Mehr Soul geht nicht - mit Jonathan Jeremiah "back in the 60ies"
Jonathan Jeremiah gilt mit seinen gerade mal 31 Jahren schon als “The next Big Thing”. Mit seinem Debütalbum “A Solitary Man” katapultierte sich der smarte Singer/Songwriter mit den großen Teddyaugen, der aristokratischen Nase, den langen Wunschelhaaren und einer dramatisch-eindringlichen Stimme direkt in den Musik-Olymp. Und das ganz ohne gängigen Pop.Seine Lieder künden von Herzschmerz und Liebe, vom Zusammenkommen, Auseinandergehen und sich Wiederfinden. Dabei scheut er auch vor dem Einsatz eines großen Orchesters mit Flügelhorn nicht zurück. Die Konzerte seiner ersten Deutschlandtournee in Berlin, Köln und Hamburg sind restlos ausverkauft.
Wir wollten wissen, wie denn einer so tickt, der solche Songs scheibt und dabei aussieht wie “Jesus persönlich”.
hallo Sonntag: Die britische Presse sieht in dir “The Next Big Thing”. Was hältst du von dem Etikett?
Jonathan (lacht): Journalisten schreiben doch eh was sie wollen. So what?!
Hat sich dein Leben durch den plötzlichen Erfolg mit deinem ersten Album verändert?
Ja und nein. Ich hatte eigentlich nicht mit so einem Erfolg gerechnet. Es ist noch nicht lange her, da habe ich nachts im Wembley Stadion als Sicherheitsmann gearbeitet und hinter Musikern wie Bruce Springsteen nach deren Konzerten die Tür zugemacht. Mal selbst auf einer Bühne vor Publikum zu stehen, war bestenfalls ein Traum.
Ist Musik deine Droge?
Musikmachen ist wie Sich Ausklinken. Es trägt mich weit weg aus London, aus dem stressigen Alltag, den wir alle haben.
Welche Themen brennen dir bei deiner Musik unter den Nägeln?
Das, was uns alle bewegt: die Liebe. Das Miteinander der Menschen.
Deine Songs wie “Happiness” sind fröhlich, andere wie “Lost” sentimental. Was ist dir näher?
Ach, das hängt tatsächlich ganz von meiner Tagesstimmung ab. Ich bin genau wie jeder andere auch, an manchen Tagen trauriger als an anderen oder eben fröhlich.
Deine Musik ist ein Mix aus Folk und Soul. Deine Vorbilder?
Als Kind habe ich in der Plattensammlung meines Vaters gestöbert und viel Cat Stevens, Scott Walker, Serge Gainsbourg, John Martyn und Carole King gehört. Das hat mich wohl geprägt.
Wieviel irisches Blut fließt in dir?
Chemisch betrachtet 50 Prozent, da meine Mutter ja Irin ist. Von ihr habe ich wohl auch den Tiefgang.
Soll dein Äußeres mit den langen Haaren und dem lässigen Kleidungsstil dein Image als “Lonesome Cowboy” untermauern?
Ich mochte schon immer eine gewisse Lässigkeit. Und dann sieht man wohl so aus (lacht).
Wo lebst du?
In London, wo ich auch geboren bin. Ich habe eine Wohnung in der Stadt und einen Platz am westlichen Stadtrand in einem kleinen Wald.
Wo hältst du dich zuhause am liebsten auf?
Ganz klar in meinem Studio. Da kann ich wie ein Kind sein und machen, worauf ich Lust habe.
Hier endet unser Gespräch vorerst. Die Leitung ist tot. Nach drei Minuten ist Jonathan wieder am Apparat.
Das kommt öfter vor. Die Telefonleitungen hier draußen im Grünen sind nicht die besten”, sagt er.
Wie begann denn musikalisch alles?
Ich stamme aus einer großen katholischen, irisch-englischen Familie mit drei Schwestern und einem Bruder. Zuhause wurde eigentlich immer Musik gemacht. Meine ersten Gitarrenstunden bekam ich mit sechs Jahren, weil ich einfach keine Lust aufs Sprachenlernen hatte, und los gings.
Welcher Song war denn der erste auf dem Album?
„Solitary Man” - nach dem auch das Album benannt ist. Er enstand während meiner Reise allein quer durch die USA. Als zweiter kam “Happiness” dazu. Ich hatte all mein Geld in New York verprasst und kehrte wieder zurück nach Hause. Glücklich eben.
Bist du schon mal in Deutschland gewesen?
Ja, ich habe im vergangenen Oktober in Berlin die Songs für mein zweites Album eingespielt.
Verrätst du, was uns darauf erwartet?
Ganz ehrlich: ich würde ja, aber ich kann nicht. Da hängen einfach zu viele Leute dran, und denen falle ich auf gar keinen Fall in den Rücken. Also: no comment, sorry!
Das Interview führte Jeanine Cujé-Bartsch
Das Konzert: Am Donnerstag, 22. März, ist Jonathan Jeremiah auf seiner “A Solitary Man”-Tour 2012 ab 20 Uhr live im Capitol zu Gast. Support: Andy Taylor.
Karten (29,95) gibt es unter der Ticket-Hotline 0511/44 40 66, an allen bekannten Vorverkaufsstellen sowie online unter www.hannover-concerts.de






