, jetzt muss ich meine Rente mit Vorträgen aufbessern.
Was für ein Gefühl war es, auf dem Mond herum zu laufen?
Oh, es war eine große Ehre .
Okay - aber was war es für ein Gefühl?
Okay, geben sie mir vier Möglichkeiten, und ich sag Ihnen, welche meinem Gefühl am nächsten kommt. Es ist total schwierig - sehen Sie, sie können nicht feiern, dass sie gerade auf dem Mond rumlaufen - der Rückweg liegt ja noch vor Ihnen. Ein sicherer Rückweg heißt, der Fallschirm muss sich öffnen - wenn er sich nicht öffnet, fällst du ungebremst aufs Wasser .
Also gab es schon auch Ängste?
Sehen Sie, ich war in Korea, ich flog in einer Kompanie, der Kamerad neben mir wurde runtergeholt, der rechts neben mir auch - ich flog in eine andere Formation rein und wusste nicht, wer das ist, wir flogen einen Kreis und dann Richtung Norden, wo wir auf keinen fall sein sollten - ich geriet in ernsthafte Schwierigkeiten, weil ich mich Leuten anschloss, die ich nicht kannte.
Mr. Aldrin, Sie haben ja einige Tage im All verbracht - natürlich muss man zwischendurch auch mal ein paar Stunden schlafen - können Sie sich erinnern, was Sie damals geträumt haben?
Es waren irgendwie unbestimmte Träume, naiv und auch irgendwie dumm. Ich war in ungewöhnlichen aber nicht herausfordernden Situationen - ich weiß nicht, was ich im früheren Leben war - aber wenn ich in der Luft war, kristallisierte sich in den Träumen eine Art Bewusstsein dafür heraus - aber das war letztendlich auch nicht sehr hilfreich.
Sie haben die ShareSpace Foundation, eine Organisation, die den Weltraumtourismus fördert, gegründet. Was ist ihre Vision?
Meine Idee war, auch andere Menschen als Fachleute, wie Piloten da hoch zu bringen - ich fand, dass der Ausdruck "Tourismus" dafür gut passt. Und dann fragte mich mal jemand, warum macht ihr nicht einfach eine Lotterie? Und ich dacht, ja, das ist eine gute Möglichkeit. Es soll nicht so sein, dass nur Leute mit dicken Brieftaschen diese Möglichkeit bekommen. Wir wollen den Weltraum mit möglichst vielen Leuten teilen.
Und ich habe gelernt, dass man die Medien dazu braucht - Medien sind an zwei Sachen interessiert: Unterhaltung und Quoten. Du musst den Leuten was Interessantes bieten, das ist dann Unterhaltung - und je mehr Unterhaltung, desto bessere Quoten. Aber wenn jemand nur sagt: ich will die Öffentlichkeit informieren - das ist dann weder das eine noch das andere. So lernt man, was man idealistisch erhofft und realistisch machen kann.
Wann haben Sie Ihre Kollegen Neil Armstrong und Mike Collins eigentlich das letzte Mal getroffen?
Mike lebt jetzt an der Westküste von Florida, da geht er fischen und malt Aquarelle. Wir waren zusammen in Alaska, Lachse fangen- und eigentlich ist Mike der Profi-Fischer von uns - aber er zog einen raus, der kaum 30 cm groß war und ich habe einen Riesenfisch geangelt *lacht* Neil habe ich beim 50. Geburtstag der NASA gesehen in Washington, im Dezember war der 40. Geburtstag von Apollo acht, da war er auch - und ich hoffe, dass wir uns alle wieder sehen, zum Jahrestag der Mondlandung
Nachdem sie auf dem Mond waren - gibt es da eigentlich noch eine Herausforderung? Oder ist alles andere langweilig geworden?
Nein. Ich war am Nordpol mit einem russischen Nuklear Eisbrecher und ich habe die Möglichkeit, mit einem Unterseeboot zu tauchen und die Titanic zu sehen - aber ich werde wohl nicht den Mount Everest besteigen.
Wenn Sie noch einmal die Möglichkeit hätten, auf den Mond zu fliegen - würden Sie es machen?
Jeder, der da oben war, würde es noch einmal machen. Aber meine Aufgabe ist es jetzt doch, am Boden zu bleiben und für zwanzig, dreißig Jahre in die Zukunft zu denken.
