Interview: Lenka im Gespräch

von Clemens Niehaus | am 22.03.2010 | 269 mal gelesen | 1 Bild
Lenka

Keine Radiostation, die nicht im vergangenen Jahr Lenkas „The Show“ spielte. Der Song der quirligen Australierin bohrte sich in die Gehörgänge und katapultierte sie quasi aus dem Busch in die Charts. Im Februar spielte Lenka Kripac im Vorprogramm von Milow und machte dabei auch in Hannover Station. Vor dem Konzert sprach Lenka mit hallo Sonntag-Redakteur Clemens Niehaus.


hallo Sonntag: Dein Song „The Show“ war ja nicht nur in Deutschland ein Riesenerfolg – kannst du dich nich erinnern wie es war, als du dein Lied zum ersten Mal im Radio gehört hast?

Lenka:
Ja das weiß ich noch genau. Man hat viel über den Song geredet und ich habe immer drauf gewartet, dass er gespielt wurde. Dann war ich bei einem Radiosender auf Promotour und da war das die Wahrscheinlichleit sehr groß, dass er anschließend gespielt wurde *lacht*

Du hast bei der „ambient pop“-Band Decoder Ring gesungen und Keyboard gespielt – gab es einen bestimmten Moment, wo du dich entschieden hast, dein eigenes Ding zu machen?

Nein, es war immer mein Ziel, ein Solo-Album zu machen … und … ich weiß nicht genau warum es zu dem bestimmten Zeitpunkt war, es kamen mehrere Dinge zusammen Ein Hauptgrund war aber, dass ich mehr singen wollte. Die meisten Decoder Ring-Songs waren instrumental, ich habe zwar viel Synthesizer gespielt, das war auch ganz lustig, aber ich wollte mehr Musik mit Gesang machen. Und so kam es, dass ich die Band verlassen habe.

Hat Decoder Ring deine Songs beeinflusst, deine Art der Musik?

Ja, schon. Sie haben meine Art zu schreiben beeinflusst – dass man verschiedene Wege gehen kann, um bei der Melodie anzukommen, mein Verständnis für die Soundkulisse und die Lust für ungewöhnliche Instrumentierung und … *überlegt* ich weiß nicht, wenn ich nicht in der Band gewesen wäre, würde ich jetzt andere Musik machen.

„The Show“ hat es dir ermöglicht, rund um die Welt zu reisen – hast du da besondere Momente erlebt oder Erfahrungen gemacht, die du nicht mehr vergessen wirst?

Ja, ich habe eine ganze Menge merkwürdige und schöne Erinnerungen. Ein Highlight war ein Auftritt in Japan, beim Summersonic Festival. Das war die größte und verrückteste Menschenmenge, die ich je Mittags gesehen hab. Dann gab es ein, zwei Konzerte, wo ich wollte, dass das Publikum bei „The Show“ den Textteil „I Want My Money Back“ singen sollte – und es hat mir fast das Herz gebrochen, als sie das nicht gemacht haben. In manchen Ländern, wie Korea und den Philippinen, sind die Menschen sehr schüchtern, zu schüchtern um zu singen – das war schon sehr befremdlich. Aber es ist an mir, sie in die Show mit einzubinden und da fühle ich mich manchmal schlecht, weil es mir nicht gelungen ist, das Publikum mit auf eine Reise zu nehmen.

Du bist ja nicht nur Sängerin, sondern auch Schauspielerin, du hast sogar bei Cate Blanchett gelernt. Spielst du noch?

Nein, seit etwa sechs Jahren schon nicht mehr gespielt. Ich habe mit 13 Jahre angefangen mit der Schauspielerei, war auf der Kunstschule und das ungefähr zehn Jahre lang gemacht, jetzt liegt mein Schwerpunkt aber auf der Musik und ich spiele nur noch in meinen Videos.

Du hast als Kind im australischen Hinterland gewohnt, bist dann nach Sydney gezogen, von dort gings nach Los Angeles. Vermisst du manchmal die kleine überschaubare und ‘langsame’ Welt?

Ja, sehr. Ich versuche auch, oft nach Australien zu fahren, um im Bush zu campen. Jetzt war ich gerade vier Wochen über die Weihnachtsfeiertage da – da haben wir am Strand in der Sonne gelegen, da ist ja gerade Sommer. Das vermisse ich schon sehr, aber das Musikbusiness findet eben in Amerika statt, und da muss man dann eben hin, wenn man Karriere machen will.

Das Cover deiner CD „Lenka“ ist ziemlich bunt, würdest du dich selbst auch als „bunt“ bezeichnen?

Die meiste Zeit schon *lacht* etwa 90 Prozent der Zeit bin ich „bunt“, die anderen 10 Prozent bin ich „schwarz“. Aber der dominierende Teil meiner Persönlichkeit ist farbig, und darum gehts auch in dem Album.

Hast du schon Pläne für dein zweites Album?

Ich denke an nichts anderes. *lacht* Ich weiß noch nicht genau, wann es kommt, aber es kommt bald. Ich habe viel geschieben, Produzenten ausgesucht und nächsten Monat gehts ins Studio.

Da sind wir gespannt, vielen Dank für das Gespräch.

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