Interview: Ina Menzer im Gespräch
Ina Menzer verlor Anfang Juli nach 26 Siegen in Folge ihren ersten Profikampf und ihre drei Weltmeistergürtel. Bei „Tietjen und Hirschhausen“ erzählt die sympathische Boxerin von der Niederlage. Zuvor traf sie sich mit hallo Sonntag-Reakteur Clemens Niehaus zu einem Gespräch.
hallo Sonntag: Du bist angekündigt worden als Weltmeisterin, inzwischen musstest du deine drei Titel verteidigen und hast gegen deine Herausforderin Jeannine Garside eindeutig nach Punkten verloren. War dir im Laufe des Kampfes klar, dass das eine ganz enge Kiste werden würde?
Ina Menzer: Ich hatte schon so etwas gemerkt. Die ersten zwei, drei Runden waren in Ordnung. Ich brauche immer meine Zeit, bis ich in einen Kampf reinkomme. Aber so die vierte, fünfte Runde, da habe ich gemerkt, dass das irgendwie nicht so mein Ding war. Ich konnte die Linie nicht finden und als die zehnte Runde vorbei war, habe ich sowas geahnt.
Als der Ringrichter euch beide an der Hand hatte, sahst du auch nicht mehr siegesgewiss aus...
Da wusste ich auch schon, dass ich verloren hatte, das hatte mir mein Mann vorher schon gesagt.
Die Bedingungen für den Kampf waren aber auch nicht ganz optimal, oder?
Ja, es gab keine Klimaanlage in der Halle und es war schon sehr heiß. Aber das soll jetzt keine Entschuldigung sein, meine Gegnerin hat ja genau unter denselben Bedingungen geboxt.
Was ist dir da durch den Kopf gegangen, als du gemerkt hast, dass das nicht so dein Tag war, dass es nicht so läuft wie geplant?
Ich war enttäuscht. Ich zieh mich dann selber runter, wenn ich merke, es läuft nicht so wie es soll. Ich ärgere mich dann über mich selbst und dann schaffe ich es erst recht nicht, meine Linie zu finden. Ich hatte es schon geahnt und kann es auch nicht mehr ändern. Die Welt geht jetzt davon auch nicht unter. Aber ich war einfach enttäuscht in dem Moment – von mir selber.
Das war deine erste Niederlage in deiner Profilaufbahn. Man sagt ja, dass Niederlagen einen auch stark machen können und helfen können, sich wieder neu zu motivieren. Wie gehst du jetzt damit um?
Also ich hätte die Niederlage jetzt nicht gebraucht, um mich zu motivieren *lacht*. Ich war an dem Abend nach dem Kampf ganz unten mit meiner Stimmung und total demotiviert. Als ich aber gehört hatte, dass mein achtjähriger Neffe hat nach dem Kampf gesagt hat: „Ja, na und? Die Klitschkos haben auch mal verloren“. Da ist mir das Herz aufgegangen als ich das gehört habe. Ich fand das süß und das hat mir an dem Abend die Stimmung gerettet. Und ich dachte ‚recht hat er, der Kleine‘.
Wie ist das für dich, wenn deine ganze Familie am Ring sitzt?
Ich bekomme das meist gar nicht mit. Aber ich weiß natürlich, dass sie da sind. Mir passt es zwar nicht, dass meine Mutter dabei ist, denn ich weiß, wie sie leidet. Aber sie lässt sich nicht davon abbringen, hinzugehen.
Deine Narbe über dem Auge ist noch frisch, und du sahst auch ziemlich verbeult aus – wie eitel darf man als Boxerin sein?
Also Eitelkeit und Boxen, das passt natürlich nicht wirklich zusammen. Außerhalb des Ringes bin ich aber schon sehr eitel. Aber wenn ich in den Ring gehe, sind mir die möglichen „Verletzungen“ *überlegt* egal ist das falsche Wort, die sind schon im Hinterkopf drin – ich versuche da dann, nicht ständig dran zu denken. In der vierten Runde, wo der Kopfstoß passiert ist, und meine Wunde wieder aufgegangen ist, da ist mir das Ganze wieder durch den Kopf geschossen und das hat mich auch aus dem Konzept gebracht, weil mir wieder die ganzen Bilder hochgekommen sind, von meinem letzten Cut. Und das war alles andere als schön. (beim Kampf 2008 gegen Sandy Tsougaris musste ein Cut bei Menzer mit 13 Stichen genäht werden, Anm. d. Red.)
Also privat schon eitel, im Ring aber nicht?
Sagen wir mal so, ich nehme etwa zehn Prozent Eitelkeit aus dem normalen Leben mit in den Ring *lacht*
Du, Susi Kentikian, Natascha Ragosina, Esther Schouten, Cecilia Braekhus, Regina Halmich – es gibt eine Menge gut aussehender Boxerinnen. Ist es für die Karriere im Boxring von Vorteil, wenn man hübsch ist?
Auf jeden Fall. Ich glaube, gut aussehen nützt in jedem Beruf etwas, egal ob man boxt, Sekretärin ist, oder Lehrerin oder was auch immer. Ich glaube, gutes Aussehen macht es dir in einigen Berufen etwas leichter, besonders auch, wenn man im Showbusiness tätig ist – da erst recht.
Ist Boxen denn Showbusiness?
Eigentlich schon, man ist ja Entertainer. Ich glaube, eine hübsche Sängerin hätte es leichter als eine häßliche. Genauso ist es beim Boxen. Und da viele Leute Frauenboxen sowieso mit – ich sag jetzt mal „Mannsweibern“ – in Verbindung bringen, bin ich genau das Gegenteil.
Gab es bei dir Erlebnisse im Ring, an die du dich besonders gerne erinnerst – von gewonnenen Kämpfen mal abgesehen?
Gerne erinnern *überlegt* Ich bin immer sehr stolz und glücklich, wenn ich im Kampf das umsetzte, was ich imTraining gelernt habe, woran wir gearbeitet haben. Das ist nämlich sehr schwer. Wenn ich 50 Prozent von dem mit in den Ring nehme, was ich gelernt habe, dann ist schon viel geschafft.
Ich habe mal versucht, mir einen Überblick über die verschiedenen Gewichtsklassen zu machen – da sind ja zum Teil nur zwei, drei Kilo Unterschied zwischen den Gewichtsklassen. Ist so wenig Gewichtsunterschied wirklich entscheidend?
Jein. Ich hätte es lieber, wenn man aus den drei Kilo fünf machen würde, denn jede Gewichtsklasse hat ja ihre eigenen Weltmeister. Die dann mal die verschiedene Verbände, ich denke, dass verwirt die Zuschauer auch. Aber ich glaube, es besteht kein Bedarf, die Klassen zu ändern.
Ein Zuschauer hat mal bei einem Boxkampf gerufen „Gewalt ist keine Lösung“…
*lacht herzhaft* ja, das hat mal ein Zuschauer Jürgen Brähmer reingerufen.
Gibt es Momente, wenn man an sowas denkt, wenn man im Ring steht?
Denken nicht. Aber wenn ich an Jürgens Stelle im Ring gestanden hätte, ich glaube, ich hätte losgelacht *lacht* Ich saß zum Glück nur als Zuschauer am Ring.
Gibt es schon Pläne für eine Revanche?
Eine Revanche gibt es, aber noch keine Termine. Ich mache jetzt erstmal Pause und ein wenig Urlaub am Meer und dann setzten wir uns mit dem Mangement zusammen und dann schauen wir.
Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für die Revanche.

