Interview: Sergio Pinto im Gespräch

Sergio Pinto ist seit 2007 bei Hannover 96. Er wurde am 16. Oktober 1980 in Vila Nova de Gaia in Portugal geboren. Pinto spielte bis 1993 beim FC Porto, seit 1995 für Schalke. Am 25. September 1999 feierte der Mittelfeldakteur dort sein Erst­liga­debüt gegen Leverkusen. Nach drei Jahren Aachen kam er zu 96. Sein Markenzeichen sind sehenswerte Tore. Als Führungsspieler trägt er wesentlich zum Erfolg dieser Saison bei. hallo Sonntag-Mitarbeiter Dieter Kösel sprach nach dem Freiburg-Spiel mit Sergio Pinto, der dort gelbgesperrt fehlte.

hallo Sonntag: Haben Sie mit einem so deutlichen Erfolg in Freiburg gerechnet?

Sergio Pinto:
Nein, so eindeutig nicht. Unsere Mannschaft hat eine starke Leistung geboten und in der Höhe verdient gewonnen.

Was geht in Ihnen vor, wenn Sie Spiele Ihrer Mannschaft vor dem Fernseher betrachten müssen?

Ich wäre natürlich viel lieber auf dem Platze. Das sind Geschichten, die ich nicht sehr gerne erlebe.

Nach dem Pokal-Aus in Elversberg haben Sie gesagt, das wird eine schwierige Saison, jetzt nach dem HSV-Spiel, unser Ziel ist die Champions League. Was ist passiert?

Wir hatten viele Abgänge zu verkraften und Neuzugänge zu integrieren. Das haben wir perfekt hinbekommen. Wir haben eine sehr lernwillige Mannschaft, die sich positive Dinge zum Ansporn herauszieht und negative verarbeitet. Wir sind mit unserer jungen Mannschaft immer noch in einem Lernprozess. Diese Saison war uns so nicht zuzutrauen, aber ich glaube auch nicht, dass sie eine Eintagsfliege ist. Trotz unseres Erfolges gibt jeder im Training Gas. Das zeichnet uns aus.

Es gibt warnende Beispiele wie Bochum oder Hertha, die überraschend international spielten und abstiegen. Warum wird das 96 nicht passieren?

Dazu sind wir zu lernwillig und spielen einen ganz anderen Fußball. Wir sind nicht die Mannschaft, die immer 60 Prozent Ballbesitz hat, sondern wir spielen aus einer geordneten Defensive schnell nach vorne. Das ist zwar manchmal Kraft raubend, weil wir ständig in Zweikämpfe verwickelt sind. Aber genau das zeichnet uns aus, dass wir dann etwa beim HSV in den letzten Minuten noch richtig gute Chancen hatten. Nicht weil wir vorne mit fünf Spielern stehengeblieben sind, sondern noch schnelle Konter fahren konnten. Nein, ich bin mir sicher, das wird uns nicht passieren.

Sie haben mit Aachen im Uefa-Pokal gespielt. Was ist für Spieler das Besondere daran?

Das fängt schon damit an, dass man etwa bei den Auswärtsspielen früh in der Woche unterwegs ist. Da trainiert man einen Tag vor der Partie im Stadion des Gegners. Und abends die Atmosphäre, das ist ein starkes Gefühl. Ich wünsche mir schon alleine die Champions League, um die Hymne auf dem Platz zu hören. Das wäre eine Riesengeschichte.

Ist das zentrale Mittelfeld Ihre Idealposition?

Ja, seitdem ich dort spiele, habe ich meine Leistung gebracht und stabilisiert. Da gibt es keine großen Schwankungen mehr. Die Position liegt mir. Ich habe viele Ballkontakte, meine Zweikampfstärke, Passgenauigkeit und mein Spielverständnis kommen zum Tragen. Ich bin ständig im Mittelpunkt des Geschehens, kann es beeinflussen und habe das Vertrauen des Trainers. Das zahle ich Woche für Woche mit Leistung zurück.

Aggressiver Führungsspieler auf dem Rasen, wie sind Sie privat?

Ich bin ein ganz ruhiger Mensch und tue alles mit Gelassenheit. Deswegen bekomme ich manchmal sogar zu Hause Ärger wegen meiner Chill-Manier, wie meine Freundin es nennt. Wenn ich einkaufen muss, brauche ich eben zehn Minuten länger als andere. Ich mag keinen Stress. Sobald ein bisschen Hektik herrscht, ist mir das schon ein Stück zu viel.

Im Mittelpunkt stehen Aurora-Milla und Soleá-Vida. Erziehen Sie Ihre Töchter zweisprachig?

Das würde ich gerne, doch es fällt mir schwer. Ich rede außer mit meinen Eltern nur sehr selten Portugiesisch, da fehlen mir manchmal Worte. Dann entsteht ein Mischmasch mit Deutsch, und den sollen sie nicht lernen. Wenn ich zwei, drei Tage in Portugal bin, dann kann ich die Sprache wieder perfekt. Wir versuchen, einen Kindergarten für unsere Älteste zu finden, in dem sie die Sprache lernen kann, aber den gibt es in Hannover nicht.

Am Sonnabend kommt Abstiegskandidat Gladbach, jeder erwartet einen Sieg. Wird es so einfach?

Borussia braucht die Punkte unbedingt, aber wir sind drittbestes Heimteam und wollen unbedingt gewinnen. Alleine für unsere Fans und weil wir Dritter werden wollen!

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