Interview: Emanuel Pogatetz im Gespräch
Nein, Abstiegskampf wollen wir nicht mehr erleben müssen. Einer, der dazu einen wesentlichen Beitrag leisten könnte, ist Emanuel Pogatetz. Der Abwehrspieler könnte helfen, dass Hannover 96 in der kommenden Saison deutlich weniger Gegentore kassiert als 67. Das war letzte Spielzeit negativer
Rekord in der 1. Bundesliga.
Pogatetz wurde am 16. Januar 1983 in Graz geboren. Und vielleicht erklärt dies auch seine Durchsetzungsfähigkeit, denn die Steiermark gilt als die ärmste Region Österreichs. Wer dort etwas erreichen will, der benötigt schon einen starken
Willen und muss sich behaupten können. Der Grazer zählt zu seinen sportlichen Stationen Bayer Leverkusen, FC Aarau, Grazer AK und Spartak Moskau. Von 2005 bis zu diesem Jahr spielte er mit dem FC Middlesbrough in der englischen Premier League und stieg mit dem Klub vor zwei Jahren ab. Seit 2002 ist er in der österreichischen Nationalmannschaft aktiv und wurde 2009 Kapitän.
Hallo Wochenblatt-Mitarbeiter Dieter Kösel sprach mit Emanuel Pogatetz vor der Abreise der Roten ins Trainingslager nach Bad Radkersburg in seiner Heimat.
hallo Wochenblatt: Was sprach für 96?
Emanuel Pogatetz: Erst einmal die Bundesliga als eine neue Herausforderung. Die Liga verbessert sich ständig, das war einer der Gründe, warum ich nach Deutschland wollte. Zweitens hat bei 96 das Gesamtpaket mit Sportdirektor
und Trainer gestimmt, dass letzte Saison noch die Klasse gehalten wurde. Da ist
noch einmal ein Ruck durch die Region gegangen. Diese positive Grundstimmung hat mir sehr gut gefallen, deshalb habe ich mich für 96 entschieden.
Ihre bisherigen Eindrücke?
Spieler und Trainerteam sind mit sehr viel Ehrgeiz und in jedem Training mit
Herzblut dabei. Die Einstellung ist sehr professionell, aber auch der nötige Spaß fehlt nicht. Es bereitet mir sehr viel Freude, hier zu arbeiten.
Auf welcher Position sehen Sie sich?
Ich habe bisher in allen Testspielen in der Innenverteidigung gespielt und denke, dass der Trainer dort mit mir plant.
Obwohl Mario Eggimann ja jetzt erst aus dem WM-Urlaub zurückkommt?
Natürlich, da muss man erst einmal abwarten. Es ist ganz klar, dass es immer Konkurrenzkampf gibt, aber das liegt schlussendlich am Trainer, wen er auflaufen lässt und wen nicht.
Sie haben mit 17 Ihren ersten Profivertrag bekommen, wechselten mit 18 zu Leverkusen. Kam Bayer zu früh?
Nein. Natürlich war ich damals enttäuscht, dass ich bei Bayer überhaupt nicht zum Zuge gekommen bin. Mit Abstand kann ich sagen, dass es für mich sehr
lehrreich war, vor allem die Professionalität dort, auch die anderen Spieler im Training beobachten zu können. Wir hatten wirklich tolle Spieler. Anfangs war es frustrierend für mich, weil ich mir mehr erwartet hatte, insgesamt war es ein sehr wichtiger Schritt für mich und meine Karriere.
Sie wurden von Bayer ausgeliehen, hätten Sie das nicht einfacher haben können?
Leverkusen war trotzdem wichtig für mich, um den Standard zu sehen, wo ich hinkommen wollte, was von einem Spieler erwartet wird, will man auf höchstem
Niveau spielen. Die Ausleihstationen waren wichtig, um Spielpraxis zu bekommen und mich weiterzuentwickeln
Dann kamen fünf Jahre FC Middlesbrough. Die dürften prägend gewesen sein?
Auf jeden Fall. Middlesbrough ist mir sehr ans Herz gewachsen, die Region, die Fans, der Verein. Es tat mir sehr Leid, dass wir letzte Saison den Wiederaufstieg nicht geschafft haben, ansonsten wäre ich noch dort. Die Karriere ist doch sehr kurz und länger als zwei Jahre in der zweiten Liga zu spielen, konnte ich mir nicht vorstellen. Das waren schöne Jahre für mich, obwohl wir aus der Premier League abgestiegen sind, was sehr schlimm war.
Was ist das Besondere am englischen Fußball?
Ich glaube, dass sich die deutsche Bundesliga sehr gut entwickelt und längerfristig die Premier League überholen wird. Aber die Premier League hat ihr Flair auf Grund der Stadien, der Atmosphäre und Spielweise mit hohem Tempo und vielen Zweikämpfen, der Mentalität, die ein wenig anders ist als hier. Es gibt viele Gründe, warum es Spaß bereitet, auf der Insel zu spielen.
Sie spielen seit 2002 Nationalelf und sind nun Kapitän. Persönlich eine Erfolgsgeschichte, aber sportlich?
Unsere Erwartungen sind immer sehr hoch. Wir sind manchmal auch unter Wert geschlagen worden, aber über die Gesamtzeit ist es sicher kein Zufall, dass wir uns so gut wie nie für große Turniere qualifizieren konnten. Wir haben uns jetzt jedoch kontinuierlich verbessert und viele junge Spieler mit Potenzial. Künftig werden schon Überraschungen möglich sein.
Fußball ist nicht alles. Bleibt Zeit für Hobbys?
Zurzeit nicht durch die Vorbereitung und Organisation des Alltags wie Wohnung und Behördengänge. Wenn alles eingespielt ist, nehme ich mir schon die Zeit für Theater oder Musical, ein gutes Buch. TV schaue ich bis auf Fußball nicht so gern, das lohnt sich nicht.
Ihre Erwartungen an kommende Saison?
Dass wir besser als letzte Saison abschneiden, muss drin sein. Ich hoffe für unser Team, dass wir weniger Gegentore bekommen.
