Interview: Sophie Kinsella im Gespräch
Bei typisch britischem Nieselregen macht Bestsellerautorin Sophie Kinsella (auch bekannt als Madeleine Wickham) Station in Hannover, um ihr aktuelles Buch “Kennen wir uns nicht” im Rahmen einer Lesung in der Buchhandlung Schmorl & von Seefeld vorzustellen. Hallo Sonntag Mitarbeiterin Annette Hartmann sprach vorab mit der sympathischen Schriftstellerin.
hallo Sonntag: Hallo Frau Kinsella, wir haben extra englisches Wetter bestellt. Konnten sie trotzdem einen Eindruck von Hannover gewinnen?
Sophie Kinsella: Nicht wirklich - aber vom Taxi aus sah es sehr hübsch aus. *lacht*
Sie sind bestimmt mit ihrer Arbeit und ihren drei Jungs ziemlich beschäftigt. Wie sieht denn so ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
Das kommt drauf an - wenn ich zu Hause bin beginne ich den Tag damit, meine Kinder aus dem Bett zu schmeißen und sie für die Schule fertig zu machen. Dann gehe ich in mein Büro, das zu Fuß etwa 15 Minuten von mir entfernt ist. Der Fußweg macht den Kopf frei und wenn ich im Büro angekommen bin, mache ich mir einen Kaffee, schalte die Telefone aus und beginne mit dem Schreiben. Um zwei Uhr hörte ich meist auf, gehe nach Hause, dann kommen die Kinder nach Hause und ich beschäftige mich mit ihnen. Manchmal gehe ich später noch mal ins Büro.
Brauchen sie denn absolute Ruhe beim Schreiben?
Nein, überhaupt nicht. Im Gegenteil. Ich brauche sehr laute Musik. Wenn ich schreibe höre ich ganz laut Madonna, Kylie Minogue oder Robbie Williams. Wenn die Musik so laut ist, dass sie mich wie eine Mauer umgibt, kann ich mich am besten konzentrieren - und es gibt Energie.
Wenn Sie mal Freizeit haben, wie entspannen sie?
Ich habe kaum Zeit für Hobbys. Ich gehe Shoppen, nehme ein Bad, dabei entspanne ich. Ich versuche auch, ins Fitnessstudio zu gehen. Aber in diesem Jahr ist es ziemlich verrückt. Ich reise viel und bin unterwegs - da muss ich Wege finden mich zu entspannen. Ich schwimme gerne und spiele Tennis so oft wie ich kann.
Was ist mit lesen?
Ich liebe Bücher und lesen, natürlich. Aber ich finde es schwierig, ein Buch zu lesen, wenn ich selber am Schreiben bin. Besonders, wenn es dasselbe Genre ist wie meines. Ich befürchte, da möglicherweise Ideen zu übernehmen, Charakterzüge und so, deshalb trenne ich das besser. Aber dadurch stapeln sich bei mir Bücher, die darauf waren, gelesen zu werden. Wenn ich fertig bin mit einem Buch starte ich immer ein Lesefest bevor ich wieder anfange zu schreiben.
Haben Sie ein Lieblingsbuch, oder einen Lieblingsautor?
Definitiv Jane Austen. Da kann ich mich nicht entscheiden ob "Emma" oder "Pride and Prejudice" (Stolz und Vorurteil). Das sind meine Lieblingsbücher, so tolle Geschichten - man kann sie immer wieder lesen und entdeckt jedes mal neue Details. Fantastisch.
Ihre bisher erfolgreichsten Bücher ist die Reihe um Becky Bloomwood, die Schnäppchenjägerin. Hatten Sie das eigentlich von Anfang an als Serie geplant?
Nein, überhaupt nicht. Ich wusste ja nicht, ob die Leute es mögen werden. Es gab keinen großen Plan, aber ganz im Hinterkopf hatte ich schon die Idee, dass, wenn es eine Fortsetzung geben sollte, es lustig wäre, wenn Becky nach New York gehen würde.
Aber es wird weitere Fortsetzungen von Becky, Luke und Minnie geben?
Ja, aber nicht im Moment. Im Moment schreibe ich einen neuen Einzelroman. Und wenn der fertig ist, komme ich wohl zurück zu Becky.
Derzeit wird "Die Schnäppchenjägerin" verfilmt. Es muss aufregend sein, zu beobachten, wie aus dem Buch ein Film wird.
Ja, das ist ziemlich aufregend.
Inwieweit waren sie den in den Film involviert?
In die Planung gar nicht, das passierte alles in Hollywood. In diesem Jahr wurde ich eingeladen, beim ersten Skriptlesen dabei zu sein. Jeder hat mich gefragt, was ich denke und ich war am Set dabei. Und ich konnte ein paar Anregungen geben - schließlich wurde eine ganze Menge geändert.
Zu Beginn Ihres neuen Romans "Kennen wir uns nicht" (erschienen im Goldmann-Verlag) schildert die Protagonistin Lexi Smart den übelsten Abend ihres Lebens - hatten sie auch schon einmal so einen Abend?
Ich hatte einige üble Abende *lacht* und da hat es immer geregnet. Ich hatte auch Abende wo alles schief ging, wo es kalt war, und man nicht nach Hause gekommen ist - das alles hab ich zusammengepackt, um den wirklich übelsten Abend zu beschreiben.
Wie kamen Sie auf die Idee von "Kennen wir uns nicht"?
Ich dachte, es könnte lustig sein, wenn das Leben über Nacht perfekt wird. Es ist wie im Märchen von Dornröschen - plötzlich ist alles gut. Ich stelle mir vor, wie es sein würde, wenn man aufwacht und alles perfekt ist - von den Zähnen bis zum Mann, vom Auto bis zu den Fingernägeln.
Wird es davon eine weitere Folge geben?
Nicht im Moment. Diese Geschichte ist erzählt - aber wer weiß. Ich sage niemals nie. *lacht*
Noch einmal zurück zu Becky Bloomwood - was würde sie ganz sicher kaufen wenn sie in Deutschland shoppen würde?
Ich weiß es nicht *lacht*, ich hatte noch keine Gelegenheit, hier shoppen zu gehen. Aber ich kann Ihnen verraten, was meine geheimen Shopping Pläne für Deutschland sind: ich möchte Weihnachtsschmuck kaufen, den hübschen Holzschmuck für den Tannenbaum. Das ist glaube ich ganz typisch deutsch. *lacht*.
Frau Kinsella, vielen Dank für das nette Gespräch.
