Interview: Frank Elstner im Gespräch

von Clemens Niehaus | am 02.06.2010 | 743 mal gelesen | 1 Bild
Frank Elstner bei "Tietjen und Hirschhausen"

Wer von den älteren Lesern erinnert sich nicht noch an die „Montagsmaler“, „Spiel ohne Grenzen“, moderiert damals von Frank Elstner. Derselbe Frank Elstner, der 1981 das Flagschiff der Fernsehunterhaltung, „Wetten, dass…“, erfand. Die Moderation der Sendung übertrug er nach 1987 an Thomas Gottschalk. Anfang 2010 gab Elstner die Moderation von „Verstehen Sie Spaß“ an Guido Cantz ab. Am 28. Mai war Frank Elstner zu Gast in der NDR-Talkshow „Tietjen und Hirschhausen“ – zuvor sprach er mit hallo Sonntag-Radakteur Clemens Niehaus



hallo Sonntag: Herr Elstner, sie sind der Grand Seigneur der Fernsehunterhaltung. Ihr größter Wurf “Wetten dass ...” läuft und läuft und läuft. Verfolgen sie noch regelmäßig, was aus ihrem “Baby” geworden ist, oder haben sie es in die Volljährigkeit entlassen?

Frank Elstner:
Natürlich verfolge ich das. Ich hab jetzt die Sendung aus Mallorca gesehen, die hat mir ganz wunderbar gefallen. Es war eine hervorragende Kulisse, toll gemacht, gut inszeniert, sehr lustige Wetten. Und eine Traumwette mit der jungen schönen Frau, die die dicken Reifen als Hullahoop-Reifen genutzt hat - also rundherum gelungen.

Reizt sie das nicht, soetwas noch einmal selber zu machen?

Nein, um Gottes willen. Wenn ich mich mal von etwas verabschiedet habe, dann hab ich mich von etwas verabschiedet. Da habe ich den Kopf dann frei für andere Sachen.

Aber als sie sich davon verabschiedet haben, konnte man ja nicht absehen, dass das so ein Dauerbrenner werden würde.

Das dürfen sie nicht sagen. Das konnte man sehr wohl absehen. Ich habe das sechs Jahre lang gemacht und die Quoten sind bis heute nicht eingeholt worden.

Jetzt haben sie auch “Verstehen Sie Spaß” an Guido Cantz abgegeben - wann entscheiden Sie, wann Sie eine Sendung abgeben?

Es gibt bei mir eine Gesetzmäßigkeit, die ich zwar als solche nie empfunden habe, aber die ich im Rückblick einfach erkenne: Ich habe meist nach sechs Jahren eine Pause gemacht. Ich habe sechs Jahre “Spiel ohne Grenzen” gemacht, dann habe ich sechs Jahre “Montagsmaler” gemacht, dann habe ich sechs Jahre “Wetten, dass …” gemacht und bei “Verstehen Sie Spaß” waren es schon sieben Jahre - es war also höchste Eisenbahn.
Es gibt verschiedene Gründe, aufzuhören. Wenn die Spannkraft für mich selber raus ist, wenn ich selber nicht mehr neugierig genug bin, wenn ich das Gefühl habe, ich will mal in einer anderen Mannschaft spielen, wenn ich einfach das Gefühl habe, das Ding läuft, es läuft rund, jetzt ist es ok,jetzt kann es auch ein anderer machen.

Sie moderieren jetzt aber schon seit zehn Jahren “Menschen der Woche” im SWR. Was macht für Sie den Reiz der Sendung aus?

Ja, das ist aber was anderers, das ist keine Show, das ist eine Talkshow, die ich hoffentlich noch zehn Jahre machen kann. Es macht mir wahnsinnig Spaß, interessante Menschen auszufragen – ich bin ja von Haus aus Journalist. Und das ist eigentlich meine Lieblingssendung – immer gewesen und wird es auch immer bleiben.

Sie machen jetzt auch Sendungen wie “Die große Show der Naturwunder” und “Das Quiz der Tiere” – eher Sendungen mit “Lerneffekt”. Fehlen solche Sendungen im deutschen Fernsehen?

Das kann man so sagen, ja. Aber die Frage kommt von Ihnen etwas spät, deswegen haben wir die Sendungen ja gemacht, damit es nicht fehlt *lacht* Es ist für meine Begriffe etwas besonders Gelungenes in der Unterhaltung, wenn man etwa macht, über das sich die Menschen amüsieren und das trotzdem Inhaltswerte hat. “Die große Show der Naturwunder”, die ja auf dem Bionik-Prinzip basiert, zeigt eben, wie wir Wissenschaftler finden können, die aus der Natur etwas abgucken, wovon wir alle etwas haben. In den letzten Jahren sind so viele Entdeckungen gemacht worden, so dass sich unser Leben unglaublich verändern wird.

Was vermissen Sie im deutschen Fernsehen, was würden Sie gerne sehen?

Also ich vermisse ein bisschen die Fortsetzung meiner Serie “Die stillen Stars”. Ich habe 138 Nobelpreisträger interviewt, war bei ihnen zu Hause, war bei ihnen in den Labors und ich würde diese Serie gerne wieder aufleben lassen. Da verhandeln wir im Moment, aber es ist nicht so einfach, einem Sender ein Programm anzubieten, mit dem man nicht von vornherein riesen Einschaltquoten kriegt.

Der Quotendruck ist also da?

Der Quotendruck ist immer da – das ist ja auch gut so, sonst würden sich viele nicht genug anstrengen.

Da gibt es dann aber auch weniger Experimente...

Das stimmt. Aber das ist der Lauf der Welt.

Letzte Frage: Wenn sie fernsehen, was sehen sie sich da an?

Wenn sie eine aktuelle Sendung machen, wie ich mit “Menschen der Woche” – jeden Samstag eine Talkshow über 70, 80 Minuten, dann müssen sie informiert sein. Also gucke ich mir alle Programme an, die mit Information zu tun haben. Und ich gucke mir gerne Günther Jauch an, “Wer wird Millionär”. Wenn unserer Schwiegermutter zu Hause ist, dann raten wir um die Wette.

Herr Elstner, vielen Dank für das Gespräch.

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